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© pexels/wilson malone

Erd­be­ben als Basis für Innovation

Akus­ti­sche Ober­flä­chen­wel­len wie bei Erd­be­ben die­nen der TU Wien als Aus­gangs­ba­sis bei For­schungs­pro­jekt zum Thema Nano­struk­tu­ren und Prä­zi­sion in Sen­so­rik und Chips.

Ähn­lich wie ein Gras­halm im Wind hin und her schwingt, kön­nen auch win­zige Nano­struk­tu­ren vibrie­ren, nur mit viel höhe­rer Fre­quenz. Sol­che Vibra­tio­nen wer­den in der Sen­sor­tech­no­lo­gie oft ver­wen­det, um prä­zise Mes­sun­gen durch­zu­füh­ren. Die Fre­quenz sol­cher Nano­struk­tu­ren kann sich näm­lich aus ver­schie­de­nen Grün­den ändern, etwa, weil sich kleine Par­ti­kel an der Struk­tur ange­la­gert haben, oder elek­tri­sche oder auch magne­ti­sche Kräfte auf die Struk­tur einwirken.

An der TU Wien gelang es nun, sol­che Vibra­tio­nen auf eine neue Art als bis­her zu steu­ern und zu regis­trie­ren. Ver­wen­det wer­den dafür nicht Elek­tro­den oder opti­sche Sys­teme wie bis­her, son­dern akus­ti­sche Ober­flä­chen­wel­len, wie sie unter ande­rem aus der Erd­be­ben­for­schung bekannt sind. Säu­len­ar­tige Nano­struk­tu­ren sind auf einem Chip befes­tigt, des­sen Ober­flä­che Schall­wel­len lei­tet – und diese Schall­wel­len inter­agie­ren mit den Nano-Säu­len. Die neue Tech­nik wurde nun im inter­na­tio­nal renom­mier­ten Fach­jour­nal „Nano Let­ters“ präsentiert.

Platz­pro­bleme und nega­tive Ein­flüsse auf Chips
„Wenn man bis­her die Schwin­gung von Nano-Säu­len unter­su­chen wollte, hat man meis­tens Elek­tro­den direkt in der Nähe die­ser Säu­len plat­ziert“, erklärt Hen­drik Käh­ler aus dem For­schungs­team von Sil­van Schmid vom Insti­tut für Sen­sor- und Aktua­tor­sys­teme der TU Wien. „Der Nach­teil ist, dass die Elek­tro­den einen Groß­teil des zu Ver­fü­gung ste­hen­den Plat­zes auf dem Chip ein­neh­men, und das erschwert das Plat­zie­ren wei­te­rer Säu­len auf dem­sel­ben Chip“, so Käh­ler. Ein gro­ßer Teil des Chips wird daher mit Hilfs­struk­tu­ren ver­schwen­det, die zur Mes­sung selbst gar nichts bei­tra­gen und dazu kön­nen sol­che Elek­tro­den die Mes­sung auch nega­tiv beeinträchtigen. 

Eine andere Mög­lich­keit ist, Schwin­gun­gen optisch aus­zu­le­sen, was etwa oft bei Ras­ter­kraft­mi­kro­sko­pen gemacht wird. Dabei wird ein Laser­strahl auf eine vibrie­rende Spitze gerich­tet und von dort reflek­tiert. Eine win­zige Bewe­gung der Spitze kann zu einer deut­li­chen Ablen­kung des Laser­strahls füh­ren, und die lässt sich mes­sen. Aller­dings müs­sen in die­sem Fall rela­tiv große und kom­plexe opti­sche Ele­mente ver­wen­det werden.

Ener­gie von der akus­ti­schen Welle auf die Nano-Säule
In sei­nen lang­jäh­ri­gen For­schungs­pro­jek­ten unter­sucht Käh­ler, wie kleine, säu­len­ar­tige Nano­struk­tu­ren mit akus­ti­schen Ober­flä­chen­wel­len wech­sel­wir­ken. Diese akus­ti­schen Wel­len las­sen sich pie­zo­elek­trisch anre­gen. Sie drin­gen nicht tief ins Mate­rial des Chips ein, son­dern brei­ten sich an des­sen Ober­flä­che aus. „Die Wel­len wer­den direkt auf die Nano-Säule fokus­siert und dort wer­den sie dann gestreut – ähn­lich wie eine Was­ser­welle im Teich an einem Schilf­halm gestreut wer­den kann“, so der TU Forscher. 

Auf diese Weise lässt sich Ener­gie von der akus­ti­schen Welle auf die Nano-Säule über­tra­gen wodurch diese in Schwin­gung ver­setzt wird. Gleich­zei­tig kann man durch Mes­sung der gestreu­ten Welle auf den Schwin­gungs­zu­stand der Nano-Säule rück­schlie­ßen und ihre Reso­nanz­fre­quenz bestimmen. 

Zahl­rei­che Ideen für wei­tere Nutzungsformen
„Es gibt viele Ideen zur Nut­zung für die Mess­tech­nik“, so Käh­ler. So könnte mit sol­chen Nano-Säu­len etwa kleine Par­ti­kel ver­mes­sen wer­den und auch für die Ras­ter­kraft­mi­kro­sko­pie könnte die neue Tech­nik ange­wen­det wer­den. Ein beson­de­rer Vor­teil ist, dass die Tech­nik erlaubt, eine große Anzahl von Nano-Säu­len dicht neben­ein­an­der zu plat­zie­ren und die Vibra­tio­nen aller Säu­len­gleich­zei­tig elek­trisch anzu­trei­ben und auszulesen. 

Statt eini­ger weni­ger Säu­len auf einem gro­ßen Chip wäre dann ein dich­ter Wald an Nano-Säu­len vor­han­den. Ein Par­ti­kel, das detek­tiert wer­den könnte, wird daher mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit irgend­eine die­ser Säu­len tref­fen. „Damit lässt sich die Effi­zi­enz des Mess­sys­tems mas­siv stei­gern und auch in diese Rich­tung arbei­ten wir“, ergänzt Hen­drik Käh­ler vom Insti­tut für Sen­sor- und Aktua­tor­sys­teme der TU Wien .

Autor: red/mich
26.05.2023

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