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© GalerieC_Alfred Kornberger

Digi­tale Trans­for­ma­tion des Kunst­mark­tes nimmt Fahrt auf

Corona-Pan­de­mie beschert Inter­net-Kunst­han­del neue Rekord­um­sätze. Künst­ler und jün­gere Samm­ler ver­net­zen sich über Social Media und machen sich unab­hän­gi­ger von Gale­rien und Auk­ti­ons­häu­sern. Digi­tale Kryp­to­kunst eta­bliert sich zunehmend.

Im Jahr 2019 wech­sel­ten Kunst­werke im Wert von 64 Mrd. US$ den Besit­zer, für das Pan­de­mie­jahr 2020 wird ein Betrag von 50 Mrd. US$ aus­ge­wie­sen, trotz Weg­fall wich­ti­ger Kunst­mes­sen wie Art Basel & Co.. Der Kunst­markt ist schon lange zu einem glo­ba­len Geschäft gewor­den, wo neben den bis dato füh­ren­den Metro­po­len New York, Lon­don und punk­tu­ell Paris nun zuneh­mend auch Märkte in Asien (Hong Kong, Peking, Tokyo), eini­gen Ara­bi­schen Län­dern sowie punk­tu­ell Russ­land und Bra­si­lien rele­vant wer­den. Auf die USA, das Ver­ei­nigte König­reich (GB) und China ent­fal­len 80 Pro­zent Marktanteil.

Zwei Häu­ser domi­nie­ren mit fünf­zig Pro­zent des Auktionsgeschäfts
Bei Han­del und Ver­kauf von Kunst­wer­ken machen Auk­tio­nen einen gro­ßen Anteil aus. 2020 wur­den hier im Seg­ment Kunst und Anti­qui­tä­ten knapp 18 Mrd. US$ umge­setzt (minus 30 Pro­zent ggü. 2019). Dazu kommt für 2020 der mit kon­ser­va­tiv auf 4 Mrd. US$ geschätzte Bereich „Pri­vate Sales“, ein gene­rell zuneh­mend wich­ti­ger wer­den­des Seg­ment für die Auk­ti­ons­häu­ser. Auf die bei­den größ­ten Auk­ti­ons­häu­ser Christie’s (Umsatz 2019: rund 4 Mrd.) und Sotheby’s (3,6 Mrd. 2019) ent­fällt ein Anteil von fast 50 Pro­zent am Auktionsmarkt.

Zeit­ge­nös­si­sche und Modern Art boomt
Bei den Spar­ten war 2020 die Zeit­ge­nös­si­sche und Moderne Kunst (Post War & Modern) mit einem Anteil von rund 15 Mrd. US$ oder 81 Pro­zent am Gesamt­um­satz das ein­träg­lichste Seg­ment. Die Impres­sio­nis­ten (in Öster­reich weit­ge­hend die sog. Klas­si­sche Moderne von rund 1890 bis 1940) erleb­ten mit minus 50 Pro­zent einen wei­te­ren mas­si­ven Rück­gang – nach­dem sie in den 1990er Jah­ren noch das wich­tigste Seg­ment war/​en. Diese neu­er­li­che Reduk­tion spie­gelt ein­mal mehr auch einen Gene­ra­tio­nen­wech­sel bei den Kunst­käu­fern wider, wo bei jün­ge­ren Ziel­grup­pen eben nun Zeit­ge­nös­si­sche und (immer mehr auch) Moderne Kunst ange­sagt ist. Digi­tale Kunst­for­men erhal­ten dabei eine immer grö­ßere Bedeutung.

Ver­dop­pe­lung des Umsat­zes und Ver­drei­fa­chung des Anteils
Zu einem Höhen­flug setzte 2020 der Kunst­han­del im Inter­net an: Mit über 12 Mrd. US$ ver­dop­pelte der Online­han­del den Umsatz gegen­über 2019. Hier wur­den noch rund 9 Pro­zent des Gesamt­um­sat­zes gene­riert, 2020 waren es bereits 25 Pro­zent, also nahezu eine Ver­drei­fa­chung. Allein im Seg­ment der bil­den­den Kunst wur­den rund 22 Pro­zent der Ver­käufe online abge­wi­ckelt, eine Ver­dop­pe­lung gegen­über 2019. Eine immer wich­ti­gere Rolle spie­len dabei die Sozia­len Netz­werke und hier beson­ders Insta­gram, das bereits von einem Drit­tel der Samm­ler genutzt wird. Der Online-Han­del betrifft über­wie­gend nie­der­prei­si­gere Werke, Ver­käufe über eine Mil­lion US$ machen nur 6 Pro­zent aus. Hoch­prei­sige Werke wer­den wei­ter abseits des Inter­nets gehandelt.

