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© George Heidegger

Eine dif­fe­ren­zierte Zeit­reise mit Klimt

In der Arbeit des Künst­lers Gün­ther George Heid­eg­ger geht es vor­wie­gend um das Beschwö­ren intak­ter Mythen. In sei­nem aktu­el­len Buch „Klimt, geht …“ spannt er nun einen gemein­sa­men intim­fik­ti­ven Bogen von 1900 bis zur Gegenwart.

Gün­ther George Heid­eg­ger wurde 1960 in Bre­genz gebo­ren und ist nach sei­nem Stu­dium der Kunst­ge­schichte an der Uni Inns­bruck als Maler und Schrift­stel­ler tätig. In sei­nen Bil­dern nimmt er pri­mär Bezug auf alte und moderne Mythen, die auf bewusste oder auch unbe­wusste Art und Weise sein und unser Leben bestim­men. Glei­che und ähn­li­che The­men behan­delt er in sei­nen bereits zahl­reich erschie­ne­nen Büchern, dar­un­ter „Im Auge des Wol­fes“ (Löcker Ver­lag), „Fick­schwein“, „Eng­li­scher Som­mer“, „Schelm“ oder „Taps der Kater“ (alle im Eigenverlag).

Ängste vor Leere, Ein­sam­keit und Inhaltslosigkeit
Im geson­der­ten Fokus ste­hen die The­men Inhalt und Zuflucht bzw. die Über­win­dung von Ängs­ten vor Leere, Ein­sam­keit und Inhalts­lo­sig­keit sowie die dar­aus resul­tie­ren­den und nöti­gen Auf­brü­che in neue Räume und Wel­ten. In den Mal­ar­bei­ten ent­ste­hen dann objekt­haft skiz­zierte Sze­nen, die sich einer exak­ten Deu­tung ent­zie­hen (möch­ten) und damit eine inten­sive Aus­ein­an­der­set­zung mit dem jewei­li­gen Werk aus­lö­sen. Ähn­li­ches gilt für sein lite­ra­ri­sches Werk und hier fügt sich nun auch sein neues Buch „Klimt, geht …“ ein.

Heid­eg­gers Geschichte von Klimt spielt sich im Som­mer ab. Es ist ein unge­wöhn­li­cher Som­mer, lang, heiß und schwül. Die­ser unge­wöhn­li­che Som­mer lässt den „Klimt der Ver­gan­gen­heit“ auf­er­ste­hen — und dann gibt es auch den ande­ren, den „Klimt der Gegen­wart. Beide sind eine Per­son, die Gren­zen sind flie­ßend, und beide sind nicht wirk­lich freie Künst­ler. „Sie unter­wer­fen sich, der Klimt von damals sei­ner Zeit, der Schön­heit, dem Ober­fläch­li­chen — und der moderne Klimt von heute dem Geschäft, dem Busi­ness“, so Heid­eg­ger zu sei­nem neuen Buch.

Wer war Klimt wirk­lich, und wel­che Kunst würde er heute machen als zen­trale Fragen
Auf einer ande­ren Ebene ist das neue Buch aber auch eine Lie­bes­ge­schichte. Klimt wird geliebt von Moni­que, aber er nimmt diese Liebe ein­fach nicht wahr und ben­ützt sie nur, als Modell und Part­ne­rin. Das Auge des Erzäh­lers bewegt sich bei­spiels­weise durch eine Straße, schwenkt nach oben und erblickt offene Fens­ter, die von fächeln­den, leich­ten Rol­los ver­deckt wer­den. Ein Ate­lier, auch hier eine Hitze, sie wird von einem Ven­ti­la­tor, der sich träge an der Decke dreht, umgerührt. 

Das Ate­lier hat weiße, hohe Wände an denen Bil­der hän­gen, Stühle, einen Tisch, die Staf­fe­lei — und ein gro­ßes Bett. „Dort liegt Klimt, nackt, im Däm­mer­schlaf mit geschlos­se­nen Augen. Er atmet hör­bar, seine Haut glänzt, ein fei­ner Schweiß­film bedeckt sei­nen mus­ku­lö­sen Kör­per“, so ein Aus­zug aus dem Buch. Wer ist, wer war Klimt wirk­lich ? Wel­che Art von Kunst würde er in die­sen Zei­ten machen ? Diese Fra­gen auf­spü­ren und nach­spü­ren, auch davon han­delt diese Geschichte. „Klimt, geht …“ ist im Ver­lag Biblio­thek der Pro­vinz erschie­nen (ISBN : 978−3−99126−033−2 ; Euro 15,-) und im Buch­han­del erhältlich.

Autor: red/czaak
19.09.2022

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