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Donnerstag, 11.12.2025 | 17:14

„Entre­pre­neur­ship ist entscheidend“

Inter­na­tio­nale Erfah­run­gen als Wie­ner Start-up-Unter­neh­men, die kapi­tal­in­ten­sive Phar­ma­bran­che und die Rolle von Ban­ken zwi­schen Risi­ko­ma­nage­ment und Casi­nos. Alex­an­der von Gabain, Mit­be­grün­der von Inter­cell, und Finanz­vor­stand Wer­ner Lan­tha­ler im Gespräch mit economy.

Die inter­na­tio­nale Phar­ma­bran­che befin­det sich in einem mas­si­ven Umbruch. Wenige Unter­neh­men beherr­schen den Markt. Extrem lange und kos­ten­in­ten­sive Pro­dukt­ent­wick­lun­gen stel­len für Neu­grün­dun­gen ein hohes Risiko dar. Das an der Uni­ver­si­tät Wien gegrün­dete Unter­neh­men Inter­cell ist die­sen Weg trotz­dem gegan­gen. Ein von Inter­cell ent­wi­ckel­ter Impf­stoff hat bereits die Markt­zu­las­sung, wei­tere befin­den sich in der kli­ni­schen Ent­wick­lung. Dar­un­ter einige soge­nannte Block­bus­ter wie Impf­stoffe gegen Kran­ken­haus­in­fek­tio­nen oder Reisedurchfall.

eco­nomy : Inter­cell (ICLL, Anm. d. Red.) wurde vor zehn Jah­ren als Spin-off der Uni Wien gegrün­det. Wie hat man sich die Ent­wick­lung eines for­schungs­in­ten­si­ven Unter­neh­mens wie Inter­cell vor zu stellen ?
Alex­an­der von Gabain : Erlau­ben Sie mir vorab ein State­ment zum Thema Entre­pre­neur­ship. Gerade in Kri­sen­zei­ten. In Europa und in Öster­reich spricht kei­ner davon. Der neue US-Prä­si­dent Obama hat das Wort in sei­ner Antritts­rede fünf­mal ver­wen­det. Im Falle von ICLL haben ein Pro­fes­sor und vier andere Mit­grün­der vor zehn Jah­ren ihre siche­ren Stel­len an der Uni Wien ver­las­sen. Wir sind initia­tiv gewor­den. An sol­chen Initia­ti­ven man­gelt es in Öster­reich und in Europa. 

Wer­ner Lan­tha­ler : Die Finan­zie­rung von ICLL ist in meh­re­ren Finan­zie­rungs­run­den erfolgt. Die wich­tigs­ten Mei­len­steine waren hier die pri­vate Runde zum Start, unser Bör­sen­gang 2005 und eine zweite pri­vate Runde 2006. Die dar­aus lukrier­ten rund 300 Mio. Euro haben aus­ge­reicht um ein Pro­dukt zu ent­wi­ckeln. Unser Prin­zip hier war und ist : Finan­zie­rung par­al­lel zur Pro­dukt­ent­wick­lung durch­zu­füh­ren. Jeder Inves­tor muss sehen, man inves­tiert in ein Unter­neh­men, das bei der nächs­ten Finan­zie­rungs­runde ent­schei­dende Fort­schritte in der Ent­wick­lung geschafft hat.

War das am Anfang rein öster­rei­chi­sches Risikokapital ?
Wer­ner Lan­tha­ler : Nein. Nur als Bei­mi­schung gab es in Öster­reich anfangs ein aty­pi­sches Betei­li­gungs­mo­dell. Haupt­stoß­rich­tung ist hoch qua­li­fi­zier­tes inter­na­tio­na­les Health-Care-Ven­ture-Capi­tal. Es war für uns nie so wich­tig, wo die Geld­ge­ber her­kom­men, son­dern immer nur deren Qua­li­tät und Kennt­nis von Health­care-Mecha­nis­men. Man muss auch mit etwa­igen Rück­schlä­gen umge­hen kön­nen. Bei Pro­dukt­ent­wick­lun­gen von zehn Jah­ren ist das ein ganz wesent­li­cher Punkt.

