
Die Verstärkung des Stachels
Humorvoll philosophische und streng wissenschaftliche Einordnungen zum Stachel des Skorpions mit menschlichen Querverweisen. Neue Studie mit Beteiligung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) beleuchtet unterschiedliche Einsatzweisen und Verstärkungsmuster.
Jagd, Schutz, Selbstverteidigung sind die Einsatzgebiete für den Stachel. Die Fortpflanzung gehört nicht dazu. Beim Skorpion natürlich. Der Skorpion ressortiert zu den Spinnentieren (Anm. Arachnida), er gilt als nachtaktives „Raubtier“ mit acht Beinen, zwei Scheren und eben einem Giftstachel – den der Autor dieses Textes schon einmal „kennen lernte“.
Vorab ist der Skorpion auch ein Sternzeichen (Anm. 24. Oktober bis 22. November), das für tiefgründige Leidenschaft, Intensität und mutige Entschlossenheit steht, und zudem auch für Rachsucht oder Kompromisslosigkeit. Sein Stachel steht dann entsprechend, neben realen Funktionen, auch als Metapher für unterschiedliche Anwendungsformen der angeführten Charakterzüge.
Der Skorpion als menschlicher Aszendent
Als Aszendent, der in der zweiten menschlichen Lebenshälfte zum eigentlichen und dann charakterlich ausschlaggebenden Sternzeichen werden soll, kann er das eigentliche Sternzeichen von Menschen, bzw. dessen damit verbundene Charaktereigenschaften ausgleichen, ergänzen oder etwaig auch ersetzen.
Ist dieses eigentliche Sternzeichen der Fisch mit damit verbundenen Wesenszügen wie ausgeprägte Introvertiertheit, Sensibilität oder gar grübelhaften Abwägungstendenzen, dann können die skorpionesken Eigenschaften befreiend erfrischen und zu neuem Handlungseifer motivieren.
Bestimmte Eigenschaften im Laufe der Evolution
Zurück aber nun zum tierischen Lebewesen Skorpion, wo die Artgenossen ihren Stachel eben zur Jagd, zum Schutz und zur Selbstverteidigung einsetzen. Eine neue Studie zeigt nun, dass sich diese unterschiedlichen Einsatzszenarien direkt in der Materialstruktur und der Chemie der Stacheln widerspiegeln.
Entscheidend ist dabei nicht nur, welche metallischen Elemente eingebaut werden, sondern auch, wie die Chitinfasern im Inneren angeordnet sind. Die Ergebnisse liefern Hinweise darauf, wie sich robuste und gleichzeitig leichte und langlebige Materialien entwickeln lassen – und warum sich bestimmte Eigenschaften im Laufe der Evolution in der Natur durchgesetzt haben.
Die Skorpionarten „Centruroides platnicki“ und „Nebo whitei“
Für die mechanischen Untersuchungen war unter anderem ein Team vom Erich-Schmid-Institut für Materialwissenschaften der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) beteiligt. Geleitet wurde die Studie von Helga Lichtenegger von der Uni für Bodenkultur (BOKU). Analysiert wurden zwei Skorpionarten mit unterschiedlichem Lebensstil.
Die Skorpionart „Centruroides platnicki“ nutzt den Stachel aktiv zur Jagd, während Kollege „Nebo whitei“ ihn vor allem zur Verteidigung einsetzt. „Also wird ein Stachel täglich benutzt oder täglich beansprucht und der andere nur manchmal“, erklärt Stanislav Zak vom Schmid-Institut. „Wir wollten verstehen, ob sich das auch in den Materialeigenschaften widerspiegelt“, ergänzt Megan Cordill, ebenso Mitglied im Forscherteam.
Unterschiedliche Strategien für unterschiedliche Nutzung
Die mechanischen Eigenschaften wurden mittels sogenannter Nanoindentation untersucht. Dabei kommt eine feine Diamantspitze zum Einsatz, mit der sich Objekte messen lassen, die kleiner als ein menschliches Haar sind. Mit genau kontrollierter Kraft wird die Spitze in das Material gedrückt.
„Soweit wir wissen, sind wir die ersten, die Skorpionstacheln indentiert und Ergebnisse daraus gewonnen haben“, sagt Cordill. Aus der Reaktion des Materials ließ sich bestimmen, wie hart und wie steif die verschiedenen Schichten des Stachels sind. „So konnten wir nicht nur Unterschiede zwischen den beiden Arten messen, sondern auch zeigen, wie sich die Eigenschaften entlang des Stachels von der Spitze bis zur Basis verändern“, erklärt Cordill.
Häufig eingesetzter Stachel muss langlebig und verschleißfest sein
Während beim Kollegen Nebo whitei ein höherer Zinkanteil in der äußeren Schicht vorkommt, ist der Stachel von Centruroides platnicki stärker durch Mangan und Kalzium geprägt. Mangan und Kalzium tragen stärker zu Steifigkeit und Stabilität bei, während Zink nicht automatisch zu größerer Härte führt und eher mit kurzfristiger Härtung verbunden ist. Ob diese Erkenntnisse nun auch neue physische Behandlungsszenarien bei älteren humanoiden Männchen auslösen, wird sich zeigen.
Bei den Skorpionen passen die Unterschiede jedenfalls genau zum Verhalten der Tiere : Ein Stachel, der häufig eingesetzt wird – etwa zur Jagd – muss vor allem langlebig und verschleißfest sein. Er darf sich nicht schnell abnutzen, sondern muss viele Einsätze überstehen. Wird der Stachel hingegen nur selten verwendet, etwa zur Verteidigung, kommt es weniger auf Dauerhaftigkeit an – dafür aber auf maximale Belastbarkeit im entscheidenden Moment. Er muss kurzfristig besonders hohen Kräften standhalten, wenn es darauf ankommt. Wiederum wäre eine humanoide Metapher zumindest denkbar.
Inspiration für neue Materialien und Vergleiche
Die skorpiontechnischen Ergebnisse zeigen dann noch, dass die mechanischen Eigenschaften nicht linear mit der Metallkonzentration zunehmen. Stattdessen scheint es ein optimales Zusammenspiel aus chemischer Zusammensetzung und Struktur zu geben – ein Hinweis darauf, wie präzise biologische Materialien angepasst sind. Für die Forschung sind solche Systeme besonders interessant.
Das gilt auch für lustige Publizisten bzw. Autoren — noch dazu, wenn diese einmal von einem Skorpion gestochen wurden. Das passierte im (Ur)Regenwald von Costa Rica und bis zur einheimischen Aufklärung, dass dieser Stich jetzt nicht tödlich war, dauerte es (immerhin) eine halbe Stunde, voll mit entsprechenden Ängsten. Aber wieder retour zu den ÖAW-Forschern.
„Wir können sehr viel von der Natur lernen, wenn es um das Design von Materialien geht. Das ermöglicht uns zu sehen, wo die Funktionalitäten im Verhältnis zum mechanischen Verhalten und zum Lebensstil liegen“, sagt Cordill. „Am Beispiel der Skorpione braucht man andere Eigenschaften, wenn ein Stachel nur gelegentlich eingesetzt wird, als wenn er täglich genutzt wird“, unterstreicht Cordill. Ja, auch hier wäre ein humanoider Vergleich zulässig. (red/czaak)