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© pexels/karolina grabowska

Erleich­te­run­gen bei The­ra­pie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Ein Pro­jekt der Med Uni Inns­bruck berech­net erst­mals Refe­renz­werte für soge­nannte Puls­wel­len­ge­schwin­dig­keit und ver­bes­sert damit Vor­her­sage und The­ra­pie bei Erkran­kun­gen des Herz-Kreislauf-Systems.

Das Risiko für Schlag­an­fall sowie Herz- und Nie­ren­er­kran­kun­gen erhöht sich mit zuneh­men­der Stei­fig­keit der Gefäße. Die Puls­wel­len­ge­schwin­dig­keit (Anm. Pulse Wave Velo­city, PWV) hat sich dabei als Mar­ker für die Gefäß­stei­fig­keit eta­bliert, doch bis­lang fehl­ten Ver­gleichs­da­ten zur rich­ti­gen Ein­ord­nung der Mess­werte. Eine neue Meta­ana­lyse aus Inns­bruck lie­fert nun erst­mals glo­bale Refe­renz­werte für die Puls­wel­len­ge­schwin­dig­keit und damit die Grund­lage für eine gezielte Risi­ko­ab­schät­zung bei Beschwer­den und Erkrankungen.

Grund­sätz­lich lässt die Elas­ti­zi­tät unse­rer Gefäße im Lauf des Lebens nach. Ver­schie­denste Para­me­ter tra­gen dazu bei, neben Risi­ko­fak­to­ren wie Rau­chen, Über­ge­wicht, Blut­hoch­druck oder Bewe­gungs­man­gel auch Gefäß­ver­kal­kung und der natür­li­che Alte­rungs­pro­zess. „Wer­den die Gefäße stei­fer, dann steigt auch die Aus­brei­tungs­ge­schwin­dig­keit der vom Herz­schlag aus­ge­lös­ten Welle ent­lang Aorta und Arte­rien an. Diese Puls­wel­len­ge­schwin­dig­keit ist also ein direk­ter Indi­ka­tor für die Gesund­heit unse­res Gefäß­sys­tems“, erläu­tert Ste­fan Kiechl, Direk­tor der Uni Kli­nik Neu­ro­lo­gie an der Med Uni Inns­bruck und wis­sen­schaft­li­cher Lei­ter des For­schungs­zen­trums VASCage.

Geziel­tere Risikovorhersage
Dem gro­ßen Nut­zen der PWV als Mar­ker für das Risiko von Gefäß­er­kran­kun­gen stand bis­lang jedoch das Feh­len geeig­ne­ter Refe­renz­werte gegen­über. „Die PWV kann sehr unter­schied­lich sein und wird nicht nur durch Alter und Geschlecht, son­dern auch durch geo­gra­fi­sche Fak­to­ren, sozio-öko­no­mi­schen Hin­ter­grund und Gene­tik bestimmt“, ergänzt Rai­mund Pechlaner, Inns­bru­cker Neu­ro­loge. Um die Varia­bi­li­tät der PWV dar­stel­len und valide Refe­renz­werte berech­nen zu kön­nen, führ­ten die Inns­bru­cker Neu­ro­lo­gen gemein­sam mit Sophia Kiechl vom For­schungs­zen­trum VAS­Cage sowie Kol­le­gen in Lon­don und Chang­sha (China) eine Meta­ana­lyse durch. 

Dafür wur­den welt­weit alle ver­füg­ba­ren PWV-Mes­sun­gen kom­bi­niert, ins­ge­samt 167 Stu­dien aus 34 Län­dern mit gemein­sam über 500.000 Teil­neh­me­rIn­nen und dar­un­ter auch eigene spe­zi­fi­sche Stu­dien des VAS­Cage (Anm. EVA und EVA4You). 

Regio­nale Besonderheiten
„Unsere Daten bele­gen etwa, dass in China und ande­ren Län­dern des asia­ti­schen Raums höhere Puls­wel­len­ge­schwin­dig­kei­ten gemes­sen wer­den. Das könnte das dor­tige gehäufte Auf­tre­ten von Klein­ge­fäß-Schlag­an­fäl­len und Hirn­blu­tun­gen erklä­ren“, so Kiechl. Der Neu­wert der nun berech­ne­ten Schwel­len­werte liegt in der ver­bes­ser­ten Vor­her­sage des indi­vi­du­el­len kar­dio­vas­ku­lä­ren Risikos. 

„Damit las­sen sich in der Folge geziel­tere The­ra­pie­ent­schei­dun­gen tref­fen, zumal die Gefäß­stei­fig­keit durch die Ände­rung des Lebens­stils beein­fluss­bar ist. Schon kurze Zeit nach einem Rauch­stopp etwa wer­den Gefäße wie­der elas­ti­scher“, unter­streicht Kiechl. Nach­dem die Mes­sung der PWV eine gut repro­du­zier­bare Methode zur Bestim­mung der Gefäß­stei­fig­keit dar­stellt und nun erst­mals welt­weite Refe­renz­werte vor­lie­gen, wol­len Ste­fan Kiechl und Rai­mund Pechlaner unter­su­chen, ob sich die PWV auch für Hoch­ri­si­ko­pa­ti­en­ten als stan­dar­di­sier­ter Vor­her­sa­ge­wert eignet.

Autor: red/czaak
02.06.2023

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