Inter­cell ent­wi­ckelt schwer­punkt­mä­ßig neue Impf­stoffe, soge­nannte Smart Vac­ci­nes. Was ver­steht man darunter ?
Alex­an­der von Gabain : Alte Impf­stoffe waren oft unsta­bil, man musste Zusatz­stoffe ver­wen­den, die dann oft All­er­gien aus­ge­löst haben. In heu­ti­gen Impf­stof­fen ste­cken bis zu 30 Jah­ren For­schungs­ent­wick­lung, was sich dann ent­spre­chend auf die Qua­li­tät auswirkt.

Wie viel kos­tet die Ent­wick­lung eines Impf­stof­fes vom Start bis zum Einsatz ?
Wer­ner Lan­tha­ler : Abhän­gig vom Umfang der ein­zel­nen Test- und Anwen­dungs­pha­sen zwi­schen 150 Mio. und einer Mrd. Euro.

Kön­nen Sie uns kurz die Pha­sen in der Ent­wick­lung eines Impf­stof­fes beschrei­ben und wie lange es dau­ert, bis ein Impf­stoff ein­ge­setzt wird ?
Alex­an­der von Gabain : Von der ers­ten aka­de­mi­schen Idee im Labor bis zur Zulas­sung ver­ge­hen rund zehn Jahre, manch­mal noch mehr. Erst kommt das Tier­mo­dell, dann kommt die kli­ni­sche Phase eins, wo die Sicher­heit im Vor­der­grund steht, dann die Phase zwei, wo die Effek­ti­vi­tät geprüft wird, dann Phase drei, wo der Test mit 5000 bis 20.000 Appli­kan­ten erfolgt und ent­spre­chend die Sta­bi­li­tät im Vor­der­grund steht. Dann Phase vier, wo noch­mals alle Erfah­run­gen und Wir­kungs­wei­sen geprüft werden. 

Auf Ihrer Web­site sind in Summe zwölf Impf­pro­dukte ange­führt, dar­un­ter Pro­dukte gegen Japa­ni­sche Enze­pha­li­tis, Hepa­ti­tis C oder Tuber­ku­lose. Wie viele Men­schen brau­chen die­sen Impf­stoff bezie­hungs­weise wie groß sind die Märkte ?
Alex­an­der von Gabain : Unse­rer Ent­wick­lungs­wer­tig­keit nach kommt an ers­ter Stelle die Japa­ni­sche Enze­pha­li­tis für den Fer­nen Osten. Die­ses Virus ist mit der durch Zecken über­tra­ge­nen FSME „ver­wandt“, eine Hirn­haut­ent­zün­dung. Über­tra­gen wird das Virus über Gel­sen­sti­che. Gefähr­det sind die Bevöl­ke­run­gen in den ende­mi­schen Gebie­ten Süd­ost­asi­ens und Rei­sende. Als Nächs­tes stel­len die hos­pi­tal­ak­qui­rier­ten Keime ein mas­si­ves Pro­blem dar. Lange glaubte man an die Lösung mit Anti­bio­tika. In Wirk­lich­keit sind diese Keime aber gegen fast alle Anti­bio­tika resis­tent. Die Wahr­schein­lich­keit, sich in einem gro­ßen Kran­ken­haus zu infi­zie­ren, liegt bei drei bis sechs Pro­zent. Mit unse­rem Part­ner Merck arbei­ten wir hier an einem Impf­stoff und befin­den uns aktu­ell in Phase zwei. Wir tes­ten den Impf­stoff bei Men­schen, die wis­sen, dass sie ope­riert wer­den, und imp­fen sie rund zwei Wochen vor ihrer sta­tio­nä­ren Auf­nahme. Kom­men wir zu Hepa­ti­tis C : Seit der Grün­dung beschäf­ti­gen wir uns mit der Ent­wick­lung, und jetzt zei­gen sich end­lich erste Erfolge. Im Gegen­satz zur gän­gi­gen Inter­fe­ron-Riba­vi­rin-Behand­lung ohne Neben­wir­kun­gen. Wir glau­ben, dass sich unser Pro­dukt noch wei­ter ver­bes­sern lässt, und sind der­zeit auf Suche nach einem Part­ner, der bereits in der Hepa­ti­tis C‑Arena unter­wegs ist. Die Tuber­ku­lose wie­derum ist ein gutes Bei­spiel für ein Feld, wo kei­nes­falls das große Geschäft zu erwar­ten ist. Hier arbei­ten wir unter ande­rem mit Stif­tun­gen zusam­men. Wir tun Gutes für die Men­schen, kön­nen zumin­dest unsere Ent­wick­lungs­kos­ten refi­nan­zie­ren und unsere neuen Tech­no­lo­gien erproben.

