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Drin­gen­der Hand­lungs­be­darf bei Start-Ups

2025 ver­zeich­net Öster­rei­chi­sches Start-Up-Öko­sys­tem neuen Tief­punkt. Vier­tes Jahr in Folge mit sin­ken­den Finan­zie­rungs­run­den und Invest­ment­be­trä­gen, so neue Ana­lyse von EY. Drin­gende Maß­nah­men gegen nach­hal­tige Schwä­chung nötig. 

Das Jahr 2025 mar­kiert einen Tief­punkt für das Start-Up-Öko­sys­tem. Nach­dem bereits in den ver­gan­ge­nen drei Jah­ren rück­läu­fige Ent­wick­lun­gen beim Finan­zie­rungs­vo­lu­men zu ver­zeich­nen waren, setzte sich der Abwärts­trend auch 2025 fort. Licht­bli­cke gab es in ein­zel­nen Tech­no­lo­gie­fel­dern wie Künst­li­che Intelligenz. 

Wäh­rend andere euro­päi­sche Län­der bereits 2024 erste Erho­lungs­ten­den­zen zeig­ten, ist eine ver­gleich­bare Ent­wick­lung in Öster­reich bis­lang aus­ge­blie­ben. Das zeigt die aktu­elle Ana­lyse des regel­mä­ßig erho­be­nen Start-Up-Baro­me­ters von EY. Ana­ly­siert wer­den hier Finan­zie­rungs­run­den von Start-Ups mit Haupt­sitz in Öster­reich, deren Grün­dung höchs­tens zehn Jahre zurückliegt.

Keine ein­zige Finan­zie­rungs­run­den über 100 Mil­lio­nen Euro

„Nach bereits drei Jah­ren rück­läu­fi­ger Finan­zie­rungs­ak­ti­vi­tä­ten ist 2025 ein neuer Tief­punkt erreicht und das ist ein struk­tu­rel­les Warn­si­gnal. Ohne rasche und koor­di­nierte Maß­nah­men droht Öster­reich im inter­na­tio­na­len Wett­be­werb wei­ter zurück­zu­fal­len“, sagt Flo­rian Haas, Head of Start-Up bei EY Österreich.

Bereits 2024 sank das Finan­zie­rungs­vo­lu­men im drit­ten Jahr in Folge um 17 Pro­zent auf 578 Mio. Euro und das ist der nied­rigste Wert seit 2020. Gleich­zei­tig ging die Anzahl der Finan­zie­rungs­run­den um 19 Pro­zent von 184 auf 151 Deals zurück. Große Finan­zie­rungs­run­den über 100 Mio. Euro blie­ben erst­mals voll­stän­dig aus.

253 Mil­lio­nen Euro Gesamt­fi­nan­zie­rungs­vo­lu­men erge­ben Reduk­tion um 56 Prozent

Statt einer Sta­bi­li­sie­rung setzte sich die­ser Nega­tiv­trend nun auch 2025 wei­ter fort. Das Gesamt­fi­nan­zie­rungs­vo­lu­men betrug rund 253 Mil­lio­nen Euro und hat bedeu­tet gegen­über 2024 eine Reduk­tion um (wei­tere) satte 56 Pro­zent. Die Zahl der Finan­zie­rungs­run­den blieb mit 148 und minus zwei Pro­zent nahezu auf dem Niveau des Vor­jah­res (151). 

Beson­ders betrof­fen ist wei­ter­hin das Wachs­tums­seg­ment. Grö­ßere Anschluss­fi­nan­zie­run­gen sind hier nur ein­ge­schränkt rea­li­sier­bar, was die Ska­lie­rung und Inter­na­tio­na­li­sie­rung vie­ler öster­rei­chi­scher Neu­grün­dun­gen (Anm. Start-Ups) und kürz­lich gegrün­de­ter Unter­neh­men (Anm. Scale-Ups) erheb­lich erschwert.

Inter­na­tio­na­ler Ver­gleich ver­schärft den Befund

„Der ein­ge­schränkte Zugang zu Wachs­tums­ka­pi­tal bremst Inter­na­tio­na­li­sie­rung, Inno­va­tion und Beschäf­ti­gungs­auf­bau zuneh­mend aus. Damit steht auch die lang­fris­tige Wett­be­werbs­fä­hig­keit des gesam­ten Start-Up-Stand­orts auf dem Spiel“, unter­streicht Flo­rian Haas von EY Öster­reich. „Jetzt ent­schei­det sich, ob es gelingt, die rich­ti­gen Rah­men­be­din­gun­gen für eine nach­hal­tige Trend­um­kehr zu schaf­fen oder ob Öster­reich wei­ter an Boden ver­liert“, ergänzt Experte Haas.

Der inter­na­tio­nale Ver­gleich belegt den Hand­lungs­be­darf noch­mals deut­lich. Wäh­rend sich das euro­päi­sche Start-Up-Öko­sys­tem 2025 ins­ge­samt wie­der sta­bi­li­siert, ent­wi­ckelt sich Öster­reich klar gegen den Trend. EU-weit stieg das Inves­ti­ti­ons­vo­lu­men 2025 gegen­über 2024 immer­hin um rund fünf Pro­zent auf mehr als 66 Mil­li­ar­den Euro. Die Anzahl der Run­den ver­rin­gerte sich auch hier.

