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„Es geht ihnen nicht gut.“

Psy­chi­sche Belas­tun­gen bei Kin­dern und Jugend­li­chen. Eltern über­schät­zen Resi­li­enz ihrer Kin­der. Umfas­sende Stu­die der Med Uni Inns­bruck star­tet nächste Befragungsrunde. 

Im Rah­men der Post-Covid Kin­der­stu­die, die vom Land Tirol finan­ziert und von der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Inns­bruck durch­ge­führt wird, ant­wor­te­ten letz­ten Herbst fast 1000 Tiro­ler Eltern, Kin­der und Jugend­li­che. Der Fokus lag pri­mär auf dem Thema Resi­li­enz bzw. Wider­stand­fä­hig­keit. Die Ergeb­nisse zei­gen, dass sich die Kin­der und Jugend­li­chen weni­ger resi­li­ent emp­fin­den als Eltern anneh­men. Nun beginnt in Tirol die nächste Befra­gungs­runde für Eltern, Kin­der und Jugend­li­che (siehe Link).

Spür­bare Belas­tun­gen bei Kin­dern und Jugendlichen
„Die Belas­tun­gen bei den Kin­dern und Jugend­li­chen sind spür­bar und schla­gen sich im psy­chi­schen Befin­den nie­der. Es geht ihnen nicht gut.“ Kurz und knapp fasst Kath­rin Seve­cke, Direk­to­rin der Univ.-Klinik für Kin­der- und Jugend­psych­ia­trie, die Ergeb­nisse der zwei­ten Erhe­bung der Post-Covid Kin­der­stu­die zusam­men. Die Unter­su­chung, die bereits wäh­rend der Pan­de­mie regel­mä­ßig statt­fand, kann dank der Finan­zie­rung durch das Land Tirol bis Dezem­ber 2025 fort­ge­führt werden. 

„Als Gesund­heits­lan­des­rä­tin ist mir die psy­chi­sche Gesund­heit unse­rer Kin­der und Jugend­li­chen ein beson­de­res Anlie­gen. Die Ergeb­nisse die­ser For­schungs­ar­beit hel­fen uns, die Ange­bots­si­tua­tion im Land Tirol fun­diert zu beleuch­ten, daher hat das Land Tirol die Ver­län­ge­rung der Stu­die bis Dezem­ber 2025 geneh­migt“, sagt Cor­ne­lia Hagele, zustän­dige Lan­des­rä­tin. Nach einer ers­ten Befra­gung in der Ver­län­ge­rungs­phase im Herbst 2023, liegt nun die Aus­wer­tung der Fra­ge­bö­gen von September/​Oktober 2024 vor.

Mäd­chen berich­te­ten mehr von Depres­sion als Buben
Ins­ge­samt ana­ly­sier­ten die Exper­tIn­nen unter der Lei­tung von Sil­via Exen­ber­ger (Kli­ni­sche und Gesund­heits­psy­cho­lo­gin) 953 Fragebögen.
154 Eltern­teile von drei- bis sechs­jäh­ri­gen Kin­dern und 417 Eltern­teile von Sie­ben- bis 17-Jäh­ri­gen beant­wor­te­ten online und anony­mi­siert Fra­gen zu Ängs­ten, stö­ren­dem Sozi­al­ver­hal­ten, Depres­sion, Trauma und der Resi­li­enz ihres Nachwuchses. 

298 Kin­der (sie­ben bis zwölf Jahre) und 84 Jugend­li­che (13 bis 17 Jahre) mach­ten in einem an sie ange­pass­ten, auch anony­mi­sier­ten Fra­ge­bo­gen ihre Anga­ben. 130 Kin­der an rund 20 Schu­len nah­men bereits an einer Kurz­in­ter­ven­tion zur Stär­kung der psy­chi­schen Wider­stands­fä­hig­keit teil.

Beson­ders bemer­kens­wert ist laut Exen­ber­ger, wie weit die Wahr­neh­mun­gen von Eltern – vor­wie­gend nah­men Müt­ter an der Unter­su­chung teil – und Kin­dern zum Teil aus­ein­an­der­trif­ten : So zeig­ten die Eltern­be­richte hin­sicht­lich der Stö­rungs­bil­der für Trauma, Angst­stö­rung und Depres­sion keine Geschlechts­un­ter­schiede zwi­schen Mäd­chen und Buben. Die Dar­stel­lun­gen der Kin­der und Jugend­li­chen selbst erga­ben ein ande­res Bild : Mäd­chen berich­te­ten mehr von Depres­sion als Buben. 