Sie haben kürz­lich einen exklu­si­ven Ver­triebs­ver­trag für den Impf­stoff gegen Japa­ni­sche Enze­pha­li­tis unter­zeich­net. Warum exklusiv ? 
Wer­ner Lan­tha­ler : Nov­ar­tis ist hier unser exklu­si­ver Ver­triebs­part­ner. Welt­weit für Europa, Japan, die USA, Süd­ko­rea und Teile von Süd­ost­asien. Wir pro­du­zie­ren, geben Nov­ar­tis das fer­tig ver­packte Pro­dukt, und die ver­kau­fen es. Hier zeigt sich eine Stärke von ICLL : Wir haben die kom­plette Wert­schöp­fungs­kette geschafft. Von der Pro­dukt­ent­wick­lung bis hin zum Ver­trieb auf dem Markt.

Wel­che Mei­len­steine gilt es bei so einem Markt­ein­tritt zu beachten ?
Wer­ner Lan­tha­ler : Du hast nur eine Chance. Das gilt für Impf­stoffe genauso wie für Com­pu­ter. In die­sem Fall war die Fest­le­gung des Prei­ses immens wich­tig. Es gibt kei­nen ande­ren Impf­stoff, und der Krank­heits­ver­lauf kann dra­ma­tisch sein. Das wird also ein hoch­prei­si­ger Impf­stoff werden. 

Es gibt unter­schied­li­che Preise in den Märkten ?
Wer­ner Lan­tha­ler : Ja. Es gibt unter­schied­li­che Preise in Europa, Aus­tra­lien und Indien. Ver­bo­ten ist aber ein soge­nann­tes Cross Bor­der Sel­ling. Das heißt, ich kann einen Impf­stoff, der in Aus­tra­lien zuge­las­sen ist, nicht in Europa ver­kau­fen, oder umgekehrt.

Aber könnte dann nicht Aus­tra­lien sagen : Warum ist der Impf­stoff in Europa billiger ?
Wer­ner Lan­tha­ler Nein, denn diese Rege­lung gilt für alle Impf­stoffe. Das hängt mit den unter­schied­li­chen Gesund­heits- und Ver­si­che­rungs­sys­te­men zusam­men. Es hängt aber auch mit der Bereit­schaft zusam­men, sich imp­fen zu las­sen. In Skan­di­na­vien gibt es eine hohe Bereit­schaft zur Imp­fung, in Öster­reich eine geringe. Es gibt unter­schied­li­che Affi­ni­tä­ten und daher auch unter­schied­li­che Preissysteme.

Für die Imp­fung gegen Japa­ni­sche Enze­pha­li­tis gibt es seit Kur­zem eine Zulas­sung in Aus­tra­lien. EU und USA schei­nen auf dem Weg dazu zu sein. Was bedeu­tet das für ICLL ?
Alex­an­der von Gabain : Ers­tens : Es ist unser Show-Case. Es zeigt, dass wir alle Pro­zesse von der Ent­wick­lung über alle kli­ni­schen Pha­sen bis hin zum Markt­ein­tritt abar­bei­ten kön­nen. Und zwei­tens : die Glaub­wür­dig­keit, dass alle nach­fol­gen­den Pro­dukte die glei­che Chance haben, erfolg­reich zu werden.

