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Digi­tale Inno­va­tion in der Industrie

Deut­sche Unter­neh­men set­zen ver­stärkt auf IoT und digi­tale Zwil­linge und Meta­verse und gemein­same Daten­räume, so neue Stu­die des Digi­tal­ver­ban­des Bit­kom. Invest­be­reit­schaft in Digi­tale Tech­no­lo­gie steigt.

Der deut­sche Digi­tal­ver­band Bit­kom hat anläss­lich der aktu­el­len Indus­trie­messe in Han­no­ver unter 552 Indus­trie­un­ter­neh­men eine Umfrage zum Ein­satz digi­ta­ler Lösun­gen durch­füh­ren las­sen (siehe auch Bericht). Final wird unge­ach­tet der Rezes­sion im Schnitt heuer genauso viel oder sogar mehr in Indus­trie 4.0 inves­tiert als im Vor­jahr. Auch für die nähere Zukunft sind trotz aller Wid­rig­kei­ten grö­ßere Inves­ti­tio­nen in Sicht. 

Im Ver­gleich zu 2024 will nur etwa ein Sechs­tel der Indus­trie­un­ter­neh­men die Inves­ti­tio­nen in Indus­trie 4.0 sen­ken, wäh­rend etwa ein Drit­tel plant, sie zu erhö­hen. Ein knap­pes Vier­tel will dabei eher mehr inves­tie­ren, 13 Pro­zent sogar deut­lich mehr. 44 Pro­zent wol­len ihr Inves­ti­ti­ons­vo­lu­men für 2025 sta­bil auf dem glei­chen Niveau belas­sen wie in 2024. „Digi­ta­li­sie­rung gibt es nicht zum Null­ta­rif – bei einem Groß­teil der Indus­trie­un­ter­neh­men ist dies ange­kom­men“, erläu­tert Chris­tina Raab, Vize­prä­si­den­tin beim Ver­band Bitkom.

Digi­tale Markt­plätze und Daten­räume zuneh­mend gefragt
Bei den Lösun­gen selbst set­zen die deut­schen Unter­neh­men auf eine Viel­zahl unter­schied­li­cher Tech­no­lo­gien. Als Spit­zen­rei­ter für die Zukunft zeich­nen sich der­zeit IoT-Platt­for­men ab. Sol­che Lösun­gen, die Pro­dukte, Maschi­nen, Pro­zesse und Men­schen ver­net­zen, wer­den bereits von 46 Pro­zent der Unter­neh­men ein­ge­setzt, und 43 Pro­zent pla­nen dies. Am wei­tes­ten ver­brei­tet sind digi­tale Markt­plätze, die Indus­trie­un­ter­neh­men bei­spiels­weise den Aus­tausch von Waren und Dienst­leis­tun­gen erleich­tern. Sie sind bereits bei über der Hälfte (53 Pro­zent) der Unter­neh­men im Einsatz. 

Auch digi­tale Zwil­linge, also vir­tu­elle Modelle von Pro­zes­sen, Pro­duk­ten oder gan­zen Fer­ti­gungs­an­la­gen sind inzwi­schen bei 48 Pro­zent der deut­schen Indus­trie­un­ter­neh­men im Ein­satz. Addi­tive Manu­fac­tu­ring, auch bekannt als 3D-Druck, ist bei vier von zehn Betrie­ben in Anwen­dung, Vir­tual oder Aug­men­ted Rea­lity wer­den bei einem Drit­tel genutzt. Edge Com­pu­ting und Daten­räume mit jeweils 28 Pro­zent sowie Life­cy­cle Manage­ment mit 27 Pro­zent sind der­zeit noch am sel­tens­ten – aller­dings hat die Ver­brei­tung von Daten­räu­men in den letz­ten drei Jah­ren mit einer Erhö­hung um acht Pro­zent­punkte bereits Fahrt aufgenommen.

Betriebs­über­grei­fende Daten­räume und Manufacturing‑X läuft an
Auch das Inter­esse an Daten­räu­men wächst — sie die­nen dem Aus­tausch von Infor­ma­tio­nen zwi­schen ver­schie­de­nen Unter­neh­men. Die bran­chen­über­grei­fende Initia­tive Manufacturing‑X hat das Ziel, die Fer­ti­gungs­in­dus­trie und ihre Lie­fer­ket­ten durch einen sol­chen Daten­raum in Europa zu ver­net­zen. Die Betei­li­gung an die­ser Initia­tive läuft nun an : Jedes zwan­zigste deut­sche Unter­neh­men ist bereits dabei, acht Pro­zent pla­nen dies. Etwa ein Drit­tel der Unter­neh­men kann sich eine Betei­li­gung zumin­dest vor­stel­len. Knapp die Hälfte hat sich noch nicht aus­rei­chend mit Manufacturing‑X beschäf­tigt, um eine Betei­li­gung in Betracht zu zie­hen. Nur fünf Pro­zent haben sich aktu­ell dage­gen entschieden.

Der digi­tale Aus­tausch von Daten hat aller­dings viele Vor­teile und das sieht auch die deut­sche Indus­trie. Fast 60 Pro­zent der Unter­neh­men sieht einen posi­ti­ven Effekt auf die Resi­li­enz der deut­schen Indus­trie, ebenso ist fast die Hälfte der Mei­nung, dass der digi­tale Daten­aus­tausch zur tech­no­lo­gi­schen Sou­ve­rä­ni­tät der deut­schen Indus­trie bei­trägt. Und auch für die Wett­be­werbs­fä­hig­keit ist der digi­tale Aus­tausch ent­schei­dend, fin­den 48 Pro­zent. Vier von 10 Unter­neh­men sagen aller­dings, eben die­ser digi­tale Daten­aus­tausch sei bis jetzt noch zu kom­pli­ziert für ihr Unternehmen.