Ver­mö­gende Samm­ler kau­fen immer öfter über das Internet
Noch. Umfra­gen bei Kunst­samm­lern mit einem Mil­lio­nen-Ver­mö­gen zei­gen, dass 50 Pro­zent von ihnen bereits Kunst im Inter­net gekauft haben. Knapp 70 Pro­zent davon aller­dings „nur ungern“, sie bevor­zu­gen pri­mär den phy­si­schen Kon­takt. Im Jahr 2020 haben in Summe 90 Pro­zent (!) der ver­mö­gen­den Samm­ler einen Online-Ver­kaufs­raum einer Kunst­messe oder Gale­rie besucht und 45 Pro­zent davon kauf­ten auch. 72 Pro­zent wün­schen sich dabei übri­gens eine trans­pa­ren­tere Aus­prei­sung der ange­bo­te­nen Kunstwerke.

Wenige Player domi­nie­ren glo­ba­len Kunstmarkt
In Rela­tion zu den enor­men Han­dels­sum­men (und Ertrags­span­nen) tei­len sich die­sen Markt nur wenige Player auf. Es sind ein paar Auk­ti­ons­häu­ser wie Sotheby‘s, Christie‘s und punk­tu­ell Bon­hams, ein paar Spit­zen­ga­le­rien wie der Öster­rei­cher Thad­daeus Ropac, der deutsch­stäm­mige David Zwir­ner (New York), Sprüth Magers (Ber­lin), Larry „Gogo“ Gagos­ian (New York), White Cube (Lon­don) oder Hau­ser Wirth (Zürich) und welt­weit etwa 2.000 ver­mö­gende Sammler. 

Hoch­prei­sige Ware
Gale­rien, Top-Samm­ler und punk­tu­ell Muse­ums­ein­käu­fer (mit ihren zuneh­mend schwin­den­den Ankaufs­bud­gets) tref­fen sich dann noch auf Kunst­mes­sen wie der Art Basel mit ihren Filia­len in Miami und Hong Kong, wo nach stren­gen Aus­wahl­kri­te­rien maxi­mal 500 Gale­rien aus der gan­zen Welt zuge­las­sen sind. Der erlauchte Kreis han­delt sodann nahezu aus­schließ­lich Künst­ler mit Werk­prei­sen ab aller­min­des­tens 250.000,- US$ auf­wärts. Andere Kunst­mes­sen wie etwa eine Art Colo­gne in Köln, eine Art Karls­ruhe oder gar Öster­rei­chi­sche Mes­se­for­mate spie­len bei hoch­prei­si­gen (und weit­ge­hend auch bei inter­na­tio­na­len) Kunst­wer­ken nahezu keine Rolle.

Kunst­da­ten­ban­ken lis­ten 800.000 Künst­ler mit Auktionsergebnissen
In Kunst­da­ten­ban­ken wie Art­Price oder Art­Net sind 800.000 Künst­ler gelis­tet. Nur rund 1.000 Künst­ler davon errei­chen bei Auk­tio­nen mehr als 500.000 je Werk. Das ent­spricht etwas mehr als 0,1 Pro­zent. Der Top­preis für einen Arnulf Rai­ner liegt ver­gleichs­weise bei 209.000, sein Gesamt­um­satz bei Auk­tio­nen bei 3,3 Mio. Das teu­erste ver­stei­gerte Werk von Franz West kos­tete 490.000 (Gesamt­um­satz 3,85 Mio.), Gus­tav Klimt liegt bei 800.000 (Gesamt 4,3 Mio.) und Egon Schiele als bes­ter Öster­rei­cher mit Platz 99 im Ran­king bei 14,1 Mio. und 21,3 Mio. Gesamt­um­satz bei Auk­tion. Alle Stände aus 2020 und gerun­det in US$ ohne die bei Auk­tio­nen übli­chen Käu­fer­pro­vi­sio­nen in Höhe von bis zu 30 Prozent. 

