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Drei euro­päi­sche Top-Aus­zeich­nun­gen für hei­mi­sche Forscher

Mole­ku­lar­bio­lo­gin Joanna Loizou und Mit­tel­al­ter­for­scher Wal­ter Pohl von der Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten sowie Atom­phy­si­ker Thors­ten Schumm von der TU-Wien erhal­ten hoch­do­tierte För­der­preise des Euro­päi­schen Forschungsrates.

Der Euro­päi­sche For­schungs­rat (Euro­pean Rese­arch Coun­cil, ERC) hat zwei neue hoch­ran­gige För­der­preise an For­sche­rIn­nen der Öster­rei­chi­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten (ÖAW) ver­ge­ben. Joanna Loizou, Grup­pen­lei­te­rin am CeMM – For­schungs­zen­trum für Mole­ku­lare Medi­zin der ÖAW und Wal­ter Pohl, Direk­tor des Insti­tuts für Mit­tel­al­ter­for­schung der ÖAW, erhal­ten jeweils einen ERC Syn­ergy Grant. Mit dem bis zu 10 Mil­lio­nen Euro dotier­ten Preis wer­den neue fächer­über­grei­fende Vor­ha­ben mit inter­na­tio­na­len Part­nern zur Erfor­schung des frü­hen Mit­tel­al­ters und zur Ent­schlüs­se­lung von DNA-Repa­ra­turme­cha­nis­men ermöglicht.

Der dritte aktu­elle ERC-Grant geht an Thors­ten Schumm vom Atom­in­sti­tut der TU Wien für seine For­schun­gen an noch prä­zi­se­ren Uhren als die bes­ten Atom­uh­ren. Wäh­rend her­kömm­li­che Atom­uh­ren auf der Phy­sik der ato­ma­ren Elek­tro­nen­hülle beru­hen, soll die neu­ar­tige Uhr Effekte im Atom­kern nut­zen. Wich­tige Vor­ar­bei­ten für eine sol­che Kern-Uhr sind in den letz­ten Jah­ren gelun­gen, nun wird das For­schungs­vor­ha­ben vom Euro­pean Rese­arch Coun­cil (ERC) mit einem 13,8 Mil­lio­nen Euro schwe­ren ERC Syn­ergy Grant gefördert.

52 ERC-Grants an For­schungs­pro­jekte der OeAW
Joanna Loizou vom Wie­ner CeMM gilt inter­na­tio­nal als Exper­tin in der Erfor­schung der Reak­ti­ons­wege, mit denen Zel­len auf DNA-Schä­den reagie­ren, um das Genom zu schüt­zen und die Ent­ste­hung von Krebs und ande­ren Krank­hei­ten zu ver­hin­dern. „Der ERC Syn­ergy Grant ermög­licht es wei­ter am grund­le­gen­den, mole­ku­la­ren Ver­ständ­nis der DNA-Repa­ra­tur zu arbei­ten“, so Joanna Loizou, die seit 2011 als Grup­pen­lei­te­rin am CeMM der ÖAW forscht.

Woher kamen die Völ­ker der „Völ­ker­wan­de­rung“ und wel­che Spu­ren hin­ter­lie­ßen sie in den früh­mit­tel­al­ter­li­chen Gesell­schaf­ten Euro­pas ? Die­sen Fra­gen geht Wal­ter Pohl (Pro­fes­sor für mit­tel­al­ter­li­che Geschichte an der Uni Wien) gemein­sam mit dem Max-Planck-Insti­tut in Jena, dem Insti­tute for Advan­ced Study in Prince­ton und der Uni Buda­pest nach. „Wir möch­ten nun erst­mals die viel­fäl­ti­gen Lebens­ver­hält­nisse wäh­rend der Völ­ker­wan­de­rungs­zeit vor 1.500 Jah­ren erfor­schen“, so Pohl, der auch Mit­glied der ÖAW ist und bereits Witt­gen­stein­preis­trä­ger (Anm. 2004 als höchste Österr. Aus­zeich­nung durch FWF) ist sowie bereits 2010 einen Advan­ced Grant erhielt.