Ein­ord­nun­gen und Sicht­wei­sen im inter­na­tio­na­len Vergleich
Was die Posi­tion Deutsch­lands im inter­na­tio­na­len Ver­gleich der Indus­trie 4.0 angeht, so sind die Unter­neh­men gespal­ten. Knapp die Hälfte (49 Pro­zent) sieht Deutsch­land als Nach­züg­ler, fast ein Vier­tel (23 Pro­zent) sagt sogar, Deutsch­land habe den Anschluss an die Indus­trie 4.0 ver­passt. Umge­kehrt sieht aber eben­falls ein Vier­tel (26 Pro­zent) Deutsch­land vorne : Jedes Zehnte Unter­neh­men ord­net die Bun­des­re­pu­blik inter­na­tio­nal an der Spitze ein (9 Pro­zent), 17 Pro­zent bezeich­nen sie als Vorreiter.

Am häu­figs­ten wird China welt­weit in der Pole Posi­tion ver­or­tet. Ein Vier­tel der deut­schen Indus­trie­un­ter­neh­men (26 Pro­zent) hält das Land für den Spit­zen­rei­ter beim Thema Indus­trie 4.0. Auf Platz 2 lan­den die USA, die von 23 Pro­zent der Unter­neh­men als fort­schritt­lichste Nation gese­hen wer­den. Deutsch­land erreicht den drit­ten Platz (12 Pro­zent). Japan belegt mit 9 Pro­zent den vier­ten Platz, dahin­ter folgt Süd­ko­rea (7 Prozent).

Rah­men­be­din­gun­gen und Vor­rei­ter­rolle bei Eta­blie­rung von Standards
Wie wird man zum Vor­rei­ter in der Indus­trie 4.0 ? Offen­kun­dig haben es die Unter­neh­men selbst in der Hand : Die größte Bedeu­tung wird einem hohen Inter­esse sei­tens der Indus­trie zuge­mes­sen. 6 von 10 Unter­neh­men, die eine Nation als füh­rend betrach­ten, betrach­ten dies als maß­geb­lich (57 Pro­zent). Dahin­ter fol­gen güns­ti­gere gesetz­li­che Rah­men­be­din­gun­gen, die etwa die Hälfte als Erfolgs­fak­tor sieht (52 Pro­zent). Wich­tig sind wei­ter­hin eine Vor­rei­ter­rolle bei der Eta­blie­rung von Stan­dards (29 Pro­zent), hohe Inves­ti­tio­nen in For­schung und Ent­wick­lung (27 Pro­zent) sowie eine starke Unter­stüt­zung durch die Poli­tik (18 Prozent).
„Die Indus­trie sieht die Rah­men­be­din­gun­gen in Län­dern wie China und den USA als vor­teil­haf­ter. Deutsch­land inves­tiert zwar stark in For­schung und Ent­wick­lung, hat ansons­ten aber Nach­hol­be­darf. Wir kön­nen uns dabei an ande­ren Play­ern ori­en­tie­ren : Süd­ko­rea bie­tet nach Ein­schät­zung der deut­schen Indus­trie güns­tige recht­li­che Bedin­gun­gen, die USA über­zeu­gen bei Stan­dards“, erläu­tert Chris­tina Raab, Vize­prä­si­den­tin beim Ver­band Bitkom.

Hand­lungs­be­darf bei Regu­lie­rung und den Unter­neh­men selbst
Im Rah­men der Stu­die wurde auch erho­ben, wie Indus­trie­un­ter­neh­men bei der Ein­füh­rung von Indus­trie 4.0‑Anwendungen bes­ser unter­stützt wer­den kön­nen. Zunächst müs­sen recht­li­che Unsi­cher­hei­ten besei­tigt wer­den, damit der Daten­aus­tausch mit ande­ren Unter­neh­men leich­ter erfol­gen kann, sagen 86 Pro­zent der Indus­trie­un­ter­neh­men. 40 Pro­zent sind der Mei­nung, dass die Eta­blie­rung von Stan­dards für Indus­trie 4.0‑Anwendungen hilf­reich wäre. Mit Blick auf KI-Inno­va­tio­nen for­dern dar­über hin­aus fast 90 Pro­zent, dass die Poli­tik diese nicht durch eine Über­re­gu­lie­rung ersti­cken dürfe.

Hilf­reich wäre auch finan­zi­elle Unter­stüt­zung : Drei Vier­tel der Unter­neh­men sehen steu­er­li­che Anreize als zuträg­lich, zwei Drit­tel wün­schen sich eine beschleu­nigte Bewil­li­gung von För­der­an­trä­gen. Drei Vier­tel der Indus­trie­un­ter­neh­men sehen einen bes­se­ren Breit­band­aus­bau als nütz­lich an, so dass ein zuver­läs­si­ger Daten­aus­tausch zwi­schen Maschi­nen gewähr­leis­tet wird. Rele­vant ist zudem das Thema Bil­dung : In Zei­ten eines erheb­li­chen Fach­kräf­te­man­gels hal­ten sechs von zehn Unter­neh­men Aus- und Wei­ter­bil­dungs­pro­gramme für Fach­kräfte auf dem Gebiet der Indus­trie 4.0 für förderlich. 

Autor: red/czaak
08.04.2025

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