Die umsatz­stärks­ten Künstler
In Deutsch­land liegt ein Mar­tin Kip­pen­ber­ger bei rd. 5 Mio. für ein Ein­zel­werk und 13,7 Mio. Gesamt­um­satz Auk­tio­nen, ein Anselm Kie­fer bei 4 Mio. (13,7 Mio. Gesamt) und Ger­hard Rich­ter, der teu­erste lebende Maler, bei 20,5 Mio. für ein Ein­zel­werk und 130 Mio. Gesamt­um­satz. Die glo­bal auk­ti­ons­um­satz­stärks­ten drei Künst­ler sind Pablo Picasso mit rd. 55 Mio. für ein Ein­zel­bild und einem Gesamt­um­satz von 346 Mio., wei­ters Claude Monet mit 110 Mio. für ein Ein­zel­werk (298 Mio. Gesamt) sowie Andy War­hol mit 53 Mio. für eine Ein­zel­ar­beit und 228 Mio. Gesamt­um­satz bei Auk­tio­nen. Alle Beträge ebenso in US$ und ohne Käuferprovision. 

Die jün­ge­ren Künst­ler in Auktionen
Zum Ver­gleich noch Ergeb­nisse und Ran­king aus Auk­tio­nen für jün­gere Künst­ler unter 40 Jah­ren: Hier führt Nji­deka Aku­ny­ili Crosby (geb. 1983) mit 1,93 Mio. US$ für eine Ein­zel­ar­beit über Christie’s New York vor Liang Hao (1983) mit 1,85 Mio. über Sotheby’s Hong Kong und Avery Sin­ger (geb. 1987) mit 0,73 Mio. für ein Ein­zel­werk über Sotheby’s New York. Nate Low­man (geb. 1979) liegt mit 0,35 Mio. US$ für ein Ein­zel­werk über Sotheby’s New York auf Platz 10. Die Anga­ben für die jün­ge­ren Künst­ler sind die letzt­ver­füg­ba­ren Stände aus 2018, ebenso ohne Käuferprovisionen.

Der große Rest
Alle Ergeb­nisse bzw. Ver­käufe der jün­ge­ren Künst­ler wur­den über Christie’s oder Sotheby’s erzielt. Die Kunst­da­ten­ban­ken Art­Price und Art­Net wei­sen 800.000 Künst­ler mit Auk­ti­ons­er­geb­nis­sen aus. 800.000 Künst­ler gibt es aber allein schon in Europa (Quelle: Sta­tis­tik-Fach­por­tal Sta­tista) und auch das scheint ein zu gerin­ger Wert. 203.000 Künst­ler sind es allein in Öster­reich (80.000) und Deutsch­land (123.000), hoch­ge­rech­net auf 47 Staa­ten müsste die­ser Wert in die Mil­lio­nen gehen. Und hoch­ge­rech­net auf die 194 Län­der der Erde ergibt sich dann mit Sicher­heit ein mitt­le­rer zwei­stel­li­ger Millionenbetrag.

Mil­lio­nen Künst­ler nicht berücksichtigt
In Rela­tion mit dem Kunst­markt und den 800.000 aus­ge­wie­se­nen Künst­le­rIn­nen mit Auk­ti­ons­er­geb­nis­sen bedeu­tet das: Mil­lio­nen von Künst­lern haben und fin­den kei­nen Zugang zu den klas­si­schen Ver­kaufs­platt­for­men. Bis dato. Die ein­gangs ange­führ­ten Ent­wick­lun­gen beim mas­si­ven Zuwachs der Ver­käufe über Online-Platt­for­men und Social Media und vor allem der über die Neuen Medien ermög­lichte direkte Kon­takt zwi­schen Pro­du­zen­ten bzw. Künst­ler und Samm­ler bzw. Käu­fer läu­ten einen Epo­chen­wan­del ein.

