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Ein Schmäh bei Ein­nah­men und Mil­li­ar­den Gründe für Privatisierungen 

Öko­no­men der Agenda Aus­tria haben sich reale Ent­wick­lun­gen bei der Bud­get­kon­so­li­die­rung ange­schaut und par­al­lel dazu auch Rela­tio­nen im Kon­text mit dem Reiz­thema Pri­va­ti­sie­run­gen. Öster­reich sei hier im EU-Ver­gleich ein abso­lu­ter Sonderfall.

In Zei­ten knap­per Bud­get­haus­halte von Staa­ten pop­pen dann oft ganz rasch Ideen für neue ein­nah­men­sei­tige Unter­stüt­zun­gen auf. Umgangs­sprach­lich Steu­ern genannt trifft das auch oder aktu­ell gerade auf Öster­reich zu. „Ist das Bud­get knapp, sprie­ßen Ideen für neue oder noch höhere Steu­ern aus dem Boden wie Unkraut und das zeigt sich in den ver­gan­ge­nen Wochen“, sagt Hanno Lorenz, Öko­nom bei der Agenda-Aus­tria, die zu dem Thema eine inter­es­sante Ana­lyse erstellt hat.

Die Wirt­schafts­exper­ten der Agenda-Aus­tria erläu­tern sogar meh­rere und sogar durch­aus krea­tive Steuer-Maß­nah­men. Das Spek­trum reicht von höhe­ren Grund­steu­ern, wie von den Gemein­den gefor­dert, über die von SPÖ, Grü­nen und Gewerk­schaf­tern favo­ri­sierte Wie­der­ein­füh­rung der Erb­schaft­steuer bis hin zur voll­stän­di­gen Wie­der­ein­füh­rung der kal­ten Pro­gres­sion, wie sie einige Lan­des­po­li­ti­ker und die Arbei­ter­kam­mer gerne hätten. 

Gemein­hin als schwie­rig bezeich­ne­tes Wirt­schafts­jahr 2025 in Wahr­heit erfolg­reich
 

Dass dabei aus­ge­rech­net die per Gesetz vor­ge­schrie­be­nen Arbeit­neh­mer­ver­tre­ter die Mehr­be­las­tung von Arbeit­neh­mern for­dern, sei eine öster­rei­chi­sche Eigen­heit. Die Öko­no­men ver­wei­sen hier auf die Lohn­steu­er­ein­nah­men, die seit der 2022 teil­weise abge­schaff­ten kal­ten Pro­gres­sion um 20 Pro­zent gestie­gen sind. Das sei „eine deut­lich schnel­lere Stei­ge­rung als das Preis­ni­veau“, so die Erhe­bun­gen der Agenda-Austria.

Inter­es­sant ist auch die Ein­schät­zung der Exper­ten in Bezug auf das als gemein­hin sehr schwie­rig bezeich­nete Wirt­schafts­jahr 2025. Die­ses sei näm­lich in Wahr­heit über­aus erfolg­reich gewe­sen, zumin­dest für den Finanz­mi­nis­ter. Hin­ter­grund für diese Ein­schät­zung ist, dass prak­tisch alle gro­ßen Steu­ern stär­ker wuch­sen als die Infla­tion – und das schon seit 2019. Schwä­cheln tut im Ver­gleich allein die Kör­per­schafts­steuer. Diese Mehr­ein­nah­men flie­ßen über die ali­quo­ten Ertrags­an­teile im Übri­gen auch an die Län­der und Gemeinden.

Die Ernte vie­ler nied­rig hän­gen­der Früchte für die Budgetkonsolidierung

„Wenn also Wiens Kli­ma­stadt­rat Czer­no­hor­szky die Abschaf­fung der kal­ten Pro­gres­sion ohne Gegen­fi­nan­zie­rung als Feh­ler und Finan­zie­rungs­pro­blem für die Stadt sieht, dann ist das ers­tens nicht ehr­lich und zwei­tens eine bil­lige Aus­rede, um nicht bei den Aus­ga­ben anset­zen zu müs­sen“, kom­men­tiert Hanno Lorenz, Öko­nom bei der Agenda Austria.

