
„Eine Phase der fragilen Stabilisierung“
Im heimischen Mittelstand hat sich die Stimmung etwas erholt. Eine nachhaltige konjunkturelle Trendwende bleibt vorab weiter aus. Nahostkonflikt und steigende Energiepreise und generelle Inflationsängste begründen die Unsicherheit, so eine aktuelle Umfrage von Creditreform.
Das Geschäftsklima der heimischen KMU bessert sich, bleibt aber weiter negativ, insgesamt bleibt die Stimmung verhalten. Jedes fünfte Unternehmen rechnet mit Rückgängen bei den Aufträgen. Eine schlechte Ertragslage führt zu sinkenden Eigenkapitalquoten und immer weniger Investitionen. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Umfrage von Creditreform unter rund 1.400 mittelständischen Unternehmen in Österreich.
Situation bei Aufträgen und Umsätzen
„Die österreichische Wirtschaft befindet sich in einer Phase der fragilen Stabilisierung. Zwar sind erste Erholungszeichen erkennbar, doch dominiert weiterhin die Unsicherheit – insbesondere aufgrund des Nahostkonflikts und steigender Energiepreise“, sagt Gerhard Weinhofer, Geschäftsführer vom Österreichischen Verband Creditreform. „Die erhoffte konjunkturelle Trendwende lässt weiter auf sich warten, die aktuelle Geschäftslage wird weiterhin überwiegend negativ beurteilt“, so Weinhofer.
Ein relevanter Faktor für Betriebe ist die Auftragslage und diese war in den vergangenen Monaten erneut von Rückgängen geprägt. Über 35 Prozent der befragten Unternehmen verzeichneten sinkende Auftragsbestände und lediglich 14 Prozent meldeten Zuwächse. Auch die Umsatzentwicklung leidet weiterhin unter den Folgen der Rezession. Nur 15 Prozent der Unternehmen berichteten von steigenden Umsätzen, ein historisch niedriger Wert. Und parallel verzeichnen über 36 Prozent der Betriebe Umsatzrückgänge.
Die Entwicklung der Preise
Bei den Preisen soll die Dynamik in den kommenden Monaten zunehmen. 22 Prozent der mittelständischen Unternehmen planen Erhöhungen, etwas über neun Prozent planen hingegen Preissenkungen. Die Inflationsrate dürfte laut Creditreform aufgrund gestiegener Rohstoffkosten erneut über der Zielmarke der Europäischen Zentralbank (EZB) von rund zwei Prozent liegen.
Steigende Preise zeichnen sich vor allem im Bauwesen ab. Knapp 30 Prozent der befragten Bauunternehmen planen Preiserhöhungen – fast doppelt so viele wie im Vorjahr. Auch im Handel werden Preiserhöhungen erwartet. Hier beabsichtigen über 27 Prozent der befragten Unternehmen ihre Preise anzuheben. Weniger stark steigen dürften die Angebotspreise im Verarbeitenden Gewerbe.
Weiter große Zurückhaltung bei Neueinstellungen
Eine ambivalente Situation zeigt sich bei den Personalplanungen. Über 13 Prozent der Unternehmen planen einen Personalaufbau, gleichzeitig beabsichtigen über 16 Prozent einen Stellenabbau. Knapp über 29 Prozent der Unternehmen meldeten einen Rückgang der Beschäftigtenzahl, während nur rund jedes zehnte Unternehmen zusätzliche Stellen schuf. „Die verhaltenen Konjunkturaussichten bleiben ein wesentliches Hemmnis für eine stärkere Personalnachfrage. Viele Unternehmen agieren bei Neueinstellungen weiter sehr zurückhaltend“, so Gerhard Weinhofer von Creditreform.
Beim Thema Investitionen verhalten sich die Betriebe angesichts unsicherer Rahmenbedingungen und erschwerter Finanzierungsbedingungen abwartend. Nur knapp 31 Prozent der befragten Betriebe planen Investitionen – deutlich weniger als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre und der zweitschlechteste Wert seit 1996. Zwei Drittel davon planen aber nur Ersatzinvestitionen. Besonders im Bauwesen seien die Investitionsabsichten stark zurückgegangen.
Das relevante Thema Eigenkapital
Eine wichtige Größe in und für Unternehmen ist die Eigenkapitalsituation und diese hat sich im Mittelstand zuletzt weiter verschlechtert. Schwache Erträge bremsen den Kapitalaufbau, während Verluste teilweise durch Eigenkapital gedeckt werden müssen. Der Anteil eigenkapitalschwacher Unternehmen ist dadurch gestiegen : Über 20 Prozent verfügen über eine Eigenkapitalquote von höchstens 10 Prozent. Gleichzeitig weisen nur noch knapp 41 Prozent der Unternehmen eine Eigenkapitalquote von über 30 Prozent auf.
„Sinkende Eigenkapitalquoten schwächen die wirtschaftliche Substanz der Unternehmen und Liquiditätsengpässe müssen zunehmend über Fremdfinanzierung ausgeglichen werden“, erläutert Weinhofer. Bei standortpolitischen Maßnahmen nennen fast 80 Prozent der Betriebe den Bürokratieabbau. Dahinter folgen mit über 64 Prozent die Energiekosten und für fast 60 Prozent der Fachkräftemangel. Auch die Bedeutung der Inflation hat zugenommen : fast 57 Prozent der Unternehmen sehen sie als zentrales Problem und fordern mehr Engagement der Wirtschaftspolitik. (red/czaak)