
“Es braucht eine humanistische Digitalisierung”
Preise für zwei Forschungsprojekte der University of Applied Sciences St. Pölten. Prämierung „Digitaler Humanismus in der Praxis“ für „FIVE“ und „Counter Speech“ zu Themen Deep Fake und Hassrede in Social Media.
Die Prämierung „Digitaler Humanismus in der Praxis“ wird vom Beratungshaus msg Plaut, der ADV – Austrian Digital Value (Anm. Vereinigung von IT-Anwender:innen) und dem Verein zur Förderung des Digitalen Humanismus getragen. Partner sind der ORF, die Millstätter Wirtschaftsgespräche und der Springer Verlag.
Der „Praxisaward Digitaler Humanismus“ zeichnet Personen, Projekte und Organisationen aus, die sich in diesem Bereich verdient gemacht haben. Der Award will Vorbildwirkung erreichen und entsprechend motivieren, sich für eine menschenzentrierte und verantwortungsvolle Gestaltung der digitalen Welt einzusetzen.
Neue Perspektiven für verantwortungsvollen Umgang mit Technologie
Beim heurigen Bewerb wurden die Projekte „FIVE“ und „Counter Speech“ der University of Applied Sciences St. Pölten (USTP) mit gesonderten Auszeichnungen geehrt. „Diese Sonderauszeichnungen prämieren engagierte Projekte, die gesellschaftliche Herausforderungen im digitalen Raum adressieren und neue Perspektiven für einen verantwortungsvollen Umgang mit Technologie eröffnen“, so die Veranstalter.
„Es braucht eine neue, humanistische Digitalisierung, um die Ziele des Menschen mit der Entwicklung digitaler Technologien zu vereinen und sie im Umgang mit neuen Technologien zu unterstützen“, betonen Johann Haag und Hannes Raffaseder, Geschäftsführer der USTP. „Die USTP trägt in der Forschung und mit Initiativen stark zu diesen Zielen bei. Wir gratulieren unseren Forscher:innen sehr herzlich zu diesem Erfolg“, so Haag und Raffaseder von der USTP.
Das Projekt FIVE oder Jugendliche beim Umgang mit Social Media unterstützen
Das Projekt FIVE (#Fitspiration Image VErification) hat untersucht, welchen Einfluss fitnessbezogene Social-Media-Inhalte auf die Geschlechteridentität, das Gesundheitsverhalten und die Körperwahrnehmung von Jugendlichen haben und welche Folgen daraus resultieren können. Die Forscher:innen haben analysiert, was Jugendliche dazu bewegt dem Hashtag #fitspiration zu folgen und welchen Einfluss #fitspiration auf ihr Ernährungs- und Bewegungsverhalten sowie auf die Wahrnehmung des eigenen Körpers und von Geschlechternormen hat.
„Zusammen mit dem Hölzel-Verlag und der Genderexpertin Bettina Prokop haben wir einen fächerübergreifenden Blended-Learning-Kurs für die Oberstufe entwickelt, der Jugendliche zu einem besseren Umgang mit potenziell manipulierten Social-Media-Inhalten befähigt“, erläutert Elisabeth Höld, Senior Researcherin am Institut für Gesundheitswissenschaften der USTP. „Herzstück ist ein interaktives Bildforensik-Tool, das Jugendliche auf spielerische Art näherbringt, welche Methoden der digitalen Bildmanipulationen es gibt und wie man diese erkennt“, so Höld, die auch Leiterin des Projekts ist.
Das Projekt Counter Speech oder effektiv auf Hasskommentare reagieren
Kinder und Jugendliche sind häufig Zielscheibe von Hasspostings, Cybermobbing und beleidigenden Kommentaren. Im Projekt „Counter Speech – Young People Against Online Hate“ haben Forscher:innen der USTP gemeinsam mit Soziologinnen der Uni Wien digitale Werkzeuge entwickelt, die Gegenrede im Online-Raum fördern. Ein zentrales Ergebnis ist die App „CounterHelp“, die Jugendlichen, die online mit Hass konfrontiert sind, hilft, selbstbewusst gegen Hassrede aufzutreten und wirkungsvoll zu reagieren.
CounterHelp wurde in einem partizipativen Prozess gemeinsam mit jungen Menschen entwickelt, um sicherzustellen, dass die App auf deren tatsächlichen Bedürfnissen basiert.„CounterHelp zeigt, wie man generative KI und moderne Sprachmodelle sinnvoll nutzen kann, um junge Nutzer:innen auf Online-Plattformen zu unterstützen“, erklärt Matthias Zeppelzauer vom Institut für Creative\Media/Technologies der USTP. „Wir hoffen, dass CounterHelp die Entwicklung von Gegenrede-Assistenten für Social-Media-Plattformen inspiriert“, so Zeppelzauer, der ebenso Projektleiter ist.
Unterstützung von FFG und WWTF
Das Projekt FIVE wurde von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) im Rahmen des Programms FEMtech unterstützt. Das Projekt Counter Speech wurde vom Wiener Wissenschafts‑, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) gefördert.
„Mit unseren Forschungsprojekten zu modernen Technologien greifen wir aktuelle Themen auf, gestalten neue Entwicklungen mit und liefern Antworten und Lösungen zu gesellschaftlichen Fragen und Problemen rund um den Einsatz digitaler Technologien“, ergänzt Franz Fidler, Leiter der Fakultät für Technik und Wirtschaft der University of Applied Sciences St. Pölten (USTP). (red/laucz)