
Entscheidend für Konkurrenzfähigkeit
Wettbewerbsrelevant. Digitalisierung gewinnt für Österreichs Mittelstand immer mehr an Bedeutung und verändert zunehmend ganze Wertschöpfungsketten. Einsatz von KI steigt sprunghaft an. Fehlendes Budget und Personal als Hürden, so neue Studie von EY.
Die digitale Transformation wird für Österreichs Mittelstand zunehmend zur entscheidenden Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit, Effizienz und Innovationskraft. Neue digitale Lösungen verändern dabei nicht nur einzelne Prozesse, sondern ganze Wertschöpfungsketten, Kundenanforderungen und Geschäftsmodelle. Themen wie Automatisierung, Cloud-Services, Datenanalyse und Künstliche Intelligenz (KI) rücken in den Mittelpunkt unternehmerischer Entscheidungen.
All diese Entwicklungen zeigen sich in der aktuellen Erhebung von EY, wo 82 (!) Prozent der befragten mittelständischen Unternehmen digitalen Technologien eine große Bedeutung für das eigene Geschäftsmodell beimessen. Im Vorjahr waren es noch zwei Drittel. 38 Prozent sehen sogar einen sehr großen Stellenwert, über doppelt so viele wie noch vor einem Jahr. Damit erreichen beide Werte ein Rekordniveau seit Beginn der Vergleichsdaten im Jahr 2016.
Je umsatzstärker das Unternehmen, desto größer die Bedeutung der Digitalisierung
Nach einzelnen Branchen betrachtet nehmen digitale Technologien einen unterschiedlichen Stellenwert ein : Die höchste Bedeutung haben sie für Finanzdienstleister (55 Prozent), gefolgt von Tourismus und Transport/Verkehr/Energie (43). An dritter Stelle liegt die Gesundheits‑, Life-Sciences-Branche mit 39 Prozent. Unter dem branchenübergreifenden Durchschnitt finden sich Handel & Konsumgüter (35), die Industrie (32), Immobilien und Baugewerbe (27) sowie Soziales/Wissenschaft/Bildung (26 Prozent).
Je umsatzstärker das Unternehmen, desto größer die Bedeutung der Digitalisierung. Große Unternehmen mit über 30 Millionen Euro Umsatz sehen zu 44 Prozent einen sehr hohen Stellenwert ; jene mit 10 bis 30 Millionen Euro Umsatz zu 38 Prozent. Unter den kleineren Betrieben mit weniger als 10 Millionen Euro Umsatz sagt nur mehr ein Drittel, dass digitale Technologien einen hohen Stellenwert für ihr Geschäftsmodell aufweisen.
Digitalisierung final im Kern der Unternehmenssteuerung angekommen
„Digitalisierung ist im Mittelstand endgültig im Kern der Unternehmenssteuerung angekommen. Die Rekordwerte zeigen, dass viele Unternehmen nicht mehr nur über Digitalisierung sprechen, sondern sie als zentralen Hebel für Effizienz und Innovation begreifen. Gleichzeitig steigt der Druck : Wer seine Digitalisierung nicht konsequent weiterentwickelt, riskiert langfristig Wettbewerbsnachteile“, so Susanne Zach, Leiterin Data & AI bei EY Österreich. Für die Studie wurden Angaben zufolge über 500 mittelständische Unternehmen mit 30 bis 2.000 Mitarbeitende in Österreich befragt.
Trotz wachsender Investitionsbereitschaft für Digitalisierung nennt ein Drittel der Unternehmen Faktoren, die verhindern, dass sie überhaupt oder stärker in die Digitalisierung investieren. Als zentrale Hürden werden dabei vor allem fehlendes Personal sowie begrenzte finanzielle Ressourcen genannt. Umgekehrt sehen zwei Drittel der Betriebe aktuell keine Investitionshemmnisse, die die Digitalisierung grundsätzlich einschränken.„Die Ergebnisse machen deutlich, dass es weniger an der Einsicht mangelt – sondern vielmehr an Umsetzungsressourcen. Gerade kleinere Betriebe benötigen Unterstützung bei der Priorisierung von Projekten, beim Zugang zu Talent und bei der Umsetzung über Partnernetzwerke“, so Christoph Mayer, Technology Alliance Lead bei EY.