Die Ober­flä­che der unsicht­ba­ren Tiefen
Exper­ten wie Farbod Sadeghian, Grün­der der Digi­ta­len Auk­ti­ons­platt­form artèQ, spre­chen bereits von der Demo­kra­ti­sie­rung des Kunst­markts dank Online-Kanäle und Social Media. „Für Künst­ler war die Ver­mark­tung bis jetzt eine Kunst für sich. Gate­kee­per wie Kura­to­ren und Gale­ris­ten bestim­men, wel­che Künst­ler teil­ha­ben und wel­che zuse­hen müs­sen. Samm­ler und Kunst­lieb­ha­ber schöpf­ten ent­spre­chend nur an der Ober­flä­che der unsicht­ba­ren Tie­fen der Kunst­welt“, so Sadeghian, der selbst auch Kunst­samm­ler ist (siehe Bericht „Nicht Gate­kee­per bestim­men den Erfolg, son­dern der Markt“).

Enor­mer Anstieg bei jun­gen Online-Bietern
Dem Trend zum Online-Han­del und der Affi­ni­tät jün­ge­rer Ziel­grup­pen zu den Neuen Medien begin­nen auch die füh­ren­den Auk­ti­ons­häu­ser stär­ker zu begeg­nen. 2020 setzte Sotheby’s mit 362 Online­auk­tio­nen bereits 530 Mio. US$ um und über wei­tere ein­zelne Live-Auk­tio­nen 283 Mio. US$. Kon­kur­rent Christie’s erzielte mit Live-Auk­tio­nen 341 Mio. US$ und erreichte damit eige­nen Anga­ben zufolge 35 Pro­zent neue Käu­fer. Die Anzahl der Online-Bie­ter ver­drei­fachte sich und die­ser Anstieg betraf ins­be­son­dere jün­gere Käu­fer­schich­ten unter 40 Jah­ren, die mitt­ler­weile einen Kun­den­an­teil von rund 25 Pro­zent ausmachen.

Social Media als neuer Ver­triebs­ka­nal und Digi­tale Kunst
Par­al­lel zum Anstieg des Online-Han­dels und mit zuneh­men­der Beliebt­heit der Sozia­len Medien als neuen Ver­triebs­ka­nal nimmt auch die Digi­ta­li­sie­rung der Kunst zu. Dazu gehö­ren eigens geschaf­fene Digi­tal­kunst­werke, wie das zuletzt über Christie’s und Mar­ket­place ver­stei­gerte „Ever­days“ des Digi­tal­künst­lers Mike „Bee­ple“ Win­kel­mann, ein 21.000 x 21.000 Pixel­gro­ßes Bild aus 5.000 sog. Tages­bil­dern, das um 100,- US$ auf­ge­ru­fen wurde – und nach 353 Gebo­ten um 70 Mio. US$ ver­kauft wurde. Bereits davor wurde die zehn­se­kün­dige Video­ar­beit „Cross­roads“, eine Per­si­flage Win­kel­manns auf Trumps Wahl­nie­der­lage, über die Online-Platt­form Nif­tey Gate­way um 6,6 Mio. US$ versteigert.

Block­chain und NFTs machen ein klas­si­sches Original
Ein zen­tra­les Ele­ment der neuen Digi­tal- oder auch Krypto-Kunst ist (neben Moti­ven und The­men) die neue Block­chain­tech­no­lo­gie. Soge­nannte NFTs (Non-Fun­gi­ble-Tokens bzw. „Nicht Aus­tausch­bare Wert­mar­ken“) machen aus dem Digi­tal­werk ein sin­gu­lä­res ein­ma­li­ges Ori­gi­nal, das weder kopier­bar oder zu fäl­schen ist – gleich wie phy­si­sche Ori­gi­nale klas­si­scher Kunst­werke. Die Eigen­tü­mer­schaft in der Ethe­rium-Block­chain bleibt dau­er­haft ver­merkt. Und etwa­ige Wei­ter­ver­käufe wer­den dann ebenso über die Block­chain und NFTs sicher und ver­gleichs­weise trans­pa­rent ein­ge­tra­gen. Jede/​r Käu­fe­rIn bekommt mit einem soge­nann­ten Wal­let eine Art Digi­ta­les Konto.