Mit den zwei neuen Syn­ergy Grants erhöht sich die Anzahl der seit 2007 an ÖAW-For­sche­rIn­nen ver­ge­be­nen Preise des ERC auf 47 ERC Grants und 5 Proof of Con­cept Grants. An wei­te­ren 10 ERC-Grants war die Aka­de­mie maß­geb­lich betei­ligt. In Summe konnte die ÖAW laut eige­nen Anga­ben bereits mehr als 85 Mil­lio­nen Euro an ERC-För­de­run­gen nach Öster­reich holen. Die Aka­de­mie zählt bei der Zuer­ken­nung der euro­päi­schen For­schungs­för­der­preise damit zu den erfolg­reichs­ten For­schungs­ein­rich­tun­gen Österreichs.

Tho­ri­um­kerne als Takt­ge­ber beim TU-Projekt
Einer Frage von grund­le­gen­der Bedeu­tung für unser Ver­ständ­nis des Uni­ver­sums soll das neue ERC Syn­ergy Pro­jekt von Thors­ten Schumm auf den Grund gehen. Hier wird unter­sucht, ob die fun­da­men­ta­len Natur­kostan­ten der Phy­sik nicht in Wirk­lich­keit zeit­lich oder räum­lich ver­än­der­lich sind. Das würde Hin­weise auf die Natur der „dunk­len Mate­rie“ geben, die einen wesent­li­chen Anteil unse­res Uni­ver­sums ausmacht.

Beim For­schungs­pro­jekt wer­den nun Atom­kerne des Iso­tops Tho­rium-229 als „Takt­ge­ber“ der neuen Kern­uhr ver­wen­det, ein künst­li­ches und extrem sel­te­nes Mate­rial, das am Atom­in­sti­tut der TU Wien her­ge­stellt und ver­ar­bei­tet wer­den kann. Die Kern­uhr bie­tet ein­zig­ar­tige Anwen­dungs­mög­lich­kei­ten, von der Ver­bes­se­rung der Genau­ig­keit satel­li­ten­ge­stütz­ter Navi­ga­ti­ons­sys­teme bis hin zur Erfor­schung neu­ar­ti­ger Phy­sik jen­seits der Gren­zen des heu­ti­gen Stan­dard­mo­dells, so die TU-Wien in einer Aussendung. 

Inter­dis­zi­pli­näre und län­der­über­grei­fende Forschungskooperation
Thors­ten Schumm wird das Pro­jekt „Tho­rium Nuclear Clock“ lei­ten und gemein­sam mit Ekke­hard Peik (Phy­si­ka­lisch-Tech­ni­sche Bun­des­an­stalt, D), Mari­anna Safro­nova (Uni­ver­sity of Dela­ware, USA) und Peter Thi­rolf (Lud­wig-Maxi­mi­lian Uni­ver­si­tät Mün­chen, D) an der Umset­zung des Kern­uhr-Kon­zep­tes arbei­ten. Wei­tere Mit­glie­der des Teams sind Adriana Pàlffy-Buß (Max-Planck-Insti­tut für Kern­phy­sik, D) und Johan­nes Wei­ten­berg (Fraun­ho­fer ILT in Zusam­men­ar­beit mit dem Fraun­ho­fer Clus­ter of Excel­lence Advan­ced Pho­ton Sources, D).

Auch für Thors­ten Schumm ist es nicht die erste große Aus­zeich­nung : Er wurde schon 2009 mit dem START-Preis des FWF aus­ge­zeich­net und sei­nen ers­ten ERC Start­ing Grant des Euro­pean Rese­arch Coun­cil erhielt er bereits 2010. Schumm lei­tet zudem das inter­na­tio­nale For­schungs­pro­jekt nuClock, das in den letz­ten Jah­ren ent­schei­dende Erfolge auf dem Weg zur Tho­ri­um­kern-Uhr zustande brachte und auf dem das neue ERC-Pro­jekt nun auf­bauen soll.

Autor: red/czaak
14.10.2019

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