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© Pexels.com/Karolina Grabowska

Ein Chip mit natür­li­chen Blutgefäßen

TU Wien und Uni­ver­si­tät Keio (Japan) ent­wi­ckeln neue Methode, um Blut­ge­fäße in win­zi­gen Organ­mo­del­len auf Chip zu erzeu­gen. Ver­fah­ren adres­siert zuver­läs­si­gere Modelle von Blut­ge­fä­ßen und Lebergewebe. 

Wie kann man die Wir­kung eines neuen Medi­ka­ments erfor­schen? Wie kann man das Zusam­men­spiel ver­schie­de­ner Organe bes­ser ver­ste­hen? In der medi­zi­ni­schen For­schung spie­len soge­nannte „Organ-on-a-chip“-Anwendungen (auch mikro­phy­sio­lo­gi­sche Sys­teme genannt) eine wach­sende Rolle: Wenn es gelingt, Gewe­be­struk­tu­ren im Labor auf prä­zise kon­trol­lier­bare Chips wach­sen zu las­sen, dann kann viel prä­zi­ser geforscht wer­den, als das mit Ver­su­chen an leben­den Men­schen oder Tie­ren mög­lich wäre. 

Sol­che Mini-Organe sind jedoch unvoll­stän­dig ohne Blut­ge­fäße. Um eine echte Ver­gleich­bar­keit mit leben­den Orga­nis­men sicher­zu­stel­len, braucht es ein lebens­na­hes Netz win­zi­ger durch­fluss­fä­hi­ger Blut­ge­fäße und Kapil­la­ren – und zwar auf genau kon­trol­lier­bare, repro­du­zier­bare Weise. Das ist der TU Wien nun gelun­gen, mit einem neuen Ver­fah­ren, wo mit­tels ultra­kur­zer Laser­pulse auf repro­du­zier­bare Weise win­zige Blut­ge­fäße ent­ste­hen. Ver­su­che zei­gen, dass diese Gefäße sich tat­säch­lich so wie Gefäße im leben­den Gewebe ver­hal­ten. Leber-Gewebe wurde mit gro­ßem Erfolg auf einem Chip hergestellt. 

Echte Zel­len in künst­li­chen Kanälchen 
„Will man etwa unter­su­chen, wie bestimmte Medi­ka­mente in unter­schied­li­chen Gewe­ben trans­por­tiert und absor­biert wer­den, dann braucht es feinste Netze aus Blut­ge­fä­ßen“, sagt Alice Sal­va­dori, vom Insti­tut für Werk­stoff­wis­sen­schaft und Werk­stoff­tech­no­lo­gie der TU Wien. Idea­ler­weise wer­den sol­che Blut­ge­fäße in spe­zi­el­len Mate­ria­lien her­ge­stellt, soge­nannte Hydro­ge­len. Diese Mate­ria­lien bie­ten den leben­den Zel­len Halt, sind aber durch­läs­sig, ähn­lich wie natür­li­che Gewebe. Wenn in sol­chen Hydro­ge­len kleine Kanäl­chen erzeugt wer­den, kann erreicht wer­den, dass sich im Inne­ren die­ser Kanäl­chen soge­nannte Endo­thel­zel­len anla­gern – Zel­len, die im mensch­li­chen Kör­per das Innere von Blut­ge­fä­ßen auskleiden. 

Damit gibt es ein künst­li­ches Modell, das einem leben­den Blut­ge­fäß sehr ähn­lich ist. Form und Größe sol­cher Blut­ge­fäß-Netz­werke sind aber sehr schwer zu kon­trol­lie­ren. Wenn die Netz­werke sich frei ent­wi­ckeln, vari­iert die Geo­me­trie der Blut­ge­fäße immer stark von einer Probe zur ande­ren. Damit las­sen sich keine repro­du­zier­ba­ren, exak­ten Expe­ri­mente durch­füh­ren – doch gerade das ist für prä­zise medi­zi­ni­sche For­schung wich­tig. Bes­se­res Hydro­gel und Laser-Prä­zi­sion An der TU Wien setzte man daher auf eine hoch­ent­wi­ckelte Laser­tech­nik: Mit Hilfe ultra­kur­zer Laser­pulse mit einer Dauer im Fem­to­se­kun­den-Bereich kann man in Hydro­ge­len sehr schnell und sehr effi­zi­ent hoch­prä­zise 3D-Struk­tu­ren in das Mate­rial hin­ein­schrei­ben. Doch nicht nur die exakte Her­stel­lung der gewünsch­ten Blut­ge­fäß-Geo­me­trie ist wich­tig, die Blut­ge­fäß-Netz­werke müs­sen vor allem sta­bil blei­ben, wenn sie von Zel­len besie­delt wer­den. Anstelle des übli­chen ein­stu­fi­gen Gelie­rungs­ver­fah­rens ver­wen­dete das Team einen zwei­stu­fi­gen ther­mi­schen Härtungsprozess. 

