Zum Inhalt
© Pixabay_jwvein

Ener­gie­preis­schock belas­tet Konjunktur

Deut­sche Wirt­schafts­for­schungs­in­sti­tute erwar­ten durch Iran-Kon­flikt Reduk­tion der zuvor pro­gnos­ti­zier­ten Erho­lung der Kon­junk­tur. Brut­to­in­lands­pro­dukt soll heuer nur mode­rat stei­gen. Stär­ker stei­gen soll die Infla­tion in Deutschland.

Füh­rende deut­sche Wirt­schafts­for­schungs­in­sti­tute sehen die dor­tige Kon­junk­tur nach einem mehr­jäh­ri­gen Abschwung zwar in einer Erho­lungs­phase, erwar­ten aber für 2026 nur mehr eine mode­rate Zunahme des Brut­to­in­lands­pro­dukts (BIP). Die aktu­elle Vor­her­sage geht für heuer von 0,6 Pro­zent aus und für 2027 von 0,9 Prozent. 

Expan­sive deut­sche Finanz­po­li­tik soll aus­glei­chend für Impulse sorgen

„Der Ener­gie­preis­schock im Zuge des Iran-Krie­ges trifft die Erho­lung hart, gleich­zei­tig stützt aber die expan­sive Fis­kal­po­li­tik die Bin­nen­wirt­schaft und ver­hin­dert ein stär­ke­res Abrut­schen“, sagt Timo Woll­mers­häu­ser, Kon­junk­tur­chef des Münch­ner ifo Insti­tuts. Die Infla­ti­ons­rate wird nach Ein­schät­zung der Insti­tute im Jahr 2026 auf durch­schnitt­lich 2,8 Pro­zent anstei­gen, im Jahr 2027 auf 2,9 Pro­zent.

Wäh­rend die gestie­gene Infla­tion den pri­va­ten Kon­sum dämpft, soll die expan­sive deut­sche Finanz­po­li­tik für Impulse sor­gen. Die kräf­tige Aus­wei­tung der Neu­ver­schul­dung für Ver­tei­di­gung, Infra­struk­tur und Kli­ma­schutz stützt ins­be­son­dere Unter­neh­men der Ver­tei­di­gungs­in­dus­trie und des Tief­baus. Ins­ge­samt ent­wi­ckelt sich die Indus­trie den­noch wenig dyna­misch, da deren Aus­lands­ge­schäfte ange­sichts wei­ter abneh­men­der Wett­be­werbs­fä­hig­keit, hoher geo­po­li­ti­scher Unsi­cher­heit und fort­be­stehen­der han­dels­po­li­ti­scher Belas­tun­gen kaum zunehmen. 

Mehr Arbeits­leis­tung von älte­ren Arbeit­neh­mern mit unter­durch­schnitt­li­cher Wochen­ar­beits­zeit

Mit­tel­fris­tig rech­nen die Insti­tute damit, dass das Wachs­tum des Pro­duk­ti­ons­po­ten­zi­als in Deutsch­land von der­zeit 0,2 Pro­zent bis zum Ende des Jahr­zehnts voll­stän­dig zum Erlie­gen kommt. Neben dem demo­gra­fie­be­ding­ten Rück­gang der Bevöl­ke­rung im erwerbs­fä­hi­gen Alter, trägt dazu nach Ein­schät­zung der Insti­tute die sin­kende Arbeits­zeit je Erwerbs­tä­ti­gen bei. Dies liege vor allem daran, dass die Arbeits­leis­tung mehr und mehr von älte­ren Arbeit­neh­mern erbracht wird, die eine unter­durch­schnitt­li­che Wochen­ar­beits­zeit haben.

Diese struk­tu­rel­len Ver­än­de­run­gen wer­den am Arbeits­markt durch kon­junk­tu­relle Fak­to­ren über­la­gert. Die Insti­tute erwar­ten einen leich­ten Rück­gang der Erwerbs­tä­tig­keit im Jahr 2026 um rund 100.000 Per­so­nen, gefolgt von einem Anstieg im Jahr 2027 um etwa 42.000 Per­so­nen. Die Arbeits­lo­sen­quote steigt im Jahr 2026 auf 6,4 Pro­zent, bevor sie im Fol­ge­jahr auf 6,2 Pro­zent zurückgeht.

Gestärkte Arbeits­an­reize und bes­sere Bedin­gun­gen für Inves­ti­tio­nen und Inno­va­tio­nen

Die mas­sive Neu­ver­schul­dung in Deutsch­land erhöht den Insti­tu­ten zufolge das Defi­zit der öffent­li­chen Haus­halte auf 3,7 Pro­zent des Brut­to­in­lands­pro­dukts (BIP) im Jahr 2026 und auf 4,2 Pro­zent im Jahr 2027. Damit steigt der Brut­to­schul­den­stand auf 67,2 Pro­zent des BIP. Die Insti­tute bewer­ten die­sen fis­ka­li­schen Schub als wich­ti­gen Kon­junk­tur­trei­ber. Sie wei­sen jedoch auf die lang­fris­ti­gen Risi­ken für die Sta­bi­li­tät der Staats­fi­nan­zen und die erheb­li­chen Kon­so­li­die­rungs­er­for­der­nisse zum Ende des Jahr­zehnts hin.