In der wei­te­ren Ana­lyse zie­hen die Öko­no­men einen bild­haf­ten Ver­gleich : Der Regie­rung sei es gelun­gen, viele nied­rig hän­gende Früchte bei der Bud­get­kon­so­li­die­rung zu ern­ten. Ange­führt wer­den etwa aus­lau­fende Bei­hil­fen, bes­sere Finan­zie­rungs­kon­di­tio­nen und die höhere Infla­tion. „Für die Zukunft wird es aber grö­ßere Anstren­gun­gen bei den gro­ßen Aus­ga­ben­trei­bern brau­chen. Sonst hören wir auch bei der nächs­ten Bud­get­rede den Schmäh von den feh­len­den Ein­nah­men“, so Lorenz von der Agenda-Aus­tria, der in dem Fall dann noch eine große Freude beim Finanz­mi­nis­ter vorhersagt.

Hohe Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung unter staat­li­cher Kontrolle

Ebenso genauer ange­schaut und ana­ly­siert haben die Agenda-Aus­tria Öko­no­men das Thema Pri­va­ti­sie­run­gen bzw. die Rela­tion an Wer­ten, die im staat­li­chen Besitz ste­hen und die im pri­va­ten Eigen­tum. Öster­reich sei hier ein euro­päi­scher Son­der­fall, so die finale Ein­schät­zung. In kei­nem ande­ren west­li­chen EU-Land befin­det sich ein so gro­ßer Teil der bör­sen­no­tier­ten Wirt­schaft in staat­li­cher Hand. Rund ein Fünf­tel der gesam­ten Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung wird vom Staat kontrolliert. 

Das sei ein Wert, der eher an Argen­ti­nien oder China erin­nert. Diese starke Rolle des öster­rei­chi­schen Staa­tes ist his­to­risch erklär­bar, öko­no­misch aber kaum mehr zu recht­fer­ti­gen. Die Agenda Aus­tria-Öko­no­men Jan Kluge und Dénes Kuc­sera haben den ver­gleichs­wei­sen Son­der­fall Öster­reich in einer aktu­el­len Publi­ka­tion (Anm. sog. Policy-Brief) mit dem Titel : „Alles muss raus ! Öster­reich ent­deckt die Pri­va­ti­sie­rung“ dann auch umfas­send analysiert.

Ver­staat­li­chung gegen Zugriff von Besatzungsmacht

Aus­gangs­ba­sis ist ein­mal ein seit Jahr­zehn­ten exis­tie­ren­des Fun­da­ment, dass rich­tig umge­setzte Pri­va­ti­sie­run­gen Effi­zi­enz, Inno­va­ti­ons­kraft und Inves­ti­ti­ons­be­reit­schaft erhö­hen wür­den. Pri­vate Eigen­tü­mer hät­ten stär­kere Anreize, Kos­ten zu sen­ken, pro­duk­ti­ver zu arbei­ten und lang­fris­tig zu den­ken. Par­al­lel dazu ver­schwin­den poli­ti­sche Ein­fluss­nahme oder auch par­tei­po­li­ti­sche Pos­ten­ver­ga­ben. Pri­va­ti­sie­rung funk­tio­niere aber nur dann gut, wenn sie „mit Wett­be­werb und klu­ger Regu­lie­rung ein­her­geht“. Ein Ersatz mit pri­va­ten Mono­po­len dürfe aber nicht ent­ste­hen.

Das Team der Agenda-Aus­tria sieht beim Thema auch his­to­ri­sche Gründe, da der hohe Staats­an­teil noch ein Erbe der Nach­kriegs­zeit sei. Um öster­rei­chi­sche Betriebe vor dem Zugriff der sowje­ti­schen Besat­zungs­macht zu schüt­zen, wur­den damals große Teile der Indus­trie ver­staat­licht. Die­ses Modell hat über Jahr­zehnte gut funk­tio­niert – bis in den 1980er-Jah­ren, als viele Staats­be­triebe in die Krise rutschten. 