ICLL notiert seit 2005 an der Wie­ner Börse. Wie geht es Ihnen in der momen­ta­nen Börsensituation ?
Wer­ner Lan­tha­ler : Gut. Wir haben mit Wien einen Bör­sen­platz, der funk­tio­niert, und wir haben inter­na­tio­nale Inves­to­ren, die unser Geschäfts­mo­dell schät­zen. Für uns gilt : Wir haben ICLL zum rich­ti­gen Zeit­punkt aus­fi­nan­ziert und kön­nen zum rich­ti­gen Zeit­punkt ein gutes Pro­dukt vor­zei­gen. Selbst wenn sich die Bör­sen­stim­mung noch wei­ter ver­schlech­tert, haben wir genug Geld, um das Unter­neh­men wei­ter nach vorne trei­ben zu kön­nen. Und wenn alles gut geht, dann ist eine Ent­wick­lung signi­fi­kant nach oben mög­lich. Wir haben auf der Bank rund 200 Mio. Euro Cash. Die­ses Kapi­tal haben wir vor eini­gen Jah­ren aus rei­ner Risiko-Denke auf­ge­baut. Wir waren von Anfang an davon über­zeugt – wenn doch ein­mal was schief geht, darf sich das nicht nega­tiv auf das Unter­neh­men und seine Aktio­näre aus­wir­ken. Diese Sicht­weise unter­stützt auch die Frei­heit der For­schung. Wir kön­nen uns Expe­ri­mente erlau­ben – die natür­lich auch schief­ge­hen kön­nen bezie­hungs­weise müs­sen. Sonst wird ja nicht gearbeitet.

Trotz­dem : Warum ist ICLL nicht auch an einer gro­ßen inter­na­tio­na­len Börse gelistet ?
Wer­ner Lan­tha­ler : Im Gegen­teil. Als wir letz­tes Jahr Iomai gekauft haben, haben wir das Unter­neh­men von der Nasdaq genom­men. Ein­fach weil wir sagen : Schaut nicht auf unse­ren Lis­ting-Platz, son­dern schaut, was wir tun. Es kann aber sein, dass wir irgend­wann ein­mal auch woan­ders notieren.

Gibt es auch für 2009 Akquisitionspläne ?

Wer­ner Lan­tha­ler : Wir schlie­ßen Akqui­si­tio­nen nie aus. Alles, was für das Wachs­tum des Unter­neh­mens opti­mal ist, machen wir. Man muss aber auch die Rea­li­tä­ten in unse­rer Indus­trie sehen, wo es nicht mehr viel zu kau­fen gibt. Die­ser Sek­tor hat sich in den letz­ten zehn Jah­ren sehr konsolidiert.

Das gilt weltweit.

Wer­ner Lan­tha­ler : Rich­tig. Nov­ar­tis, Sanofi, Bax­ter, Merck, Glaxo Smith Cline haben 92 Pro­zent Markt­an­teil. Dane­ben gibt es noch zwei mit­tel­große Unter­neh­men, die nicht Teil einer gro­ßen Phar­ma­firma sind : Crucell in Hol­land und eben ICLL in Österreich.

Wel­che Aus­wir­kun­gen hat die Finanz­krise auf Biotech-Unternehmen ?

Wer­ner Lan­tha­ler : Die Bio­tech-Welt wird sich in zwei Lager tei­len. Lei­der nicht in die wis­sen­schaft­lich guten und schlech­ten, son­dern in die mit Geld und die ohne Geld. ICLL gehört zu denen mit Geld. Und hof­fent­lich auch zu denen mit der bes­ten Wis­sen­schaft. Grund­sätz­lich ist das aber auch eine ganz große Chance. Das Pro­blem ist, dass Inves­to­ren, Unter­neh­men und vor allem die betrof­fe­nen Mana­ger nicht wis­sen, wohin sie sich wen­den sol­len. Und Mana­ger, die Unter­neh­men in sol­che Situa­tio­nen gebracht haben, krie­gen ihre Firma da auch nicht mehr her­aus. Das gilt für alle Berei­che. Ins­be­son­dere für Ban­ken. Fri­sches Blut für neue Zei­ten ist angesagt.