Im wei­te­ren Kon­text mit dem Thema staat­li­che (Gegen)Steuerungsmaßnahmen ange­sichts gestie­ge­ner Ener­gie­kos­ten spre­chen sich die Wirt­schafts­for­schungs­in­sti­tute gegen staat­li­che Ein­griffe aus, die kurz­fris­tig die Ener­gie­preise sen­ken. „Damit wür­den wich­tige Markt­si­gnale außer Kraft gesetzt wer­den“, so das ifo-Insti­tut in einer Aus­sendung. Die Öko­no­men plä­die­ren statt­des­sen für ziel­ge­rich­tete soziale Aus­gleichs­maß­nah­men. Nach Ansicht der Insti­tute ist eine Wachs­tums­po­li­tik nötig, die regu­la­to­risch bedingte Brem­sen für pri­vate öko­no­mi­sche Akti­vi­tät löst, um Poten­zi­al­re­ser­ven zu heben. „Hierzu soll­ten sowohl die Arbeits­an­reize gestärkt wie auch die Bedin­gun­gen für Inves­ti­tio­nen und Inno­va­tio­nen ver­bes­sert wer­den.“ (red/​czaak)

Autor: red/czaak
07.04.2026

Weitere aktuelle Artikel

Nach zwei Jah­ren Rezes­sion leichte Erho­lungs­ten­den­zen im vier­ten Quar­tal 2025. Umsatz und Exporte legen zu. Europa und Asien trei­ben Wachs­tum, US-Markt bricht ein. Aktu­elle Kri­sen wer­den posi­ti­ven Trend wie­der gefähr­den, so aktu­elle Erhe­bung von EY. Nach zwei Jah­ren Rezes­sion zeigte die öster­rei­chi­sche Indus­trie im vier­ten Quar­tal 2025 erst­mals wie­der leichte Erho­lungs­ten­den­zen. Getra­gen von Unter­neh­men des pro­du­zie­ren­den […]
Gewinn der größ­ten Auto­kon­zerne sinkt 2025 um fast 60 Pro­zent. Nur ein von 19 Unter­neh­men mit Gewinn­wachs­tum. Durch­schnitts­marge hal­biert sich auf unter drei Pro­zent. Zusätz­li­che Belas­tun­gen von fast 60 Mil­li­ar­den Euro durch Strategiefehler. Was als Zukunfts­wette begann, wird für viele Auto­kon­zerne zuneh­mend zur mil­li­ar­den­schwe­ren Belas­tung. Füh­rende Her­stel­ler kor­ri­gie­ren der­zeit rei­hen­weise ihre Elek­tro­stra­te­gien, mit erheb­li­chen Fol­gen […]
Rich­tige Rich­tung bei Treib­stoff-Preis­bremse — aber viel zu gering in Rela­tion zu den bis­he­ri­gen Mehr­ein­nah­men. Fräch­ter for­dern von Bun­des­re­gie­rung wei­tere Maß­nah­men gegen exor­bi­tante Stei­ge­rung bei Kos­ten für Ben­zin und Diesel. Öster­reichs Fräch­ter rufen laut nach einer Art Gewer­be­die­sel. Die jüngst von der Bun­des­re­gie­rung beschlos­sene Treib­stoff-Preis­bremse wird von der hei­mi­schen Trans­port­wirt­schaft als Schritt in die rich­tige Rich­tung bezeich­net, […]
Betriebe ste­hen bei Erwerb neuer IT-Geräte oft vor stra­te­gi­scher Ent­schei­dung. Hohe Ein­mal­in­ves­ti­tio­nen und lau­fen­der eige­ner Auf­wand ver­sus plan­bare Gebüh­ren, aktu­elle Tech­no­lo­gien und externe Ser­vicie­rung. Regio­nal Medien Aus­tria AG set­zen nun auf Kon­zept Apple-as-a-Ser­vice von CAN­COM a+d IT Solutions. Bei der Frage der tech­ni­schen Aus­stat­tung von Mit­ar­bei­ten­den ste­hen Unter­neh­men zuneh­mend vor einer grund­sätz­li­chen Ent­schei­dung : kau­fen oder […]
Paare im Home­of­fice bekom­men mehr Kin­der. Haus­halte mit Home­of­fice haben höhere Gebur­ten­rate als Haus­halte ohne Home­of­fice, so neue inter­na­tio­nale Stu­die von ifo Insti­tut und Uni­ver­si­tät Stanford. In Haus­hal­ten mit min­des­tens einem Tag Home­of­fice in der Woche liegt die Gebur­ten­rate im Durch­schnitt um 14 Pro­zent höher als in Haus­hal­ten ohne Home­of­fice. Das würde bedeu­ten, dass eine […]
magnifier
linkedin facebook pinterest youtube rss twitter instagram facebook-blank rss-blank linkedin-blank pinterest youtube twitter instagram