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Donnerstag, 15.01.2026 | 12:50

Die Welt intel­li­gen­ter machen

Das Öster­rei­chi­sche For­schungs­in­sti­tut für Arti­fi­cial Intel­li­gence (Ofai) ver­dankt viel sei­nem Grün­der und heu­ti­gen Lei­ter Robert Trappl, 71, der ein gutes For­schungs­team auf­ge­baut hat. Ofai-Mit­glied Ger­hard Wid­mer bekam im ver­gan­ge­nen Jahr den Wittgenstein-Preis.

„Uns beschäf­tigt die Frage, wie wir Sys­teme machen kön­nen, die intel­li­gent sind, uns Arbeit abneh­men und das Leben erleich­tern oder Dinge über­neh­men, die wir nicht kön­nen“, hat Robert Trappl eine anschau­li­che Erklä­rung parat, was am
Öster­rei­chi­schen For­schungs­in­sti­tut für Arti­fi­cial Intel­li­gence (Ofai) geleis­tet wird.
Trappl, Jahr­gang 1939, ist erfah­re­ner Experte für Künst­li­che Intel­li­genz (KI). Er hat das Ofai selbst 1984 gegrün­det, ver­gan­ge­nen Dezem­ber wurde das 25-Jahr-Jubi­läum mit einem gro­ßen Sym­po­sium gefei­ert. Das Ofai ist wie­derum eine Grün­dung der Öster­rei­chi­schen Stu­di­en­ge­sell­schaft für Kyber­ne­tik (OSGK), die bereits seit 1969 besteht. „Das Ofai finan­ziert sich zu 95 Pro­zent aus Pro­jek­ten, nur etwa fünf Pro­zent, heuer 55.000 Euro, wer­den vom Wis­sen­schafts­mi­nis­te­rium als Basis­sub­ven­tion zuge­schos­sen“, ist Trappl stolz. Ins­ge­samt lie­gen die Auf­wände bei etwa 1,2 bis 1,5 Mio. Euro pro Jahr. Das Ofai beschäf­tigt rund 25 Wis­sen­schaft­ler. „Wer will, wird ange­stellt, das ist mir wich­tig“, ist Trappl um das Wohl sei­ner Mit­ar­bei­ter bemüht.

Über­all im All­tag präsent
Der Arbeits­be­reich ist tat­säch­lich sehr breit. Das Ofai ist haupt­säch­lich mit Anwen­dungs­for­schung in fol­gen­den Berei­chen aktiv : Sprach­tech­no­lo­gien, Inter­ak­tion zwi­schen User und intel­li­gen­ten Sys­te­men, Intel­li­gent Music Pro­ces­sing and Machine Lear­ning, intel­li­gente und emo­tio­nale Soft­ware­agen­ten und Neue Medien sowie „Ambi­ent Assis­ted Living“.
Künst­li­che Intel­li­genz ist heute über­all „unsicht­bar“ prä­sent. „Ver­wen­den tut sie jeder. Wenn Sie etwa ein Navi­ga­ti­ons­ge­rät kau­fen, eine Kamera, die sich auf Gesich­ter ein­stellt, oder auf dem Handy Texte schrei­ben, wo Sätze oder Buch­sta­ben ergänzt wer­den“, nennt Trappl viele Bei­spiele für KI im Alltag .
„Wir ver­su­chen heute auch, Emo­tio­nen und soziale Bezie­hun­gen ver­mehrt in die For­schung mit­ein­zu­be­zie­hen“, betont der All­round-wis­sen­schaft­ler, der Elek­tro­tech­nik, Sozio­lo­gie und Psy­cho­lo­gie mit Neben­fach Astro­no­mie stu­diert hat. Es gehört zu Trap­pls Ver­dienst, dass das Ofai heute inter­na­tio­nal höchst aner­kannt ist. Das EU-Pro­jekt „Social Enga­ge­ment with Robots and Agents“ (Sera) etwa wird vom Ofai koor­di­niert. Dabei ste­hen fol­gende Fra­gen im Zen­trum : Wel­che sozia­len Fähig­kei­ten muss ein Robo­ter besit­zen, um zu Hause als Gehilfe/​Gefährte will­kom­men zu sein ? Und wie soll er sich beneh­men, dass sein Rat oder seine Kri­tik auch akzep­tiert wer­den kann ?
Wei­tere euro­päi­sche For­schungs­pro­jekte mit Ofai-Betei­li­gung sind „Coll­ec­tive Emo­ti­ons in Cyber­space“, „Inte­gra­ting Rese­arch in Inter­ac­tive Sto­rytel­ling“ (Iris) sowie „Lear­ning for Secu­rity“ (L4S).

Lukra­tive Auftragsforschung
Viele Auf­trag­ge­ber wen­den sich um Hilfe an das Ofai. So wurde im Auf­trag von derStandard.at ein For­schungs­pro­jekt betreff Onlinepos­tings durch­ge­führt. Das Ergeb­nis : Frü­her muss­ten Pos­tings „hän­disch“ gefil­tert wer­den, heute funk­tio­niert das mit­hilfe einer SW-Lösung, basie­rend auf KI, auto­ma­tisch. Ein Fol­ge­pro­jekt („Magni­fi­cent“) beschäf­tigt sich jetzt mit der Frage, wie Online­nach­rich­ten prä­sen­tiert wer­den kön­nen, damit sie den jewei­li­gen indi­vi­du­el­len User opti­mal ansprechen.
Ein sehr anschau­li­ches Ergeb­nis einer Ofai-For­schungs­ar­beit ist der künst­lich intel­li­gente „Sound­park“ des Radio­sen­ders FM4 : ein Musik­emp­feh­lungs­sys­tem, das auf Basis einer Fre­quenz­ana­lyse eines Songs drei wei­tere Titel aus der „Soundpark“-Datenbank vor­schlägt. „Vor 20 Jah­ren galt die Ver­bin­dung von Com­pu­ter und Musik noch als eso­te­risch“, erin­nert sich Ger­hard Wid­mer, der als Pio­nier für Musik und KI gilt und dazu 1992 am Ofai eine Arbeits­gruppe grün­dete. Wid­mer wurde für seine exzel­lente Arbeit im ver­gan­ge­nen Jahr mit dem Top-For­schungs­preis Öster­reichs, dem mit 1,5 Mio. Euro dotier­ten Witt­gen­stein-Preis, belohnt. Der gebür­tige Vor­arl­ber­ger, der seit 2004 zudem auch Vor­stand am Insti­tut für Com­pu­ta­tio­nal Per­cep­tion der Lin­zer Kep­ler-Uni ist, hat Algo­rith­men ent­wi­ckelt, mit denen er digi­tale Musik­samm­lun­gen nach bestimm­ten Kri­te­rien durch­su­chen, ord­nen und abspie­len kann. „Wir haben in fünf­jäh­ri­ger Zusam­men­ar­beit mit B&O eine Ste­reo­an­lage ent­wi­ckelt, die den Inhalt einer Audio­auf­nahme ana­ly­siert und danach wei­ter Musik spielt, die dazu passt“, erzählt Wid­mer, der jetzt von vie­len Audio­fir­men kon­tak­tiert wird.

Autor:
30.04.2010

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