Inter­cell arbei­tet mitt­ler­weile an drei Stand­or­ten : in Öster­reich, den USA und Schott­land. Warum gibt es nicht nur in Öster­reich einen gro­ßen For­schungs- und Ent­wick­lungs­stand­ort und dazu dann inter­na­tio­nale Vertriebsniederlassungen ?
Alex­an­der von Gabain : Wenn in der Bio­tech-Bran­che ein Stand­ort, ein Team oder Pro­zesse ein­mal gut eta­bliert sind, dann ver­sucht man diese auch dort zu las­sen. Neh­men wir Ame­rika : Wir haben die­sen Stand­ort im Vor­jahr gekauft. Die dor­ti­gen Kol­le­gen sind gut ein­ge­spielt, sie haben beste Kon­takte zu den Behör­den, und wie in Schott­land ist auch dort bereits eine Pro­duk­ti­ons­an­lage in Betrieb. Bei Ame­rika gibt es aber noch ein Extra-Argu­ment für den Stand­ort : Ame­rika ist und bleibt das Zen­trum der inter­na­tio­na­len Bio­tech-Indus­trie. Ein gutes Bio­tech-Unter­neh­men muss auch einen Stand­ort in den USA haben. Nicht zuletzt auch, um Zugang zu den dor­ti­gen For­schungs­mit­teln zu haben. Wenn ich die erhal­te­nen For­schungs­gel­der ver­glei­che, und zwar schon, bevor wir das ame­ri­ka­ni­sche Unter­neh­men Iomai gekauft hat­ten, haben wir aus Ame­rika im Ver­gleich zu Öster­reich ein Viel­fa­ches an For­schungs­gel­dern bekom­men. Des­halb, weil Öster­reich und Europa nur sehr zöger­lich Phase-eins-und-zwei-Prü­fun­gen bezah­len. Das gilt hier schon als Pharma-Ent­wick­lung. Die Ame­ri­ka­ner hin­ge­gen erken­nen, dass es sich bei Phase-eins-und-zwei-Stu­dien bereits um gute kli­ni­sche For­schung han­delt, und bezah­len das entsprechend. 

Sie haben es als öster­rei­chi­sches Unter­neh­men auch geschafft, die ame­ri­ka­ni­schen Natio­nal Insti­tu­tes of Health (NIH, Anm. d. Red.) als Part­ner zu gewinnen.
Alex­an­der von Gabain : Da sind wir auch ganz stolz dar­auf. Das war bereits zu einem Zeit­punkt, wo wir noch keine Nie­der­las­sung in den USA hat­ten. Ent­täu­schend fand ich, dass das in der öster­rei­chi­schen Presse keine Reso­nanz gefun­den hat. Das ist eine große wis­sen­schaft­li­che Bestä­ti­gung, keine wirt­schaft­li­che. Part­ner­schaf­ten in Europa mit den NIH kann man an einer Hand abzäh­len. Das ist ein Gütesiegel. 

ICLL hat große Indus­trie­part­ner wie Nov­ar­tis oder Merck. Bedeu­tet das, dass ein Start-up im Phar­ma­be­reich nicht selbst­stän­dig über­le­ben kann und sich irgend­wann einen Pharma-Rie­sen an Bord holen muss ?
Alex­an­der von Gabain : Sol­che Part­ner­schaf­ten ent­ste­hen ein­mal durch vor­zeig­bare Leis­tun­gen in der Wis­sen­schaft. Uns war wich­tig, nicht nur von den Kapi­tal­märk­ten abhän­gig zu sein. Auch der Kauf von Iomai wäre ohne das Geld der Nov­ar­tis-Betei­li­gung nicht mög­lich gewe­sen. Aber auch Part­ner­schaf­ten ohne direkte Betei­li­gung sind wich­tig. Die aktu­el­len Pro­jekte mit Merck haben das Poten­zial, einen Block­bus­ter-Impf­stoff hervorzubringen.

Wel­che Kon­kur­ren­ten hat Intercell ?
Wer­ner Lan­tha­ler : Im Impf­stoff­ent­wick­lungs­markt nahezu keine. Wir sind nicht zuletzt des­halb bewusst in diese Seg­mente gegangen.

Sie beschäf­ti­gen rund 400 Mit­ar­bei­ter aus rund 30 Natio­nen. Wie und wo fin­den Sie Ihre Forscher ?
Alex­an­der von Gabain : Wir konn­ten ein so gutes Image auf­bauen, dass es mir oft leid tut, so vie­len guten Job­an­fra­gen absa­gen zu müs­sen. Ein Pro­blem aus mei­ner Sicht sind aber Par­teien wie BZÖ oder FPÖ. Die sind für Fir­men wie Inter­cell eine echte Bedro­hung. Ich werde immer wie­der im Aus­land dar­auf angesprochen.