Nutzung von KI als Schlüsseltechnologie nimmt stark zu
Ein besonders dynamisches Bild zeigt der Einsatz von Künstlicher Intelligenz : 43 Prozent der befragten Mittelständler nutzen bereits KI-Anwendungen im eigenen Unternehmen (2025 noch 26 Prozent). Weitere 12 Prozent planen ganz konkret, KI einzusetzen. Auffällig auch hier der deutliche Unterschied nach Unternehmensgröße : Bei Betrieben mit einem Jahresumsatz von mehr als 30 Mio. Euro liegt der Anteil bei 70 Prozent.
Eine interessante Entwicklung zeigt sich auch branchenbezogen : Der Bereich Soziales, Wissenschaft und Bildung liegt bei der Entwicklung einer Digitalstrategie zurück, beim KI-Einsatz ist er mit 56 Prozent jedoch Spitzenreiter. Auch bei den Investitionsprioritäten wird KI immer relevanter : Fast bei jedem fünften Betrieb liegt der aktuelle Investitionsfokus auf KI. 16 Prozent konzentrieren sich auf Data & Analytics, nur sechs Prozent auf Metaverse. Zwei von drei Unternehmen verfolgen derzeit keinen speziellen Investitionsfokus auf einzelne digitale Technologien.
Erwartung bei Personaleinsparungen durch KI bleibt stabil
Während KI in vielen Bereichen Effizienzgewinne ermöglicht, rechnen nicht alle Unternehmen mit einem direkten Einfluss auf Beschäftigung. 24 Prozent erwarten mittel- bis langfristig Personaleinsparungen durch den Einsatz von KI-Anwendungen – ein Wert, der gegenüber dem Vorjahr (26 Prozent) weitgehend stabil bleibt. Die Mehrheit (76 Prozent) geht hingegen davon aus, dass KI im eigenen Unternehmen nicht zu einem Personalabbau führen wird.
„Viele Unternehmen sehen KI weniger als Rationalisierungsinstrument, sondern vielmehr als Möglichkeit, Mitarbeitende zu entlasten und Produktivität zu steigern – gerade in Zeiten von Fachkräftemangel. Damit KI wirklich wirksam wird, braucht es aber klare Verantwortlichkeiten, saubere Daten und gezielte Weiterbildung“, so Mayer von EY.
Auch die Rahmenbedingungen am Standort Österreich werden etwas besser bewertet als im Vorjahr : 40 Prozent beurteilen die Bedingungen für Digitalisierung als gut. 51 Prozent sehen sie mittel, neun Prozent schlecht. Der Anteil der positiven Bewertungen ist damit gegenüber dem Vorjahr (33 Prozent) zwar gestiegen, liegt jedoch weiterhin deutlich unter dem Durchschnitt der letzten sieben Jahre (52 Prozent). Überdurchschnittlich positiv bewerten Unternehmen in Tirol (58 Prozent), Niederösterreich (46) und Wien (44) die Rahmenbedingungen, unterdurchschnittlich schneiden Burgenland (27), Oberösterreich (31) und Vorarlberg (32 Prozent) ab.
Steigender Bedarf an personellen Kompetenzen
Mit der zunehmenden Digitalisierung steigt auch der Bedarf an Kompetenzausbau. Den größten Schulungsbedarf sehen Unternehmen bei ihren Mitarbeitenden im Bereich Datensicherheit/Cybersecurity (29 Prozent), gefolgt von Prozessautomatisierung (20) und Digitale Tools (18 Prozent). Um diese Kompetenzlücken zu schließen, setzen viele Betriebe vor allem auf Fort- und Weiterbildungen : Fast vier von zehn Betrieben haben bereits umfassend geschult, 26 Prozent haben konkret vor, Trainings anzubieten.
Gleichzeitig hat jedes fünfte Unternehmen bereits kompetente Talente aufgebaut und weitere 26 Prozent planen mit Blick auf die kommenden ein bis zwei Jahre verstärkt Neueinstellungen mit digitalem Know-how, um die internen Kapazitäten und das Tempo der Umsetzung zu erhöhen. „Damit wird deutlich : Digitalisierung wird nicht nur als technologische, sondern zunehmend auch als organisatorische und personelle Transformationsaufgabe verstanden“, unterstreichen Susanne Zach und Christoph Mayer von EY. (red/czaak)