
„Digitale Souveränität stärkt den Wirtschaftsstandort Österreich“
Aktuelle Anforderungen in der betrieblichen Digitalisierung. Peter Lenz, Managing Director T‑Systems, im Gespräch mit economy zu gefragten IT-Diensten, KI im Klinikalltag und zur besonderen Bedeutung digitaler Souveränität.
T‑Systems treibt die digitale Transformation branchenübergreifend voran – mit souveränen Cloud-Lösungen, mit KI plus Automatisierung, und in Schlüsselbranchen wie dem Gesundheitswesen auch mit der neuen Lösung T‑Systems Solution for HealthCare (TSHC) als Nachfolger von SAP IS‑H.
Economy : Wo sehen Sie aktuell den größten Bedarf in der IT ?
Peter Lenz : Besonders in den Fokus rücken jene IT-Dienste, die Unternehmen dabei helfen, digital souverän, effizient und zukunftssicher zu arbeiten. Vor allem souveräne Cloud-Lösungen, die höchste Datensicherheit und Kontrolle bieten, weiters Künstliche Intelligenz und Automatisierung zur Beschleunigung der Prozesse und Entlastung der Mitarbeitenden sowie Lösungen für den Gesundheitssektor wie unsere T‑Systems Solution for HealthCare (TSHC), die Krankenhäuser bei der Digitalisierung und Optimierung von Abläufen sowie primär beim Patient:innenmanagement — unterstützt.
Wie positioniert sich T‑Systems im stark wachsenden Cloud-Markt ?
Cloud-Lösungen spielen in unserem Portfolio eine zentrale Rolle. Wer Geschäftsprozesse agil und zukunftssicher betreiben will, kommt daran nicht vorbei. Wir bündeln gerade unsere Cloud-Angebote unter dem Namen T Cloud, die wir in drei Bereiche gliedern. Die T Cloud Public basiert auf OpenStack und entspricht der Open Telekom Cloud (OTC). Die T Cloud Private wird in unseren eigenen Rechenzentren betrieben und eignet sich primär für Anwendungen wie SAP oder andere geschäftskritische Workloads. Und die T Cloud Sovereign richtet sich an Kund:innen mit besonders hohen Anforderungen an Datenschutz und Sicherheit.
Wen betrifft das etwa ?
Beispielsweise das Gesundheitswesen oder die öffentliche Verwaltung. Final unterstützen wir Unternehmen mit einer leistungsstarken, souveränen und wirtschaftlichen Cloud-Infrastruktur “Made in Europe”, betrieben von einem vertrauenswürdigen Partner mit jahrzehntelanger Erfahrung – abgestimmt auf die individuellen Geschäftsziele und Workloads. Dabei begleiten wir unsere Kund:innen ganzheitlich, von der strategischen Beratung über die technische Umsetzung bis hin zum sicheren Betrieb.
KI und Automatisierung wird immer relevanter. Wie können diese den Gesundheitsbereich entlasten ?
Vor allem im Klinikalltag kommt Künstliche Intelligenz und Automatisierung unterstützend zum Einsatz. In Sozialversicherungen übernehmen Chatbots Routineaufgaben und reduzieren den administrativen Aufwand. In Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen sorgen automatisierte Prozesse und innovative Lernformate wie das Metaverse für mehr Effizienz und eine praxisnahe Ausbildung.
Gibt es noch weitere Anwendungen ?
Unser Smart Chat, datensouverän betrieben in der Open Telekom Cloud, ermöglicht die intelligente Auswertung von Dokumenten. In der Diagnostik unterstützt KI etwa bei der Analyse von Röntgenbildern oder der Sepsiserkennung und liefert präzisere Ergebnisse in kürzester Zeit. Auch Abrechnungsprozesse werden teilautomatisiert – das führt zu schnelleren Entscheidungen, geringeren Kosten und höherer Zufriedenheit bei Versicherten und Mitarbeitenden.
Wie unterstützt nun die neue TSHC-Lösung speziell Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen ?
Als SAP 2022 die Einstellung der Patientenmanagementlösung IS‑H ankündigte, gab es große Unsicherheit im Gesundheitswesen. IS‑H deckte ja die zentralen Bereiche Aufnahme, Entlassung und Abrechnung ab. Hier kommt unsere Nachfolgelösung T‑Systems Solution for HealthCare (TSHC) ins Spiel. Betrieben im eigenen Rechenzentrum deckt sie die zentralen Funktionen von IS‑H vollständig ab.
Was sind die Vorteile ?
Die vertraute Benutzerfreundlichkeit für minimalen Schulungsaufwand und weitgehender Übernahme bestehender Prozesse, sodass Krankenhäuser ohne aufwendige Neueinführungen schnell und produktiv arbeiten können. Mit 40 Jahren Erfahrung im Gesundheitswesen, über 80 Expert:innen in Österreich und als langjähriger SAP-Partner sowie IS‑H Mitentwickler begleiten wir die nächste Generation des Patient:innenmanagements.
Durch aktuelle geopolitische Entwicklungen fokussieren Unternehmen Souveränität und Sicherheit. Wie können digitale Innovation und ein IT-Dienstleister wie T‑Systems hier unterstützen ?
Digitale Souveränität bedeutet, die volle Kontrolle zu behalten – über Datenhoheit, Betrieb und Technologie, unabhängig von geopolitischen oder wirtschaftlichen Einflüssen. Genau hier setzen wir als T‑Systems an : Mit unseren souveränen Cloud-Lösungen wird gewährleistet, dass sensible Daten nicht in Drittländer gelangen und sämtliche europäische Datenschutzbestimmungen und Sicherheitsstandards eingehalten werden. Digitale Unabhängigkeit bzw. Souveränität stärkt den Wirtschaftsstandort Österreich.
Economy : Nochmal KI, können Sie ein aktuelles Referenzbeispiel nennen ?
Peter Lenz : Wir haben gemeinsam mit der Energieallianz Austria (EAA) den KI-basierten digitalen Assistenten namens „Kundenradar“ entwickelt. Dieser nutzt das Large Language Model von OpenAI auf der Mircosoft-Azure-Plattform, um kunden- und branchenrelevante Informationen automatisch zu recherchieren, zu bewerten und in einem übersichtlichen Dashboard bereitzustellen. Im Ergebnis konnten Vertriebsmitarbeitende ihren Rechercheaufwand um 50 Prozent reduzieren und profitieren nun von qualitativ hochwertigen, aktuellen Informationen für noch fundiertere Kundengespräche.