Die digi­tale Repro­duk­tion klas­sisch ana­lo­ger Kunst
Ein wei­te­rer Trend in die­sem Kon­text ist die Digi­ta­li­sie­rung von klas­si­scher ana­lo­ger Kunst. Die neue Platt­form artèQ etwa bie­tet ihren Künst­lern auch die pro­fes­sio­nelle digi­tale Repro­duk­tion von Ölbil­dern an oder mit­tels moder­ner 3D-Tech­no­lo­gien auch von Skulp­tu­ren. Hier kön­nen dann bei­spiels­weise auch preis­güns­ti­gere digi­tale Edi­tio­nen ent­ste­hen, die über NFTs und Block­chain bei Auf­lage und sons­ti­ger Daten exakt, trans­pa­rent und sicher defi­niert wer­den. Und mit die­sen Edi­tio­nen kön­nen dann auch jün­gere Ziel­grup­pen das digi­tale Abbild teu­rer Spit­zen­bil­der preisgünstig(er) erwer­ben oder auch ein­zelne Anteile an Mil­lio­nen-teu­ren Blue-Chip Wer­ken, etwa von Picasso oder Warhol.

Für und wider bei Digi­ta­len Marktplätzen
Samm­ler und artèQ-Grün­der Sadeghian sieht hier ins­be­son­dere eine große Chance für Künst­ler, denen die Teil­habe an den klas­si­schen Kunst­ver­kaufs­ka­nä­len bis­her ver­wehrt geblie­ben ist. „NFTs sind die Brü­cke zwi­schen ana­lo­ger und digi­ta­ler Kunst. Zusam­men mit digi­ta­len Auk­ti­ons­platt­for­men schaf­fen sie für Künst­ler, Samm­ler oder auch Kunst­in­ves­to­ren einen demo­kra­ti­schen und siche­ren Raum zur Mone­ta­ri­sie­rung krea­ti­ver Arbeit. Nicht die Selek­tion durch Mit­tels­män­ner bestimmt wer Erfolg hat, son­dern der Zuspruch des Mark­tes“, betont Sadeghian.

Mani­pu­la­ti­ver Hype
Neben Befür­wor­tern digi­ta­ler Kunst­for­men und ihrer Markt­plätze gibt es auch Kri­ti­ker. Aram Bar­tholl, Pro­fes­sor für digi­tale Kunst in Ham­burg sagt in einem Gespräch mit dem NDR: „Digi­tale Kunst gab es auch schon vor­her, inklu­sive Gale­rie-Zer­ti­fi­kat. Corona hat den klas­si­schen Kunst­markt aus­ge­trock­net und nun wird die­ser Hype gezielt gschürt“. Bar­tholl nennt die Ver­stei­ge­rung von „Ever­y­days“ um 70 Mio. U$ als Bei­spiel. „Der Künst­ler Mar­tin „Bee­ple“ Win­kel­mann ist Anteils­eig­ner der Firma, die sein Kunst­werk gekauft hat. Das ist ver­gleich­bar mit Damien Hirst, der sein eige­nes Werk kauft, um den Preis hoch­zu­trei­ben. Das ist also nichts Neues, die Mani­pu­la­tion der Märkte gibt es auch in der klas­si­schen Kunst“.

Gale­ris­ten stei­gern im Hin­ter­grund mit
Bar­tholls Mani­pu­la­ti­ons­ver­gleich mit der klas­si­schen Kunst stimmt nur bedingt. Es ist rich­tig und zumin­dest in der Bran­che bekannt, dass Gale­ris­ten in Auk­tio­nen bei Wer­ken ihrer Künst­ler mit­bie­ten und das ver­steckt über Mit­tels­män­ner oder zumin­dest „nicht im Saal“ über kauf­be­auf­tragte Sen­sa­len. Damit soll das Bild nicht unver­kauft „lie­gen blei­ben“ oder eben der Markt­preis gestei­gert wer­den – und zumeist eine für ver­mö­gende Tro­phä­en­samm­ler rele­vante Preis-/Wert-Grenze erreicht wer­den. Inter­na­tio­nal gel­ten hier rund 1 Mio. US$, in Öster­reich sind es rund 100.000 Euro. 

