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© Pexels.com/Masha Raymers

Die Ver­mes­sung des Unsichtbaren

Maße und Ver­mes­sung von Objek­ten, die unter gewöhn­li­chen Umstän­den nicht sicht­bar sind. TU-Wien und Uni­ver­si­tät Utrecht ent­wi­ckeln neue Methode mit spe­zi­el­len Lichtwellen. 

Laser­strah­len kön­nen prä­zise mes­sen, wo sich ein Objekt befin­det, oder ob es seine Posi­tion ver­än­dert. Nor­ma­ler­weise braucht es dazu aller­dings freie, unge­trübte Sicht auf die­ses Objekt – und diese Vor­aus­set­zung ist nicht immer gege­ben. In der Bio­me­di­zin sol­len etwa oft Struk­tu­ren unter­sucht wer­den, die in eine unre­gel­mä­ßige, „kom­pli­zierte“ Umge­bung ein­ge­bet­tet sind. Dort wird der Laser­strahl dann abge­lenkt, gestreut und gebro­chen – und damit ist kein sinn­vol­les Mess­ergeb­nis mehr möglich.

Publi­ka­tion im renom­mier­ten Fach­jour­nal „Nature Physics“
Die Uni­ver­si­tät Utrecht (Nie­der­lande) und die TU Wien haben nun einen neuen Ansatz ent­wi­ckelt, mit der Mög­lich­keit, den Laser­strahl gezielt so zu ver­än­dern, dass er in der kom­ple­xen, unge­ord­ne­ten Umge­bung trotz­dem genau die gewünschte Infor­ma­tion lie­fert – und zwar nicht nur unge­fähr, son­dern auf phy­si­ka­lisch opti­male Weise. Mehr Prä­zi­sion lässt die Natur bei kohä­ren­tem Laser­licht gar nicht zu. Die neue Tech­no­lo­gie ist in unter­schied­li­chen Anwen­dungs­ge­bie­ten ein­setz­bar und zudem auch mit unter­schied­li­chen Arten von Wel­len, so die TU-Wien in einer Aus­sendung. Die neue Methode wurde im inter­na­tio­nal renom­mier­ten Fach­jour­nal „Nature Phy­sics“ präsentiert.

„Den­ken wir zum Bei­spiel an große Anlage (Anm. LIGO), mit der man Gra­vi­ta­ti­ons­wel­len nach­wei­sen kann: Dort sen­det man Laser­strah­len auf einen Spie­gel, um Varia­tio­nen im Abstand zwi­schen Laser und Spie­gel mit extre­mer Prä­zi­sion zu mes­sen. Das gelingt nur des­halb so gut, weil sich dort der Laser­strahl durch ein Ultra­hoch­va­kuum aus­brei­tet. Jede noch so kleine Stö­rung soll ver­mie­den wer­den“, erläu­tert Ste­fan Rot­ter vom Insti­tut für Theo­re­ti­sche Phy­sik der TU Wien.

Die opti­male Welle
Doch was bei nicht ent­fern­ba­ren Stö­run­gen? „Neh­men wir eine nicht trans­pa­rente Glas­scheibe. Licht­wel­len wer­den ver­än­dert und gestreut, daher kön­nen wir ein Objekt auf der ande­ren Seite der Glas­scheibe mit freiem Auge nicht genau erken­nen“, so All­ard Mosk von der Uni­ver­si­tät Utrecht. Ähn­lich ist die Situa­tion bei win­zi­gen Objek­ten im Inne­ren von bio­lo­gi­schem Gewebe: Die unge­ord­nete Umge­bung stört den Licht­strahl. Aus dem regel­mä­ßig-gera­den Laser­strahl wird ein unüber­sicht­li­ches Wel­len­mus­ter, abge­lenkt in alle Richtungen.

Wenn aber bekannt ist, was die stö­rende Umge­bung mit dem Licht­strahl macht, kann die Situa­tion umkehrt wer­den: Hier ist es mög­lich, statt des ein­fa­chen, gera­den Laser­strahls ein kom­pli­zier­tes Wel­len­mus­ter zu erzeu­gen, das durch die Stö­run­gen genau die gewünschte Form erhält und genau dort auf­trifft, wo es das beste Resul­tat lie­fern kann. „Um das zu errei­chen, muss man die Stö­run­gen nicht ein­mal genau ken­nen“, erklärt Dorian Bou­chet, Erst­au­tor der Stu­die. „Es genügt, zuerst pas­sende Wel­len durch das Sys­tem zu schi­cken, um damit zu unter­su­chen, wie sie durch das Sys­tem ver­än­dert werden.“

Ein­satz in ganz unter­schied­li­chen Bereichen
Die an die­ser Arbeit betei­lig­ten Wis­sen­schaft­ler ent­wi­ckel­ten gemein­sam ein mathe­ma­ti­sches Ver­fah­ren, mit dem aus die­sen Test­da­ten dann die opti­male Welle berech­nen wer­den kann: „Man kann zei­gen, dass für ver­schie­dene Fra­ge­stel­lun­gen bestimmte Wel­len exis­tie­ren, die ein Maxi­mum an Infor­ma­tion brin­gen: Etwa über die Raum­ko­or­di­na­ten, an denen sich ein bestimm­tes Objekt befin­det“, unter­streicht Bou­chet. Dass die Methode tat­säch­lich funk­tio­niert, wurde an der Uni­ver­si­tät Utrecht expe­ri­men­tell bestätigt

Diese Ergeb­nisse wur­den im Rah­men eines Pro­gramms zur Ver­mes­sung von Halb­lei­ter­struk­tu­ren im Nano­me­ter­be­reich erzielt, bei dem Uni­ver­si­tä­ten mit der Indus­trie zusam­men­ar­bei­ten. Tat­säch­lich sieht das Team mög­li­che Ein­satz­be­rei­che für diese neue Tech­nik in ganz unter­schied­li­chen Berei­chen wie z.B. in der Mikro­bio­lo­gie, aber etwa auch in der Her­stel­lung von Chips, wo extrem prä­zise Mes­sun­gen eben­falls unver­zicht­bar sind. 

Autor: red/mich/cc
28.01.2021

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