
„Digga, was laberst du?“
Jugendliche sprechen oft in einer eigenen Sprache voller Abkürzungen, Fremdwörter und Neuschöpfungen. Was für viele Erwachsene befremdlich klingt, ist Ausdruck von Identität, Gruppenzugehörigkeit und gesellschaftlichem Wandel.
„Bruder, das ist cringe“ ist beispielsweise ein Satz, der viele Erwachsene ratlos zurücklässt. Doch für viele Jugendliche gehört er zum normalen Sprachgebrauch. Aktuelle Ausdrücke von Jugendlichen sorgen oftmals für Stirnrunzeln, Lacher oder auch Kopfschütteln. Manche sehen darin den Untergang der deutschen Sprache, andere erkennen die Kreativität und Ausdruckskraft einer jungen Generation. Aber was steckt wirklich hinter der Sprache der Jugend – und warum sollten wir genauer hinhören ?
Sprache als Spiegel der Jugendkultur
Viele neue Begriffe stammen aus dem Englischen : „Slay“, „Rizz“ oder „Goofy“ werden vor allem über You Tube oder TikTok verbreitet. Andere Begriffe kommen aus Computerspielen oder der Streaming-Welt. Wieder andere stammen aus dem Türkischen („Wallah“ – ich schwöre) oder Arabischen („Lan“ – Alter). Diese sprachliche Vielfalt zeigt : Die Jugend ist global vernetzt, kulturell vielfältig – und kreativ im Umgang mit Sprache.
Jugendsprache ist mehr als ein paar coole Wörter. Sie ist ein soziales Werkzeug. Wer dazugehört, spricht sie. Wer nicht mitkommt, bleibt außen vor. Jugendliche nutzen Sprache, um sich von der Erwachsenenwelt abzugrenzen, Gruppenzugehörigkeit zu zeigen oder Emotionen auszudrücken. Dabei entstehen ständig neue Begriffe, die oft blitzschnell wieder verschwinden.
Der Einfluss von Social Media
Noch nie hat sich Jugendsprache so schnell entwickelt wie heute. Grund dafür ist vor allem das Internet und die neuen Sozialen Medien. Auf TikTok etwa entstehen täglich neue Trends, aus denen neue Begriffe hervorgehen. Ein kurzes Video mit einem lustigen Spruch kann Millionen Jugendliche erreichen – und ein neues Wort in die Alltagssprache bringen. Begriffe wie „NPC“ (Non-Playable Character bzw. jemand, der keine eigene Meinung hat) oder „Delulu“ (von „delusional“ bzw. realitätsfern) verbreiten sich dann viral ganz rasch. Sie können aber auch genauso schnell wieder verschwinden.
Auch Emojis und Abkürzungen wie „LOL“oder „WTF“ und ganze Satzstrukturen sind Teil der modernen Jugendsprache. Sprache wird dabei nicht nur gesprochen, sondern auch geschrieben, gepostet und geshared, vulgo : geteilt, und das in Stories, Kommentaren oder Memes.
Zwischen Kreativität und Unverständnis
Seit einigen Jahren wählt der Langenscheidt-Verlag das „Jugendwort des Jahres“. Begriffe wie „Smash“, „Digger“ oder „I bims“ standen dabei im Mittelpunkt. Viele Erwachsene fragen sich, ob das wirklich authentische Jugendwörter sind – oder eher ein PR-Gag. Denn nicht alle Begriffe stammen tatsächlich aus dem Alltagsgebrauch. Trotzdem zeigt die Wahl, wie lebendig und wandelbar Sprache sein kann – und dass die Öffentlichkeit sich mit Jugendsprache auseinandersetzt.
Für viele ältere Menschen wirkt Jugendsprache chaotisch, grammatikalisch falsch oder gar respektlos. Doch diese Reaktion ist nicht neu. Schon in früheren Generationen gab es eigene Begriffe, die Erwachsene nicht verstanden – ob es in den 80ern „geil“, in den 90ern „knorke“ oder in den 2000ern „lässig“ war.
Der Wandel von Sprache als Zeichen für deren Lebendigkeit
Jugendsprache ist also kein Sprachverfall, sondern Ausdruck einer sich verändernden Gesellschaft. Sie zeigt, wie Jugendliche die Welt sehen – oft humorvoll, kritisch, kreativ. Wer sich die Mühe macht, die Begriffe zu verstehen, bekommt einen spannenden Einblick in Denkweisen, Trends und Werte junger Menschen.
Jugendsprache mag provokant oder fremd wirken – doch sie ist ein lebendiger Beweis dafür, dass Sprache sich anpasst, erneuert und von der jungen Generation mitgestaltet wird. Statt sie zu belächeln, sollten wir sie als Teil unserer kulturellen Entwicklung ernst nehmen. Ist es nicht an der Zeit, weniger über „korrekte Sprache“ zu diskutieren – und mehr darüber, was sie uns über die Jugend und unsere Gesellschaft verrät ? Nfg. ein paar Links zu weiteren Quellen und Geschichten zum Thema Jugendsprache. (Laurin Czaak/red)
Langenscheidt – Jugendwort des Jahres
Uni Leipzig zur Jugendsprache (PDF)
Spiegel Online – Wie Wortneuschöpfungen entstehen (aus 2023)