Block­chain und Tokens brin­gen Trans­pa­renz in Kunstmarkt
Diese mani­pu­la­ti­ven Vor­gänge lie­fen bis dato ent­spre­chend intrans­pa­rent und schwer über­prüf­bar ab. Block­chain und die Non-Fungable-Tokens (NFTs) brin­gen hier nun aber mehr Trans­pa­renz und Sicher­heit rein. Die Eigen­tü­mer­schaft der Tokens ist klar (und abge­si­chert) in der Block­chain hin­ter­legt, dazu gibt es mit den Wal­lets der Käu­fer klar zuor­den­bare (digi­tale) Kon­ten. Und die­ses Sys­tem gilt bei/​für jeden (Weiter)Verkauf eines Kunst­werks. Und falls ein „Stroh­mann“ ein Digi­ta­les Konto und NFTs für einen Gale­ris­ten über­nimmt, dann ist zumin­dest der Stroh­mann inklu­sive Daten für etwaig wei­tere Recher­chen einsehbar.

Die öko­no­mi­sche Skep­sis klas­si­scher Auktionshäuser
Klas­si­sche Auk­ti­ons­häu­ser ana­lo­ger Kunst sind (noch) skep­tisch betref­fend Chan­cen digi­ta­ler Kunst auf dem Kunst­markt. Im Gespräch mit dem NDR sorgt sich Robert Ket­te­rer, Chef des tra­di­tio­nel­len Auk­ti­ons­hau­ses Ket­te­rer in Mün­chen, vor allem um den tech­ni­schen Auf­wand um ein Bild zum digi­ta­len Ori­gi­nal zu machen und es mit dem Namen sei­nes Besit­zers zu ver­knüp­fen. Die­ser sei „gigan­tisch“ und mit „heu­ti­ger Tech­nik daher auch nicht für Auk­tio­nen inter­es­sant“. Ket­te­rer sieht Trans­ak­ti­ons­kos­ten wie auch öko­lo­gi­sche Belas­tun­gen „als zu hoch und das alles spricht nicht für eine Markt­reife“, so der Auk­ti­ons­haus­chef zum NDR. 

Viel­fäl­tige digi­tale Auk­ti­ons­for­mate und Kunstwerkformen
Mit­ent­schei­dend sei aber, ob die gro­ßen Auk­ti­ons­häu­ser einen Markt sehen – und dann mit­ma­chen. Diese Ent­schei­dung ist mit der erwähn­ten Ver­stei­ge­rung von „Ever­y­days“ über Christie’s allem Anschein nach schon gefal­len. Die neuen Auk­ti­ons­for­mate bedie­nen auch Künst­ler ande­rer Gen­res. Die kana­di­sche Sän­ge­rin und Mul­ti­me­dia-Künst­le­rin Gri­mes hat kürz­lich über die NFT-Auk­ti­ons­platt­form Nifty Gate­ways ihre Kol­lek­tion „War Nymphs“ mit Songs, digi­ta­len Gemäl­den und ani­mier­ten Clips um rund 6 Mio. US$ ver­kauft bzw. ver­stei­gert, so ein Bericht des Maga­zins t3N.de. Zu haben waren zwei Ani­ma­tio­nen in einer Gesamt­auf­lage von 9.999 Stück zum Ein­zel­preis von 7.500 US$, ver­schie­dene kleine Gemälde um jeweils 20 US$ und zwei grö­ßere Gemälde.

Digi­tale Trans­for­ma­tion bringt Demo­kra­ti­sie­rung des Kunstmarktes
Anga­ben zufolge wur­den von den Ani­ma­tio­nen jeweils 300 bis 400 Stück ver­kauft, von den klei­nen Gemäl­den 100 Stück und die zwei gro­ßen wur­den über eine soge­nannte stille Auk­tion ver­äu­ßert. Bei die­sem Auk­ti­ons­for­mat geben Inter­es­sen­ten nur ein Gebot ab und die zehn höchs­ten erhal­ten den Zuschlag für jeweils ein Kunst­werk. Anga­ben zufolge wur­den bis zu 111.000 US$ gebo­ten. 100 Stück kleine Gemälde um 20,- und 400 Stück Ani­ma­tio­nen um 7.500,- und 2 Stück große Gemälde um +/- 100.000,- erge­ben in der Tat ein demo­kra­ti­sches Bild aus Kunst­käu­fern ver­schie­de­ner Inter­es­sen und Finanz­mög­lich­kei­ten. Nach der digi­ta­len Trans­for­ma­tion von Medien und Musik­bran­che (und Han­del) hat nun die digi­tale Trans­for­ma­tion des Kunst­mark­tes begon­nen. (red/​czaak)

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Autor: red/czaak
30.04.2021

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