Eine kri­ti­sche Betrach­tung betref­fend Pro und Con­tra staat­li­che Eigentümerschaft

Eine erste große Pri­va­ti­sie­rungs­welle ret­tete dann Unter­neh­men wie die Voest, Bern­dorf oder AT&S. In den 2000er-Jah­ren folg­ten unter ande­rem die Tele­kom Aus­tria, die Öster­rei­chi­sche Post und die Aus­trian Air­lines.
Aus Sicht der Agenda-Aus­tria Öko­no­men blieb die­ser Pro­zess aber unvoll­stän­dig. Die ver­blie­be­nen staat­li­chen Betei­li­gun­gen wur­den in der Öster­rei­chi­schen Betei­li­gungs AG (ÖBAG) gebün­delt und damit fak­tisch „ein­ge­fro­ren“.

Aktu­ell hält der Staat also wei­ter­hin mil­li­ar­den­schwere Anteile an bör­sen­no­tier­ten Unter­neh­men und dazu gehö­ren der Ver­bund, die OMV, die Tele­kom oder die Casi­nos Aus­tria. Damit ver­wal­tet die ÖBAG ein Port­fo­lio von ins­ge­samt fast 30 Mil­li­ar­den Euro. Mit die­sen Daten und Zah­len erlau­ben sich die Agenda-Aus­tria Öko­no­men eine kri­ti­sche Betrach­tung betref­fend Pro und Con­tra staat­li­che Eigen­tü­mer­schaft mit ent­spre­chen­den Folgeschlüssen.

Für viele Betei­li­gun­gen feh­len öko­no­mi­sche Rechtfertigungen

Gegen staat­li­chen Besitz spricht etwa, dass für viele Betei­li­gun­gen jede öko­no­mi­sche Recht­fer­ti­gung fehle. Der Staat muss weder an Ölkon­zer­nen noch an Glücks­spiel­un­ter­neh­men betei­ligt sein. Zwei­tens würde staat­li­ches Eigen­tum die Gefahr von poli­ti­scher Ein­fluss­nahme, Inef­fi­zi­enz und Kor­rup­tion erhö­hen. Öster­reich schneide in inter­na­tio­na­len Kor­rup­ti­ons­ran­kings nicht zuletzt des­halb schlecht ab, „weil die Poli­tik hier­zu­lande außer­ge­wöhn­lich gro­ßen Zugriff auf wirt­schaft­li­che Res­sour­cen hat“, so die Agenda-Austria.

Im drit­ten Kri­tik­punkt wird ange­führt, dass Divi­den­den nicht lang­fris­tig sinn­voll inves­tiert wer­den, son­dern häu­fig kurz­fris­tig poli­tisch genutzt wür­den, etwa zur Finan­zie­rung popu­lä­rer Maß­nah­men. Das schwächt die Unter­neh­men und schade dem Stand­ort. Der heu­tige Schwe­be­zu­stand, wo es weder echte staat­li­che Steue­rung noch echte Pri­vat­wirt­schaft gibt, schaffe Intrans­pa­renz, ver­wi­sche Ver­ant­wor­tung und min­dere zudem noch die par­la­men­ta­ri­sche Kontrolle. 

Finan­zie­rung von Refor­men im Bereich Pfle­ge­kos­ten und Pen­si­ons­sys­tem

Diese „öster­rei­chi­sche Zwit­ter­lö­sung“ sei „weder effi­zi­ent noch nach­hal­tig“, so die Öko­no­men der Agenda-Aus­tria, die dann final auch eine reale finan­zi­elle Bewer­tung erstellt haben. Eine kon­se­quente Pri­va­ti­sie­rung der ÖBAG-Betei­li­gun­gen könnte rund 25 Mil­li­ar­den Euro ein­brin­gen. Die­ses Geld sollte in einen Fonds mün­den, der es inter­na­tio­nal inves­tiert, etwa nach nor­we­gi­schem Vorbild. 

Die Erträge könn­ten dann bei­spiels­weise Refor­men finan­zie­ren, wel­che die stark stei­gen­den Pfle­ge­kos­ten einer altern­den Gesell­schaft in den Griff bekom­men. „Auch ein Über­gang zu einem stär­ker kapi­tal­ge­deck­ten Pen­si­ons­sys­tem würde eine Anschub­fi­nan­zie­rung brau­chen, für die die ÖBAG-Mil­li­ar­den wie geru­fen kämen“, resü­mie­ren Jan Kluge und Dénes Kuc­sera von der Agenda-Aus­tria. (red/​czaak)

Autor: red/czaak
21.02.2026

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