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Ein­spa­rung auf Kos­ten der Anonymität

Der hei­mi­sche Ver­si­che­rungs­riese Uniqa will für Auto­fah­rer, die nur wenig mit ihrem Fahr­zeug unter­wegs sind und dabei auch weni­ger unfall­träch­tige Stra­ßen benut­zen, eine spe­zi­elle, wesent­lich güns­ti­gere Ver­si­che­rung auf den Markt bringen.

Hier sind Erspar­nisse von bis zu 30 Pro­zent vor­stell­bar. Uniqa selbst geht von Ein­spa­run­gen im zwei­stel­li­gen Pro­zent­be­reich aus, nennt aber keine kon­kre­ten Zah­len. Wer­muts­trop­fen für poten­zi­elle Kun­den : Auto­fah­rer, die sich für die­ses Ver­si­che­rungs­pro­jekt ent­schei­den, wer­den dadurch kom­plett glä­sern : Durch die im Auto ein­ge­baute Daten­box kann das betref­fende Fahr­zeug genau loka­li­siert wer­den. Und ohne diese Daten ist die prä­zise Abrech­nung nicht mög­lich. Sie erfolgt über die schwarze Box in der Größe eines Modems, die die Daten über Satel­li­ten mit­tels GPS über­mit­telt. Die Mehr­kos­ten für die Dox schätzt Uniqa auf 100 Euro, die sich aber auf vier bis fünf Jahre ver­tei­len wür­den. Mes­sen lässt sich die Auto­nut­zung durch die Kom­bi­na­tion von Satel­li­ten­na­vi­ga­tion, Handy und IT. Dane­ben soll die Daten­box auch als Not­fall-Sys­tem sowie als Dieb­stahl-Wie­der­auffi ndung fun­gie­ren. Tech­ni­scher Part­ner beim Pro­jekt ist der Com­pu­ter­kon­zern IBM.

Sor­gen um Datenschutz
Aller­dings, räumt man bei der Ver­si­che­rung ein, gebe es bei den befrag­ten Kun­den Daten­schutz- Vor­be­halte. „Jeder Dritte sagt, dass er ein Pro­blem mit dem glä­ser­nen Auto habe, was ihn davon abhal­ten würde, auf das vor dem Roll-out ste­hende Pro­dukt umzu­stei­gen“, sagt Andreas Kößl, Uniqa-Bereichs­lei­ter Kfz-Ver­si­che­run­gen. Unge­ach­tet des­sen sei eines klar : Ein sol­ches Ver­si­che­rungs­pro­dukt sei tech­nisch mach­bar, ver­weist er auf einen Lang­zeit­test. In weni­gen Wochen wird Uniqa höchst­wahr­schein­lich mit einer Erpro­bung bei meh­re­ren hun­dert Test­fah­rern begin­nen. „Wir reden schon mit Koope­ra­ti­ons­part­nern und auch schon mit Lie­fe­ran­ten“, sagt Kößl. Den­noch kann er nicht aus­schlie­ßen, dass der Vor­stand das Pro­jekt doch noch stoppt. Das Inter­esse und damit die Akzep­tanz der Kun­den sei sehr hoch, sagt Kößl unter Beru­fung auf eine Befra­gung der Uniqa-Ver­si­che­rungs­kun­den. Er schätzt das Poten­zial für das in der Pipe­line befi ndli­che neue Ver­si­che­rungs­pro­dukt auf 200.000 bis 250.000 hei­mi­sche Auto­fah­rer. Beson­ders Zweit­wa­gen­be­sit­zer hofft man, anwer­ben zu kön­nen. „Das sind oft teu­rere Autos, bei denen auch eine höhere Prä­mie fäl­lig wird, die aber viele Monate in der Garage ste­hen“, sagt Kößl im Gespräch mit eco­nomy. Bei Zweit­wa­gen liege die durch­schnitt­li­che Fahr­leis­tung zwi­schen 3.000 und 4.000 Kilo­me­tern, im Öster­reich­schnitt sind es 13.500 Kilo­me­ter pro Jahr. Die Höhe des Uniqa- Wenig­fah­rer­ta­rifs hängt von der gefah­re­nen Stre­cke ab und davon, wie viele Kilo­me­ter man zu wel­cher Tages­zeit auf wel­cher Straße zurück­legt. Grund­lage für die Preis­ge­stal­tung sind Unfall­sta­tis­ti­ken, aus denen sich laut Uniqa ergibt, dass auf der Auto­bahn gefah­rene Kilo­me­ter siche­rer sind als jene auf Land­stra­ßen. Das größte Unfall­ri­siko bestehe im Orts­ge­biet, ebenso sei es in der Nacht signifi kant höher als am Tag. Das heißt : Am bil­ligs­ten käme das neue Pro­dukt für jene, die zwar tags­ü­ber, aber außer­halb der Stoß­zeit auf den High­ways unter­wegs sind. Ziem­lich klar ist schon, wie die Rech­nung aus­schauen dürfte : Die Auto­len­ker bekom­men eine monat­li­che Abrech­nung : Neben einer Grund­ge­bühr zah­len die Ver­si­cher­ten ähn­lich wie bei ihrem Mobil­te­le­fon nach Kilo­me­tern, Straße und Tages­zeit unter­schied­lich gestaf­felte Tarife. Nor­wich Union, das größte Ver­si­che­rungs­un­ter­neh­men in Groß­bri­tan­nien, bie­tet seit 2005 das kos­ten­güns­tige Pro­dukt „Pay as you drive“ an : Die Tarife hän­gen davon ab, wie viele Kilo­me­ter man zu wel­cher Tages­zeit auf wel­chen Stra­ßen zurück­legt. In Ita­lien sind laut Uniqa neun Ver­si­che­rer mit ähn­li­chen Pro­duk­ten durchgestartet. 

Aus­ge­wähl­ter Arti­kel aus Print­aus­gabe 03/2006

Autor: Clemens Rosenkranz
Economy Ausgabe: 03-02-2006
23.02.2017

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