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Erhöhte Miss­brauchs­ge­fahr bei Privatinsolvenzen

WKÖ und KSV1870 rech­nen wegen der Pri­vat­in­sol­venz-Novelle 2017 mit mehr Missbräuchen.

Mit einer Geset­zes­än­de­rung sol­len nun die Regeln für Pri­vat­in­sol­ven­zen geän­dert wer­den. Kern­punkte der Geset­zes­no­velle sind die Ver­kür­zung der Abschöp­fungs­frist von der­zeit sie­ben Jah­ren auf drei Jahre sowie der Ent­fall der Min­dest­quote von der­zeit 10 Pro­zent. Die­ser Ansatz zer­störe ein erfolg­rei­ches Sys­tem und lasse berech­tigte Inter­es­sen der Gläu­bi­ger außer Acht, so Chris­toph Leitl, Prä­si­dent der Wirt­schafts­kam­mer Öster­reich, und Ricardo-José Vybi­ral, Vor­stand der KSV1870 Hol­ding AG. 

Kom­pro­miss­be­reit
Leitl spricht sich daher für einen ver­nünf­ti­gen und fai­ren Kom­pro­miss aus : Für Schul­den­nach­lässe könnte etwa der Ermes­sens­spiel­raum des zustän­di­gen Rich­ters erwei­tert wer­den. Damit könn­ten, so der WKÖ-Prä­si­dent, „red­li­che Schuld­ner schnel­ler als der­zeit ent­las­tet wer­den, ohne dass die Gefahr besteht, dass es Leute gibt, die mit Schul­den­be­frei­un­gen sys­te­ma­tisch spe­ku­lie­ren und Gläu­bi­ger mas­siv schä­di­gen.“ Tat­sa­che ist, dass es in etwa 92 Pro­zent aller Pri­vat­in­sol­venz­fälle schon jetzt zu einer Rest­schuld­be­frei­ung kommt. Auch im inter­na­tio­na­len Ver­gleich stellt die­ser Umstand einen Spit­zen­wert dar.
Der­zeit muss ein Schuld­ner selbst tätig wer­den, wäh­rend des Ver­fah­rens einen Teil sei­ner Schul­den beglei­chen und sodann eine Rest­schuld­be­frei­ung zu erhal­ten. Damit wer­den jähr­lich 180 bis 200 Mil­lio­nen Euro an die Gläu­bi­ger zurück­ge­zahlt. „Da diese Vor­aus­set­zung weg­fal­len soll, ist eine erhöhte Gefahr von Miss­brauch gege­ben“, so Vybi­ral. Die Wirt­schaft hat sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren immer kom­pro­miss­be­reit ge-zeigt, wenn die Min­dest­vor­aus­set­zun­gen nicht erfüll­ten wer­den kön­nen, wie etwa bei Per­so­nen, die von einer Min­dest­pen­sion leben. „Wir tre­ten dafür ein, dass das bestehende funk­tio­nie­rende Sys­tem maß­voll refor­miert wird, anstatt es voll­kom­men unaus­ge­wo­gen umzu­ge­stal­ten“, so Leitl und Vybi­ral abschließend.

Autor: red/cc
21.03.2017

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