Eltern über­schät­zen ihre Kinder
Bezeich­nend ist aber vor allem die unter­schied­li­che Ein­schät­zung von Erwach­se­nen und ihrem Nach­wuchs in Bezug auf des­sen Resi­li­enz : „Kin­der schätz­ten ihre eigene Resi­li­enz im Mit­tel nied­ri­ger ein, als Eltern. Diese nah­men sich wie­derum als für­sorg­li­cher wahr, als die Kin­der das emp­fan­den“, schil­dert Exen­ber­ger. Die Kinder/​Jugendlichen gaben an, dass ihre Eltern oder nahen Bezugs­per­so­nen sie nicht beson­ders gut ken­nen wür­den und sie nicht mit ihnen über ihre Gefühle spre­chen könnten. 

„Viel­leicht signa­li­sie­ren Eltern ihre Unter­stüt­zung nicht deut­lich genug oder sie neh­men es nicht aus­rei­chend wahr, wenn die Kin­der signa­li­sie­ren, dass sie Unter­stüt­zung möch­ten“, mut­maßt Sil­via Exen­ber­ger. Es könne hel­fen, direkt aus­zu­spre­chen, dass man für die Kin­der da ist und zu zei­gen, dass man bei Pro­ble­men „nicht gleich aus­flippt“. „Die Eltern über­schät­zen ihre Kin­der. Die Tat­sa­che, dass sich die Kin­der als weni­ger resi­li­ent ein­schät­zen, ist Aus­druck davon, dass sie Belas­tun­gen spü­ren und das Gefühl haben, nicht mit allem zurecht­zu­kom­men“, inter­pre­tiert Kath­rin Seve­cke die Studienergebnisse.

Ein­fa­che Maß­nah­men stär­ken Resilienz
Kinder/​Jugendliche, deren Fami­lien in finan­zi­el­len Schwie­rig­kei­ten steck­ten, gaben außer­dem an, dass sie sich weni­ger resi­li­ent füh­len. Bei höhe­rem Fami­li­en­wohl­stand nah­men sie sich als resi­li­en­ter wahr. Ins­ge­samt berich­te­ten Mäd­chen von einer höhe­ren Resi­li­enz. Das deckt sich mit der Wahr­neh­mung der Eltern, die Mäd­chen eben­falls als resi­li­en­ter ein­schätz­ten. Bei den Buben stell­ten die Eltern – nur sie wur­den zu die­sem Aspekt befragt – außer­dem mehr Stö­run­gen im Sozi­al­ver­hal­ten fest.

„Ein Eck­pfei­ler von Resi­li­enz ist krea­tive Pro­blem­lö­sung. Wir füh­ren etwa mit den Kin­dern eine ein­fa­che Ein­mal-Inter­ven­tion durch. Die Übun­gen sind auch für Erwach­sene sinn­voll“, erklärt Exen­ber­ger. Übungs­bei­spiel : Deine Eltern wol­len weg­fah­ren und du sollst mit­kom­men. Du möch­test aber zu einer Geburts­tags­party gehen. Stelle dir eine Per­son vor, die du beson­ders krea­tiv fin­dest und die Pro­bleme anders angeht als du. Nimm die Per­spek­tive die­ser Per­son ein. Wel­che Lösungs­wege fin­dest du ? „Es geht darum, ganz schnell krea­tiv zu reagie­ren, die gewohn­ten Wege zu ver­las­sen und einen kogni­ti­ven Umweg zu machen“, regt die Exper­tin an.

Psy­chi­sche Stö­run­gen und Erkran­kun­gen neh­men zu
Kli­ni­schen Stu­dien zufolge neh­men die psy­chi­schen Stö­run­gen und Erkran­kun­gen in der All­ge­mein­be­völ­ke­rung zu. „Damit ein­her geht ein Anstieg der psy­chi­schen Erkran­kun­gen im Kin­des- und Jugend­al­ter. Die Belas­tun­gen sind da und es gibt der­zeit kei­nen Anlass zur Annahme, dass es zu einem Rück­gang kom­men sollte“, sagt Seve­cke. Wich­tig ist ihr, die Pan­de­mie und die dama­li­gen Begleit­um­stände nicht als allei­nige Ursa­che für die anhal­tende Belas­tung heranzuziehen. 

„Die Pan­de­mie ist nur ein Fak­tor von vie­len. Es sind Mul­ti­pro­bleme. Der Trend geht zu kom­ple­xe­ren Fäl­len und lang­wie­ri­gen Krank­heits­ge­schich­ten“, so Seve­cke. Die Stu­di­en­lage zeige bei­spiels­weise auch, dass ein hoher Insta­gram-Kon­sum mit einer höhe­ren Wahr­schein­lich­keit von Ess­stö­run­gen und Depres­sio­nen einhergeht.

Autor: red/czaak
31.03.2025

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