Das Hydro­gel wird in zwei Pha­sen mit unter­schied­li­chen Tem­pe­ra­tu­ren erwärmt, nicht nur in einer. Dadurch ver­än­dert sich seine Netz­werk­struk­tur, und ein sta­bi­le­res Mate­rial ent­steht. Die Gefäße blei­ben offen und behal­ten ihre Form über einen län­ge­ren Zeit­raum bei. „Wir haben nicht nur gezeigt, dass wir künst­li­che Blut­ge­fäße her­stel­len kön­nen, die tat­säch­lich durch­flos­sen wer­den kön­nen. Wir haben zudem eine ska­lier­bare Tech­no­lo­gie ent­wi­ckelt, die im indus­tri­el­len Maß­stab ein­ge­setzt wer­den kann“, sagt Alek­sandr Ovsia­ni­kov. „Die Struk­tu­rie­rung von 30 Kanä­len dau­ert nur 10 Minu­ten, was min­des­tens 60-mal schnel­ler ist als andere Tech­ni­ken.“ Ein Leber­mo­dell mit Blut­ge­fä­ßen aus­stat­ten Wenn bio­lo­gi­sche Pro­zesse mit sol­chen Chips nach­ge­stellt wer­den sol­len, muss man zunächst sicher­stel­len, dass sie sich tat­säch­lich so ver­hal­ten wie natür­li­ches Gewebe. „Wir haben gezeigt, dass diese künst­li­chen Blut­ge­fäße tat­säch­lich mit Endo­thel­zel­len besie­delt wer­den, die genauso reagie­ren wie Endo­thel­zel­len im Kör­per“, sagt Alice Sal­va­dori. „Sie reagie­ren bei­spiels­weise auf die­selbe Weise auf Ent­zün­dun­gen – sie wer­den dabei durch­läs­si­ger, genau wie Blut­ge­fäße im Kör­per.“ Damit ist nun ein wich­ti­ger Schritt getan, die Lab-on-a-Chip-Tech­no­lo­gie zum indus­tri­el­len Stan­dard in vie­len Berei­chen der medi­zi­ni­schen For­schung zu machen. „Mit die­sem Ansatz konn­ten wir ein Leber­mo­dell mit Blut­ge­fä­ßen aus­stat­ten. In Zusam­men­ar­beit mit der Keio-Uni­ver­si­tät (Japan) haben wir ein Leber­läpp­chen auf einem Chip ent­wi­ckelt, das ein kon­trol­lier­tes 3D-Gefäß­netz­werk ent­hält, das die Anord­nung der Zen­tral­vene und Sinu­so­ide in vivo genau nach­ahmt“, sagt Alek­sandr Ovsia­ni­kov von der TU Wien.

Inte­gra­tion der Organ-on-a-Chip-Tech­no­lo­gie in die prä­kli­ni­sche Arz­nei­mit­tel­for­schung „Die Nach­bil­dung der dich­ten und kom­ple­xen Mikro­ge­fäße der Leber war lange Zeit eine Her­aus­for­de­rung in der Organ-on-Chip-For­schung. Durch den Auf­bau meh­re­rer Schich­ten von Mikro­ge­fä­ßen, die das gesamte Gewe­be­vo­lu­men durch­zie­hen, konn­ten wir eine aus­rei­chende Nähr­stoff- und Sau­er­stoff­ver­sor­gung sicher­stel­len – was wie­derum zu einer ver­bes­ser­ten Stoff­wech­sel­ak­ti­vi­tät im Leber­mo­dell führte. Wir glau­ben, dass diese Fort­schritte uns einen Schritt näher an die Inte­gra­tion der Organ-on-a-Chip-Tech­no­lo­gie in die prä­kli­ni­sche Arz­nei­mit­tel­for­schung brin­gen“, sagt Masaf­umi Watanabe von der Keio-Uni­ver­si­tät. „Die Organ-on-a-Chip-Tech­no­lo­gie und fort­schritt­li­che Laser­tech­no­lo­gie las­sen sich gut kom­bi­nie­ren, um zuver­läs­si­gere Modelle von Blut­ge­fä­ßen und Leber­ge­webe zu erstel­len. Ein wich­ti­ger Durch­bruch ist die Mög­lich­keit, win­zige Gewebe auf einem Chip zu bauen, durch die Flüs­sig­keit flie­ßen kann, ähn­lich wie Blut im Kör­per. Dies hilft For­schern, bes­ser zu ver­ste­hen, wie der Blut­fluss die Zel­len beein­flusst. Die Organ-on-a-Chip-Tech­no­lo­gie ermög­licht es auch, die Reak­tio­nen der Zel­len unter dem Mikro­skop genau zu beob­ach­ten. Diese Modelle wer­den Wis­sen­schaft­lern hel­fen, die Funk­ti­ons­weise des Kör­pers zu unter­su­chen, und könn­ten in Zukunft zu bes­se­ren Behand­lun­gen und einer bes­se­ren Gesund­heits­ver­sor­gung füh­ren“, ergänzt Ryo Sudo von der Keio-Uni­ver­si­tät. (red/​czaak)

Autor: red/czaak
30.05.2025

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