„Öster­reich muss jetzt ver­gleich­bare Vor­aus­set­zun­gen schaffen“

Ein­zeln betrach­tet ver­zeich­ne­ten 25 der 43 erfass­ten euro­päi­schen Län­der 2025 noch einen Rück­gang beim Inves­ti­ti­ons­vo­lu­men, 17 Län­der konn­ten bereits wie­der zule­gen. Mit den ange­führ­ten minus 56 Pro­zent gibt es in Öster­reich inner­halb die­ses Ver­gleichs den stärks­ten Rück­gang. Öster­reich liegt damit im unte­ren Drit­tel der euro­päi­schen Märkte.

„Die EU-weite Betrach­tung zeigt, dass es in Öster­reich nicht an feh­len­dem Markt­po­ten­zial liegt, son­dern an den Rah­men­be­din­gun­gen. Län­der, die gezielt Wachs­tums­ka­pi­tal mobi­li­sie­ren und insti­tu­tio­nelle Inves­to­ren ein­ge­bun­den haben, pro­fi­tie­ren bereits von einer Bele­bung der Start-Up-Finan­zie­run­gen“ erläu­tert Haas von EY. „Öster­reich muss jetzt ver­gleich­bare Vor­aus­set­zun­gen schaf­fen“, betont der Experte.

Durch­schnitt­li­ches Finan­zie­rungs­vo­lu­men schrumpft weiter

Ein beson­ders kla­res Signal für die ange­spannte Lage lie­fert das durch­schnitt­li­che Finan­zie­rungs­vo­lu­men pro Runde. Die­ses sank 2025 auf rund 2,3 Mil­lio­nen Euro, der nied­rigste Stand seit zehn Jah­ren. 2024 lag das durch­schnitt­li­che Volu­men noch bei 4,3 Mil­lio­nen Euro, 2022 bei 7,7 Mil­lio­nen Euro und im Boom­jahr 2021 bei 11,6 Mil­lio­nen Euro.

Die Struk­tur der Finan­zie­rungs­run­den ver­deut­licht diese Ent­wick­lung zusätz­lich. Der über­wie­gende Teil der 2025 abge­schlos­se­nen Finan­zie­rungs­run­den erzielte unter fünf Mil­lio­nen Euro, nur vier Run­den mehr als zehn Mil­lio­nen Euro. Finan­zie­run­gen zwi­schen zehn und 50 Mil­lio­nen Euro blie­ben damit eine klare Aus­nahme, große Run­den über 100 Mil­lio­nen Euro kamen über­haupt nicht mehr vor.

Start-Ups Refur­bed und enspired

Die größte Finan­zie­rungs­runde des Jah­res 2025 ging an das Unter­neh­men Refur­bed mit rund 50 Mil­lio­nen Euro. Das Wie­ner Scale-Up ist euro­pa­weit im Markt für gene­ral­über­holte Elek­tronik­ge­räte eta­bliert, die Finan­zie­rung erfolgte als soge­nannte Exten­sion einer bestehen­den Runde. 

Auf dem zwei­ten Platz folgt enspi­red mit rund 15 Mil­lio­nen Euro, ein Energy-Tech-Unter­neh­men mit Fokus auf KI-gestützte Opti­mie­rung im Strom­han­del. Eben­falls rund 15 Mil­lio­nen Euro warb das 2024 gegrün­dete Lin­zer Start-Up Emmi AI ein. Das Unter­neh­men ent­wi­ckelt KI-Lösun­gen für indus­tri­elle Pro­duk­ti­ons- und Qualitätsprozesse. 

Gra­zer Start-Up Ease­link und Inns­bru­cker Start-Up Hololight

Das Gra­zer Start-Up Ease­link, ein Anbie­ter auto­ma­ti­sier­ter Lade­lö­sun­gen für Elek­tro­fahr­zeuge, belegt mit rund 11,5 Mil­lio­nen Euro den drit­ten Platz im Ran­king. Das Inns­bru­cker Start-Up Holo­light mit sei­nen AR- und XR-Strea­ming-Lösun­gen für indus­tri­elle Anwen­dun­gen nahm rund 10 Mil­lio­nen Euro auf, ergibt Platz vier. 

Inves­to­ren­grup­pen unter­stüt­zen also bestehende Port­fo­lio­un­ter­neh­men wei­ter, zei­gen sich bei neuen groß­vo­lu­mi­gen Invest­ments jedoch zurück­hal­tend. „Ein funk­tio­nie­ren­des Öko­sys­tem braucht nicht nur ein­zelne Leucht­turm­deals, son­dern eine kri­ti­sche Masse an Wachs­tums­fi­nan­zie­run­gen. Genau daran man­gelt es der­zeit,“ ergänzt Flo­rian Haas, Head of Start-Up bei EY Öster­reich. (red/​czaak) (Anm. der Redak­tion : mor­gen erläu­tern wir die the­ma­ti­schen und geo­gra­fi­schen Schwer­punkte bei den neuen Invest­ments in Start-Ups)

Autor: red/czaak
15.01.2026

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