Zum Inhalt
© Markus Jech/TU Wien

Die Zuver­läs­sig­keit elek­tro­ni­scher Bauteile

Der dies­jäh­rige Res­sel­preis der TU-Wien geht an den Elek­tro­tech­ni­ker Mar­kus Jech. Seine Modelle ermög­li­chen die rich­tige Ein­schät­zung von Feh­lern und Halt­bar­keit win­zi­ger Elektronik-Bauteile.

Vom Smart­phone bis zum Com­pu­ter­chip in der Wasch­ma­schine : Men­schen sind jeden Tag dar­auf ange­wie­sen, dass unzäh­lige win­zige elek­tro­ni­sche Bau­teile zuver­läs­sig funk­tio­nie­ren. Diese Garan­tie ist jedoch eine schwie­rige Auf­gabe : Immer klei­ner wer­den die Tran­sis­to­ren für moderne Chips und so kön­nen bereits win­zige Feh­ler auf ato­ma­rer Skala das Ver­hal­ten des Tran­sis­tors maß­geb­lich beeinflussen.

Mar­kus Jech unter­sucht am Insti­tut für Mikro­elek­tro­nik der TU Wien, wie Zuver­läs­sig­keit und Feh­ler­ver­hal­ten elek­tro­ni­scher Bau­teile berech­net und ver­bes­sern wer­den kann. Für seine von Tibor Gras­ser betreute Dis­ser­ta­tion erhielt er nun den dies­jährigen Res­sel-Preis der TU-Wien. 

Klei­nere Bau­teile erge­ben andere Gesetze
„Wenn ein Bau­teil rela­tiv groß ist, dann kann man sta­tis­tisch abschät­zen, mit wie vie­len Feh­lern dort zu rech­nen ist. Und dar­aus kann man dann ablei­ten, wel­che Aus­wir­kun­gen die Feh­ler für das elek­tro­ni­sche Ver­hal­ten des Bau­teils haben“, erklärt Mar­kus Jech. Dafür gibt es gut erprobte Berech­nungs­me­tho­den, die von Chip­her­stel­ler­fir­men seit Jah­ren ver­wen­det werden.

Die zuneh­mende Minia­tu­ri­sie­rung der Bau­teile macht die Sache nun kom­pli­zier­ter : Tran­sis­to­ren auf moder­nen Chips sind nur wenige Nano­me­ter groß und wenn die­ser nur noch aus einer rela­tiv klei­nen Zahl von Ato­men besteht, dann kann es eine große Rolle spie­len, wie viele Mate­ri­al­feh­ler wel­cher Art an wel­cher Stelle ein­ge­baut sind. Das elek­tro­ni­sche Bau­teil kann nicht mehr ein­fach durch seine Geo­me­trie und Mate­ri­al­ei­gen­schaf­ten beschrei­ben, man muss es auf ato­ma­rer Skala untersuchen.

Die Brü­cke zwi­schen Quan­ten­phy­sik und makro­sko­pi­schen Methoden
Mar­kus Jech hat in sei­nen Com­pu­ter­mo­del­len daher eine Brü­cke gebaut zwi­schen den quan­ten­phy­si­ka­li­schen Metho­den zur Beschrei­bung ein­zel­ner Atome und makro­sko­pi­schen Metho­den für die gro­ßen Objekte. „Wich­tig ist das vor allem auch, um die Halt­bar­keit elek­tro­ni­scher Bau­teile vor­her­sa­gen zu kön­nen“, erläu­tert Jech. Um abschät­zen zu kön­nen, wie lange die Bau­teile im nor­ma­len Betrieb ihre Auf­gabe erfül­len wer­den, wer­den sie im Expe­ri­ment extre­men Bedin­gun­gen aus­ge­setzt, etwa erhöh­ten Span­nun­gen oder Temperatur. 

