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Dienst­bare Psychologie

Die Geschichte der aka­de­mi­schen Psy­cho­lo­gie nach dem Anschluss 1938 wird nun erst­mals sys­te­ma­tisch aufgearbeitet.

„Es ist eine trau­rige Wahr­heit“, so der Psy­cho­loge Ger­hard Benetka von der Sig­mund Freud Pri­vat­uni­ver­si­tät Wien, „dass der Natio­nal­so­zia­lis­mus eine Blü­te­zeit der ange­wand­ten Psy­cho­lo­gie gewe­sen ist – und die Geschichte der öster­rei­chi­schen Psy­cho­lo­gie nach dem Anschluss 1938 bis­her nicht sys­te­ma­tisch auf­ge­rollt wor­den ist.“ Den Grund dafür sieht Benetka vor allem darin, dass die Psy­cho­lo­gie sich selbst immer noch als Opfer natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Wis­sen­schafts­po­li­tik dar­zu­stel­len versucht.

Ver­bre­chen
Im Zen­trum des Pro­jekts ste­hen die wech­sel­sei­ti­gen Bezie­hun­gen zwi­schen NS-Poli­tik und fach­li­chen Ent­wick­lun­gen in der Psy­cho­lo­gie. Wie Vor­un­ter­su­chun­gen zei­gen, stell­ten Psy­cho­lo­gen von sich aus ihre Exper­tise in den Dienst der Ras­sen- und Kriegs­po­li­tik : bei der Offi­ziers­aus­lese in der Wehr­macht oder bei der Selek­tion von „auf­wand­un­wür­di­gen“ Kin­dern und Jugend­li­chen. „Das ganze Aus­maß die­ses prak­ti­schen Ein­sat­zes von psy­cho­lo­gi­schem Wis­sen ist uns immer noch unbe­kannt“, sagt Benetka. „Allein bei der Deut­schen Wehr­macht waren 1942 rund 450 Psy­cho­lo­gen-Stel­len eingerichtet.“
Das Pro­jekt wid­met sich vor allem auch der Rolle der Psy­cho­lo­gie im Rah­men natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Ver­bre­chen gegen die Mensch­heit. Ins­be­son­dere ist dabei der Ein­satz psy­cho­lo­gi­scher Test­ver­fah­ren im Kon­text der soge­nann­ten Kin­der-Eutha­na­sie zu nen­nen. Für die Auf­ar­bei­tung wer­den erst­mals Doku­mente der Deut­schen For­schungs­ge­mein­schaft, der Natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Volks­wohl­fahrt NSV sowie Mate­ria­lien aus den USA kon­sul­tiert. Hin­ter­gründe lie­fern auch Inter­views mit Zeit­zeu­gen. Die Ergeb­nisse des FWF-Pro­jekts wer­den in Buch­form sowohl dem Fach­pu­bli­kum als auch einer brei­te­ren Öffent­lich­keit erst­mals zugäng­lich gemacht.

Autor:
17.11.2016

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