
„Es gibt hier viele kluge Köpfe“
Karin Pfisterer vom Institut für Molekulare Biologie an der Uni Wien punktete beim diesjährigen INiTS-Award mit einer innovativen patientenspezifischen Therapieform zur Behandlung von Hautkrankheiten.
Das Universitäre Gründerservice INiTS prämiert alljährlich in den Kategorien Informations- und Kommunikations-Technologien, Life Science und Allgemeine Technologien wissenschaftliche Arbeiten mit Potenzial für eine Unternehmensgründung. Erstmals wurde dabei von Wirtschaftsminsterium und economyaustria auch der Woman-Award für die besten Projekte von Frauen ausgelobt. economyaustria sprach mit Karin Pfisterer über motivierte Lehrer, aktuelle Rahmenbedingungen an der Uni und über Überraschungen für junge UnternehmensgründerInnen in Österreich.
economyaustria : Was war ausschlaggebend für Ihr Interesse an den Naturwissenschaften ?
Karin Pfisterer : In der Schule hatte ich das Glück von einem ausgezeichneten, hochmotivierten Biologielehrer unterrichtet zu werden. Da wurde meine Leidenschaft für Genetik und biologisch-chemische Prozesse geweckt. Zudem gab es in meiner Familie eine genetische Veranlagung für Hautkrankheiten und mir war bekannt, dass die Forschung hier nicht richtig weiter kommt. Ab diesem Zeitpunkt wollte ich selbst etwas dagegen unternehmen und so kam es zum Genetik/Mikrobiologie-Studium an die Uni Wien und zur Diplomarbeit auf der Dermatologie bei Adelheid Elbe-Bürger.
Wie empfinden Sie die Rahmenbedingungen für Forschung an der Uni ?
Die universitäre Forschung in Wien finde ich kreativ und sie bietet meist genug Platz für Ideen. Jedoch ist die Finanzierung sehr eingeschränkt und daher ist es in Österreich schwer mit internationalen Forschungsteams mithalten zu können. Trotzdem schlagen wir uns momentan international nicht so schlecht, es gibt hier viele kluge Köpfe. Auf Grund der vielen Kürzungen im Bereich Unis und Forschung, wird sich zeigen, ob wir unsere Stellung halten können.
Teilen Sie die Meinung über zu wenige weibliche Wissenschafter in den Naturwissenschaften ?
Interessanterweise finden sich viele Frauen in naturwissenschaftlichen Studien wie Biologie. Jedoch sind die Zahlen in der Wissenschaft deutlich reduziert. Problematisch für viele Frauen ist die Vereinbarkeit von wissenschaftlicher Forschung mit Familiengründung, es gibt wenig Unterstützung des Staates und der Arbeitgeber. Ich selbst habe einen vierjährigen Sohn und könnte meine Forschung ohne die Unterstützung meines Mannes und meiner Familie nicht so uneingeschränkt betreiben.
Wie könnte die Situation verbessert werden ?
Flexible Kinderbetreuungseinrichtungen, eventuell direkt beim Arbeitsplatz, wären ein wichtiger Ansatzpunkt, um es Frauen zu ermöglichen, dem Wettbewerb standzuhalten.
Gibt es einen Plan zur Unternehmensgründung und genügend Unterstützung für wissenschaftliche Start-Ups ?
Momentan ist für mich eine Unternehmensgründung noch nicht realistisch, meine Forschung befindet sich noch im Anfangsstadium. Ich war aber überrascht wie viel Unterstützung, auch finanzielle, laut INiTS zur Verfügung steht, falls dieses Vorhaben umgesetzt werden sollte. Prinzipiell würde ich mich an eine Gründungs-Einrichtung wie INiTS wenden, da hier Spezialisten mit entsprechendem Know-how sitzen.
Beeinflussen die INiTS-Auszeichnungen Ihren weiteren beruflichen Werdegang ?
Eine Auszeichnung ist immer ein großer Motivationsschub. Das braucht es in der Wissenschaft als Ausgleich für Experimente die manchmal nicht wunschgemäß funktionieren. Im Moment arbeite ich an meiner Doktorarbeit in der Abteilung für Molekulare Immunologie und muss meine weitere wissenschaftliche Karriere entscheiden. Durch die Prämierung bin ich nun der festen Überzeugung auf dem richtigen Weg zu sein und meine zukünftige Forschung auch der immunologischen Dermatologie zu widmen.