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© OeAW_Daniel Hinterramskogler

„Eine Kata­stro­phe für Europa“

Gefähr­li­che Schwel­brände, Luft­be­haup­tun­gen der EZB, Zer­falls­sze­na­rien für Europa. Der Öko­nom Hans Wer­ner Sinn erläu­terte an der Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten das aktu­elle Infla­ti­ons­ge­sche­hen und sparte dabei nicht mit Kri­tik an der EZB. 

Hans Wer­ner Sinn, deut­scher Wirt­schafts­wis­sen­schaft­ler, bis 2016 Prä­si­dent des ifo Insti­tuts für Wirt­schafts­for­schung in Mün­chen (D) und einer der weni­gen deutsch­spra­chi­gen Fel­lows des Natio­nal Bureau of Eco­no­mic Rese­arch in Cam­bridge (US) ist Mit­glied der Öster­rei­chi­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten (OeAW) im Aus­land. Der renom­mierte Öko­nom hielt letzte Woche an der Aka­de­mie eine Vor­le­sung mit dem Titel “Die neue Infla­tion”. Im Inter­view mit der OeAW erklärt der Öko­nom, warum Infla­tion wie­der ein Thema ist, und was pas­siert, wenn man sie zu lange igno­riert. Eco­nomy bringt Aus­züge dar­aus und publi­ziert den Link zum voll­stän­di­gen Interview.

Die Ver­knap­pung von Vor­pro­duk­ten für die Industrieproduktion
Die stei­gende Infla­tion ist der­zeit in vie­len Berei­chen für Men­schen wie Unter­neh­men spür­bar. Allein letz­ten Jän­ner stie­gen die Ver­brau­cher­preise in Öster­reich um über fünf Pro­zent gegen­über dem Vor­jah­res­mo­nat und das bedeu­tet einen neuen Höchst­stand der Teue­rungs­rate. Gefragt zu den Ursa­chen sieht Hans-Wer­ner Sinn im Gespräch mit der OeAW ins­be­son­dere „die Ver­knap­pung von Vor­pro­duk­ten für die Indus­trie­pro­duk­tion“ und nennt als Bei­spiel „Mikro­chips, die wegen der Pan­de­mie und damit gekop­pel­ten Ver­wer­fun­gen der Lie­fer­ket­ten feh­len“ sowie eine „gene­rell zu hohe Nach­frage im Sys­tem, wäh­rend das Ange­bot nied­rig ist.“

Ver­fehlte Wirt­schafts­po­li­tik von natio­na­len Haus­hal­ten und Banken
Auf die Frage zur Geld­po­li­tik der Natio­nal­ban­ken kri­ti­siert Sinn, dass „diese Geld­sprit­zen in natio­nale Haus­halte und Ban­ken geflos­sen sind, die das Geld auf die hohe Kante leg­ten, anstatt es aus­zu­ge­ben oder als Kre­dite zu ver­tei­len.“ Und expli­zit die Euro­päi­sche Zen­tral­bank (EZB) betref­fend : „Die EZB sträubt sich mas­siv gegen Zins­an­he­bun­gen und beschützt damit über­schul­dete Län­der der Euro­zone, die zuvor durch diese Geld­po­li­tik dazu ermun­tert wur­den und jetzt die Droge bil­li­ges Geld nicht ein­fach abset­zen können.“

Das Bei­spiel der ange­kün­dig­ten Zins­er­hö­hun­gen der US-Fed
Gefragt nach Alter­na­ti­ven für die EZB nennt Sinn das Bei­spiel der ange­kün­dig­ten Zins­er­hö­hun­gen der US-Fed und for­dert zudem einen Abbau der Zen­tral­bank­bi­lan­zen mit einer ent­spre­chen­den Reduk­tion der Geld­men­gen. An den EZB-Aus­sa­gen zur wei­te­ren Ent­wick­lung der Infla­tion mit unter zwei Pro­zent zwi­schen 2022 und 2024 übt Sinn deut­li­che Kri­tik : „Das ist ledig­lich eine Behaup­tung, die aus der Luft gegrif­fen ist.“ Er for­dert von der EZB einen an die Infla­ti­ons­rate ange­pass­ten Zins­satz. „Infla­tion ist wie ein Feuer. Das muss man sofort aus­tre­ten, sonst brennt es bald lich­ter­loh“, so der Top-Öko­nom im OeAW-Gespräch.

EZB muss die Geld­men­gen ver­knap­pen und die Zin­sen anheben
Im wei­te­ren Ver­lauf des Inter­views geht Hans-Wer­ner Sinn auf aktu­elle und künf­tige gesell­schafts­po­li­ti­sche Ent­wick­lun­gen ebenso ein wie auf geo­po­li­ti­sche Her­aus­for­de­run­gen oder auf wirt­schafts- und arbeits­markt­po­li­ti­sche Ursa­chen für die Infla­tion. Sinn erläu­tert dabei auch his­to­ri­sche Ereig­nisse wie den mit der dama­li­gen Infla­tion ein­her­ge­hen­den Auf­stieg Hit­lers. Auch die ambi­va­lente Situa­tion von Spa­rern und Kre­dit­neh­mern ist Thema sowie die wei­tere Ent­wick­lung der Infla­tion. Final ortet Hans-Wer­ner Sinn eine mög­li­che Gefähr­dung des Euros und der Euro­päi­schen Ein­heit. Aber : „Wir müs­sen das nicht hin­neh­men – die EZB kann und muss die Geld­men­gen ver­knap­pen und die Zin­sen anhe­ben“, resü­miert der Öko­nom im Gespräch mit der Öster­rei­chi­schen Aka­de­mie der Wissenschaften.

Autor: red/czaak
15.03.2022

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