Aber wie erfolgt aus den Ergeb­nis­sen sol­cher Expe­ri­mente der Schluss auf die Lebens­dauer des Bau­teils unter Nor­mal­be­din­gun­gen ? „Auch dafür braucht es wie­der unsere Com­pu­ter­si­mu­la­tio­nen“, sagt Mar­kus Jech. „Nur durch sie kann man ver­ste­hen, wel­che Para­me­ter wel­che Rolle für zuver­läs­sige Schluss­fol­ge­run­gen spie­len.“ Jech stu­dierte Phy­sik an der TU-Wien und wech­selte nach sei­nem Abschluss an die Fakul­tät für Elek­tro­tech­nik und Infor­ma­ti­ons­tech­nik, wo er seit 2015 am Insti­tut für Mikro­elek­tro­nik forscht. Für seine Dis­ser­ta­tion erhält er nun den mit 13.000 Euro dotier­ten Resselpreis. 

Autor: red/mich
02.12.2021

Weitere aktuelle Artikel

Anwen­dun­gen im Welt­raum, in der Hoch­en­er­gie­phy­sik oder für Quan­ten­com­pu­ter. Her­kömm­li­che Elek­tro­nik ver­sagt bei Tem­pe­ra­tu­ren knapp über dem abso­lu­ten Null­punkt. Die TU Wien ent­wi­ckelt nun einen Weg über adap­tive Transistoren. Elek­tro­nik kann Pro­bleme bekom­men, wenn sie zu heiß wird, siehe etwa ent­spre­chende Aus­fälle bei der Küh­lung eines Lap­tops. Elek­tro­ni­sche Schal­tun­gen kön­nen aber auch bei extre­mer Kälte […]
AIT ent­wi­ckelt neu­ar­tige Bio­sen­so­ren für prä­zi­sere Dia­gnos­tik von Blut­pro­ben. Gegen­über bis­he­ri­gen Ver­fah­ren soll neue Vari­ante zusätz­li­che Infor­ma­tio­nen für medi­zi­ni­sche Beur­tei­lung brin­gen und weni­ger res­sour­cen­in­ten­siv sein.  Die soge­nannte „Liquid Bio­psy“ gilt in der moder­nen Medi­zin als gro­ßer Fort­schritt. Diese Form der Unter­su­chung kann Gewe­be­ana­ly­sen ergän­zen und zusätz­li­che Infor­ma­tio­nen für die medi­zi­ni­sche Beur­tei­lung sowie wert­volle Rück­schlüsse für die […]
Med Uni Inns­bruck lei­tet inter­na­tio­nale Zulas­sungs­stu­die einer neuen The­ra­pie von Par­kin­son mit Wirk­stoff Pra­si­ne­zu­mab. Aktu­elle Ergeb­nisse der kli­ni­schen Phase II-Stu­die als Basis für erste „Par­kin­son-Imp­fung“ nun im renom­mier­ten Fach­jour­nal The Lan­cet veröffentlicht. Par­kin­son gehört zu den am schnells­ten zuneh­men­den Krank­hei­ten. Welt­weit lei­den daran rund 20 Mil­lio­nen Men­schen, bis 20250 sol­len es über 25 Mil­lio­nen sein. […]
Insti­tut für Demo­gra­phie der ÖAW ent­wi­ckelt neues Gebur­ten­ba­ro­me­ter für umfas­sende Ana­ly­sen zur Fer­ti­li­tät in Öster­reich. Immer mehr Frauen wol­len kin­der­los blei­ben, Zwei-Kind-Fami­lien häu­figs­tes Modell, Trend zu spä­ter Mut­ter­schaft, ältere Väter mit jün­ge­ren Partnerinnen. Das neue Gebur­ten­ba­ro­me­ter des Insti­tuts für Demo­gra­phie der Öster­rei­chi­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten ermög­licht viel­fäl­tige und umfas­sende Ana­ly­sen von aktu­el­len Daten zur Fer­ti­li­tät […]
Mit Hilfe von Was­ser kön­nen bestimmte Mine­ra­lien schäd­li­ches CO2 aus der Atmo­sphäre holen und rasch in fes­tes Car­bo­nat umwan­deln. Die TU Wien konnte die­sen mine­ra­lo­gi­schen Mecha­nis­mus nun nachweisen. Steine kön­nen Koh­len­di­oxid bin­den – und das weit­aus schnel­ler als bis­her bekannt und ange­nom­men. Bis dato wur­den lang­wie­rige und ent­spre­chend lang­same Pro­zesse für die Umwand­lung von CO2 in […]
magnifier
linkedin facebook pinterest youtube rss twitter instagram facebook-blank rss-blank linkedin-blank pinterest youtube twitter instagram