Aus­län­der­feind­lich­keit ist das eine, aber die restrik­ti­ven Ein­wan­de­rungs­be­stim­mun­gen sind ein Punkt der han­deln­den Regierung.
Alex­an­der von Gabain : Ganz schreck­lich. Das ist ein ech­tes Pro­blem. Bei For­schungs­zen­tren ist es schon schwie­rig, aber bei Unter­neh­men kom­men dann auch noch Inter­es­sen­ver­tre­tun­gen wie Gewerk­schaft oder Kam­mer dazu. Wir tun uns mit nicht-euro­päi­schen Fach­kräf­ten sehr schwer. Wir kön­nen nicht alle als Spit­zen­kräfte dekla­rie­ren. Man darf nie über­se­hen, dass falsch ver­stan­de­ner Chau­vi­nis­mus und Abgren­zung den Stand­ort gefähr­den kön­nen. Wir haben mitt­ler­weile einen welt­wei­ten Wett­kampf um gute Köpfe.

Wie geht es Ihnen sonst am For­schungs­stand­ort Österreich ? 

Wer­ner Lan­tha­ler : Wir sind froh, dass unsere Zen­trale in Wien ist. Und wir hof­fen, dass Inno­va­tion hier wei­ter for­ciert wird. Das ist der ein­zige Weg, um einen Stand­ort zu sichern. Es führt zu nichts, wenn man ein Jahr sagt, For­schung sei wich­tig, und im Jahr drauf dann wie­der, For­schung sei nicht wich­tig. For­schung und Inno­va­tion sind ein lang­fris­ti­ges Unterfangen.

Alex­an­der von Gabain : Was die For­schungs­för­de­rung betrifft, gibt es viele Ein­rich­tun­gen. Aber ins­be­son­dere im Bio­tech-Bereich und was Finan­zie­run­gen für frühe kli­ni­sche Ent­wick­lun­gen betrifft, gibt es noch Poten­zial zur Ver­bes­se­rung. Wir bräuch­ten hier noch mehr Ver­ständ­nis für die Indus­trie. Und dann bin ich wie­der bei Entre­pre­neur­ship : Wenn es uns nicht gelingt, die gute Aus­bil­dung in Wert­schöp­fung umzu­wan­deln, bekom­men wir ein Pro­blem. Auch an den Unis. Dort gibt es Spit­zen­in­sti­tute, aber oft fehlt die Umset­zung. Wenn ich öster­rei­chi­schen Kol­le­gen rate, an eine Unter­neh­mens­grün­dung zu den­ken und mit einem Ven­ture-Fonds zu reden, höre ich immer wie­der : „Na, des kaun i net.“ Oder : „Des wüll i net.“

Was hal­ten Sie von der poli­tisch aus­ge­ge­be­nen Excel­lence-Stra­te­gie im Bereich der Forschung ?
Alex­an­der von Gabain : Die Grün­dung des Bio­cen­ters Vienna damals mit IMP, IMBA und Boeh­rin­ger Ingel­heim fand ich eine sehr gute Initia­tive. Dann ist noch die Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten dazu­ge­kom­men und Josef Pen­nin­ger (wis­sen­schaft­li­cher Lei­ter des IMBA, Anm. d. Red.) und das Gre­gor Men­del Insti­tut. Ohne über­trei­ben zu wol­len : Das ist eigent­lich eine Élite-Uni. Öster­reich hat sich in den letz­ten zehn Jah­ren in die rich­tige Rich­tung ent­wi­ckelt. Am Anfang, aus einem Nobel­preis-Land wie Schwe­den kom­mend, war ich unsi­cher. Heute sage ich : Ich habe es nicht bereut. Aller­dings bin ich der­zeit sehr, sehr besorgt. Wenn man jetzt nicht wei­ter auf For­schung und Inno­va­tion setzt, wäre das eine Katastrophe.

Sie spre­chen die enorme Kür­zung der For­schungs­bud­gets an.
Alex­an­der von Gabain : Rich­tig. Das ist eine echte Kata­stro­phe. Egal mit wem man spricht, die Aus­wir­kun­gen sind dramatisch.

Autor:
27.01.2009

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