
„Entscheidend ist Kombination aus Leistungsfähigkeit und Souveränität“
Interview. Peter Lenz, Managing Director von T‑Systems Austria, im Gespräch zum Thema IT als strategische Führungsfrage, die Skepsis von Unternehmen gegenüber globalen Cloud-Anbietern und weshalb die T Cloud Public und die Industrial AI Cloud in München einen entscheidenden Beitrag zur digitalen Souveränität Europas leisten.
Digitale Transformation stand lange für Effizienz, Geschwindigkeit und Kosten. Aktuell geht es vor allem auch um Souveränität, Kontrolle und Resilienz. Unternehmen müssen entscheiden, wo ihre Daten liegen, wer darauf zugreifen kann und wie abhängig sie von globalen Plattformen sein wollen. Gleichzeitig wächst der Druck, neue Technologien wie KI schnell und produktiv einzusetzen.
Economy : Was ist die stärkste Veränderung beim Thema digitale Transformation ?
Peter Lenz : Unternehmen wollen schneller werden und primär auch unabhängiger. Relevant ist : Habe ich die Kontrolle über meine Daten ? Parallel steigt der Innovationsdruck, etwa durch KI. Diese Kombination macht IT strategischer denn je. Besonders deutlich zeigt sich dieser Wandel in der Cloud.
Welches sind für Unternehmen die größten Treiber beim Umstieg auf europäische Cloud Lösungen ?
Viele verfolgen Multi-Cloud-Strategien, um Abhängigkeiten zu reduzieren. Unternehmen geben ihre Daten wieder bevorzugt in eine Cloud, die in Europa gehostet wird. Sie wollen die Innovationskraft der Cloud nutzen, ohne Kontrolle abgeben zu müssen. Genau da setzen wir mit unserer T Cloud Public an.
Was unterscheidet die T Cloud Public von US-Hyperscalern ?
Die T Cloud Public ist eine vollständig im europäischen Rechtsraum betriebene Public-Cloud-Plattform, speziell für Unternehmen und öffentliche Organisationen mit höchsten Anforderungen an Datensicherheit, Compliance und Skalierbarkeit. Entscheidend ist die Kombination aus Leistungsfähigkeit und Souveränität.
Wie schaut es mit Performance und Wirtschaftlichkeit aus ?
Wir bieten rund 80 Prozent der Kernfunktionalitäten von Hyperscalern, die restlichen zwanzig Prozent folgen kontinuierlich. Laut der Information Services Group (ISG) übertrifft die Plattform nicht nur europäische Alternativen, sondern ist schon wettbewerbsfähiger als manche Angebote der BigTech. Ende 2026 können wir alles, was Hyperscaler-Clouds können.
Ein zentraler Baustein ist auch die neue Industrial AI Cloud…
Ja, unsere Antwort auf den enorm steigenden Bedarf an KI-Rechenleistung. Wir haben in Europa eine der leistungsfähigsten KI-Infrastrukturen aufgebaut – speziell für industrielle Anwendungen. Das Spektrum reicht von Simulationen über digitale Zwillinge bis zu eigenen Sprachmodellen. Dass die Industrial AI Cloud nahe in München entsteht, kommt auch unseren österreichischen Kunden zugute.
Warum ist die Industrial AI Cloud so wichtig für Europas KI-Infrastruktur ?
Es ist eine der größten KI-Fabriken Europas. Rund 10.000 Hochleistungs-GPUs (Anm. Prozessoren) bieten eine enorme Rechenleistung auf dem Niveau von Hyperscalern. 450 Millionen EU-Bürger:innen könnten gleichzeitig KI-Assistenten nutzen ! Dies ermöglicht das Training großer Modelle in Europa und Skalierbarkeit für industrielle Workloads.
Weshalb spielt dabei Souveränität eine so prioritäre Rolle ?
Unabhängigkeit bedeutet Kontrolle – über Daten, Infrastruktur und Betriebsstandards. Die aktuelle politischen Lage unterstreicht das : Unternehmen und öffentliche Einrichtungen müssen sich verlassen können, dass ihre Daten und KI-Systeme unter klar definierten europäischen Rahmenbedingungen betrieben werden. Souveräne KI wird so zum Wettbewerbsvorteil, weil sie Sicherheit, Verlässlichkeit und technische Unabhängigkeit verbindet, gezielt für europäische Unternehmen und die öffentliche Verwaltung.
Economy : Welche Chancen eröffnet die KI-Fabrik für Europa im globalen KI-Wettbewerb ?
Peter Lenz : Als Deutsche Telekom/T‑Systems reden wir nicht nur über KI-Souveränität – wir bauen die Infrastruktur dafür. Die Industrial AI Cloud zeigt, dass Europa leistungsstarke KI-Ökosysteme schaffen kann, ausgerichtet auf Sicherheit und Compliance. Gemeinsam mit unseren Kunden geht es jetzt darum, KI in die breite industrielle Anwendung zu bringen. Die Voraussetzungen dafür sind geschaffen. (red/czaak)