
Entscheidend ist die Fähigkeit, Vertrauen aufzubauen
Es gibt eine Führungslücke, die österreichische Unternehmen nicht länger ignorieren können. Ein Expertenkommentar von Allison Howell, CEO von Hogan Assessments.
Branchenübergreifend sind Unternehmen mit einem beispiellosen Ausmaß an Veränderungen konfrontiert. Wirtschaftliche Unsicherheit, der rasante technologische Wandel, veränderte Erwartungen der Beschäftigten und der zunehmende Einsatz von künstlicher Intelligenz definieren auch die Arbeitswelt neu. In diesem Umfeld ist gute Führung wichtiger denn je. Umso bedenklicher ist, dass neue Forschungsergebnisse darauf hindeuten, dass viele Unternehmen bei Auswahl und Beförderung von Führungskräften noch immer die falschen Eigenschaften belohnen.
Viele Unternehmen mit Unsicherheit konfrontiert
Bei Hogan Assessments haben wir deshalb genauer untersucht, was Beschäftigte von ihren Führungskräften erwarten und im Rahmen einer globalen Studie Beschäftigte in 25 Märkten zur Wahrnehmung von Führung befragt. In Österreich zeigt sich eine klare Botschaft: Beschäftigte legen besonders großen Wert auf Führungskräfte, die effektiv kommunizieren, fundierte Entscheidungen treffen, Verantwortung für ihr Handeln übernehmen und auch unter Druck Ruhe bewahren. Gerade angesichts der eingangs angeführten Veränderungen sind diese Ergebnisse besonders relevant.
Viele Unternehmen sind mit Unsicherheit konfrontiert und erwarten von ihren Beschäftigten, dass sie sich an neue Technologien, sich wandelnde Geschäftsmodelle und veränderte Arbeitsweisen anpassen. Bemerkenswert ist vor allem, dass sich diese Ergebnisse deutlich von den Eigenschaften unterscheiden, die Menschen häufig in Führungspositionen bringen: Selbstbewusstsein, Ehrgeiz und ein überzeugendes Auftreten. Diese Eigenschaften können durchaus wertvoll sein, sagen aber wenig darüber aus, ob jemand auch die Qualitäten mitbringt, die Beschäftigte von einer guten Führungskraft erwarten.
Vertrauen entsteht durch Führungskräfte mit Integrität und Verantwortung
Genau hier zeigt sich die Lücke zwischen den Eigenschaften, die Menschen in Führungspositionen bringen, und denen, die sich Beschäftigte von ihren Führungskräften tatsächlich wünschen. Für österreichische Unternehmen sollte diese Lücke Anlass sein, die eigenen Vorstellungen von guter Führung zu hinterfragen. Vertrauen gehört zu den wertvollsten Grundlagen eines Unternehmens. Beschäftigte sind engagierter, produktiver und stärker an ein Unternehmen gebunden, wenn sie ihren Führungskräften vertrauen.
Vertrauen entsteht, wenn Führungskräfte Integrität zeigen, Verantwortung übernehmen und verlässlich handeln. Die Folgen schlechter Führung zeigen sich aber nicht nur bei der Zufriedenheit der Beschäftigten, sondern können auch für das Unternehmen selbst erhebliche Konsequenzen haben. Studien zeigen immer wieder einen Zusammenhang zwischen schlechter Führung und geringerem Engagement, höherer Fluktuation, mehr Stress sowie einer schwächeren Unternehmensleistung. Führungskräfte, die klar kommunizieren und für psychologische Sicherheit sorgen, helfen ihren Teams dagegen, besser mit Unsicherheit umzugehen und auch langfristig gute Leistungen zu erbringen.
Unternehmen müssen auch ihre Führung weiterentwickeln
Mit dem zunehmenden Einsatz von KI wird eine Führung mit dem Menschen als Mittelpunkt noch wichtiger. Technologie kann bei Entscheidungen unterstützen, doch Vertrauen, Urteilsvermögen, Empathie und Verantwortungsbewusstsein kann sie nicht ersetzen. Unternehmen, die in ihre digitale Transformation investieren, müssen deshalb auch ihre Führung entsprechend weiterentwickeln. Denn für die Arbeitswelt der Zukunft wird auch entscheidend sein, wie Führungskräfte ihre Beschäftigten durch diese Veränderungen begleiten.
Dafür müssen Unternehmen überdenken, wie sie Führungspotenzial erkennen, weiterentwickeln und die Eigenschaften berücksichtigen, die langfristig zu einer erfolgreichen Zusammenarbeit im Team beitragen.
Entscheidend ist die Fähigkeit Vertrauen aufzubauen und andere dabei zu unterstützen, erfolgreich zu sein. Unternehmen, die diese Erwartungen bei der Auswahl und Entwicklung ihrer Führungskräfte berücksichtigen, schaffen bessere Voraussetzungen, um neue Talente für sich zu gewinnen, Veränderungen erfolgreich zu bewältigen und auch unter immer komplexeren Rahmenbedingungen leistungsstarke Teams aufzubauen. (Allison Howell, CEO Hogan Assessments)
(Anm. der Redaktion: Für die angeführte Studie wurden laut Angaben von Hogan 9.794 Beschäftigte aus rund 1.900 Organisationen und 25 Märkten befragt, darunter auch Österreich sowie beispielsweise Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Die Persönlichkeitsanalyse von Hogan Assessments wurde in den 1990er Jahren von Robert und Joyce Hogan entwickelt.
Sie soll einen umfassenden Einblick in Persönlichkeit, Motivationen und potenzielle Risiken von Job-Kandidaten oder bereits Mitarbeitenden geben und so Personalentscheidungen und Entwicklungsmaßnahmen unterstützen. Die Hogan-Analysen werden von über 75 Prozent der Fortune-500-Unternehmen genutzt.)