
Ein neuer enger Begleiter
94 Prozent der Jugendlichen nutzen KI-Chatbots. Sie dienen als Werkzeug, als Ratgeber und zunehmend auch als persönliche Bezugsperson. Auch hier begrüßen Jugendliche Altersgrenzen, so eine Studie von Saferinternet anlässlich des 23. Safer Internet Day.
Anlässlich des 23. internationalen Safer Internet Day am 10. Februar 2026 präsentiert Saferinternet die aktuelle Studie „KI-Chatbots als Alltagsbegleiter für Jugendliche“. Die zentrale Erkenntnis : Künstliche Intelligenz (KI) ist für Jugendliche inzwischen ein selbstverständlicher Begleiter. 94 Prozent der 11- bis 17-Jährigen nutzen KI-Chatbots vor allem für schulische und zunehmend auch für persönliche Themen.
ChatGPT klare Nummer eins bei Jugendlichen
Die Jugendlichen unterschätzen aber auch die Risiken, wünschen sich mehr Bildung zu KI und befürworten auch hier Altersgrenzen. Für die Studie wurden 500 österreichische Kinder und Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren befragt. Zusätzlich wurden zwei vertiefende Fokusgruppen in Jugendeinrichtungen durchgeführt.
Bei den Anwendungen ist ChatGPT die mit Abstand beliebteste Anwendung. 90 Prozent der Befragten nutzen sie. Vergleichbare Chatbots wie Gemini von Google (23 Prozent) oder CoPilot von Microsoft (11) sind deutlich weniger beliebt. Knapp ein Viertel der Befragten nutzt ChatGPT täglich, die älteren Befragten (30) mehr als die jüngeren (18 Prozent). Über 40 Prozent geben an, ChatGPT zumindest mehrmals pro Woche zu nutzen.
Werkzeug für die Schule und Textformulierung
Inhaltlich sehen Jugendliche KI vor allem als wichtiges Werkzeug für die Schule : Fast drei Viertel verwenden KI-Tools für schulische Zwecke und Hausaufgaben. Weiters werden KI-Tools unter anderem für das Suchen und Zusammenfassen von Informationen (47 Prozent), für Erklärungen (34), zur Formulierung von Texten (27) und zum Lösen von Rechenaufgaben (20 Prozent) verwendet.
Zwischen den Geschlechtern und Altersgruppen (11 bis 14 Jahre und 15 bis 17 Jahre) zeigen sich dabei deutliche Unterschiede : Weibliche und ältere Jugendliche nutzen KI in allen Anwendungsbereichen häufiger. Im schulischen Bereich liegen weibliche Jugendliche (78 Prozent) um 10 Prozentpunkte vor den männlichen (68 Prozent).
Jugendliche fragen KI regelmäßig um Information und Rat
Nicht nur in der Schule, sondern im gesamten Alltag sind KI-Tools mittlerweile eine gefragte Anlaufstelle. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen nutzt KI regelmässig, um sich Informationen und Ratschläge für verschiedene Lebensbereiche zu holen, etwa zu Freizeitgestaltung, Hobbys, Gesundheit oder Beziehungen. Ein knappes Drittel verwendet KI-Tools, um Sorgen oder Probleme zu besprechen. Einem Viertel dienen sie zum Stressabbau oder um Ärger loszuwerden.
Vier von zehn Befragten empfinden es oft als hilfreicher, eine KI zu fragen als einen Menschen. Die sofortige Verfügbarkeit von KI-Chatbots ist für Jugendliche der wichtigste Grund (59 Prozent) für deren Verwendung. Darüber hinaus schätzen sie die Zeitersparnis (43) und die unkomplizierte Nutzung (39 Prozent).
Chatbots werden zu persönlichen Bezugspersonen
Auffällig ist die zunehmende Bedeutung von KI im emotionalen und zwischenmenschlichen Bereich. Fast ein Viertel der Befragten nutzt KI zumindest manchmal, um freundschaftliche Unterhaltungen zu führen, knapp ein Fünftel sogar für romantische Gespräche. Etwa drei von zehn Befragten sind der Meinung, dass KI eine Art Freundin oder Freund sein kann und Trost zu spenden vermag.
Und über ein Viertel glaubt, dass sich Jugendliche tatsächlich in einen Chatbot verlieben könnten. Das zeigt, wie attraktiv Chatbots für junge Menschen sind und welche Bedeutung sie im Alltag der Jugendlichen haben. Eine wichtige Rolle spielt hierbei die bestätigende und gefällige Kommunikationsweise von KI-Chatbots. Dadurch wirken Chatbots oft empathisch und vermitteln scheinbares Verständnis.
Bewusstsein über Risiken
Mittlerweile gibt ein Viertel der Jugendlichen (25 %) an, dass es ihnen leichter fällt, mit Chatbots über persönliche Themen zu sprechen als mit Menschen. Gleichzeitig sind ihnen die möglichen Schattenseiten der KI durchaus bewusst. „Wenn man sich schon von klein auf mit Problemen an die KI wendet, könnte es einem dann schwerer fallen, mit einer echten erwachsenen Person zu kommunizieren“, so eine Teilnehmerin aus den Fokusgruppen.
KI-Tools können aber auch helfen, Gespräche mit anderen Menschen vorzubereiten und zu üben. Bereits 23 Prozent der Befragten machen davon zumindest manchmal Gebrauch. In den Fokusgruppen schildern die Jugendlichen, dass sie mithilfe von KI vor allem heikle oder konfliktbeladene Gespräche vorbereiten – etwa, um mit Lehrkräften über als unfair empfundene Bewertungen zu sprechen, mit Eltern über schlechte Noten oder mit Freundinnen und Freunden bzw. in Beziehungen über Konflikte.
Die Studie und erste Erkenntnisse
Die Studie wurde vom Institut für Jugendkulturforschung und Kulturvermittlung im Auftrag des Österreichischen Instituts für angewandte Telekommunikation (ÖIAT) und der ISPA – Internet Service Providers Austria im Rahmen der EU-Initiative Saferinternet durchgeführt. Im Spätherbst 2025 nahmen 500 Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren, repräsentativ nach Alter, Geschlecht und Bildungshintergrund, teil. Zusätzlich gab es zwei Fokusgruppen in Jugendeinrichtungen mit insgesamt 14 Jugendlichen zwischen 12 und 15 Jahren.
„KI-Tools sind bei Fragen oft die erste Anlaufstelle für Jugendliche. Gleichzeitig gibt es aber große Wissenslücken, wenig Bewusstsein für Risiken und den Wunsch nach einem besseren Verständnis von KI“, so Barbara Buchegger, pädagogische Leiterin von Saferinternet. „KI ist für Jugendliche zum digitalen Begleiter geworden. Gerade deshalb dürfen wir sie mit den Risiken nicht alleinlassen. Wir brauchen mehr Bildung über KI, in der Schule sowie mithilfe der Digitalen Kompetenzoffensive, klare Regeln und ein gemeinsames Verantwortungsbewusstsein“, ergänzt Alexander Pröll, Staatssekretär für Digitalisierung.(red/laucz, red/cc)