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„Europa braucht ebenso weni­ger Regu­lie­rung für mehr Wettbewerbsfähigkeit!“

Die Digi­tal X punk­tete auch mit vie­len hoch­ka­rä­ti­gen Podi­ums­dis­kus­sio­nen. Beson­ders erwäh­nens­wert ist das Panel zum Thema Digi­tale Sou­ve­rä­ni­tät. Poli­ti­ker und Wirt­schafts­bosse fan­den hier zu einem über­ra­schen­den Schul­ter­schluss bei Beur­tei­lung des Wett­be­werbs zwi­schen Europa, USA und China.

Das Mes­se­zen­trum von Köln war der Ort, wo im Rah­men der von Deut­sche Tele­kom und T‑Systems all­jähr­lich ver­an­stal­te­ten Digi­tal X das Thema Digi­ta­li­sie­rung pri­mär aus unter­neh­me­ri­scher Sicht erör­tert wurde. Das gewählte For­mat waren mode­rierte Podi­ums­dis­kus­sio­nen, wo neben den in einem zwei­ten Text behan­del­ten The­men „Digi­tale Kom­pe­tenz“ und „Künst­li­che Intel­li­genz“ ein beson­ders span­nen­des Panel zum Thema Digi­tale Sou­ve­rä­ni­tät stattfand.

Der Unter­schied zu den ande­ren zwei Panels resul­tierte ins­be­son­dere mit einem auch für die teil­neh­men­den Redner:innen selbst über­ra­schen­den Ergeb­nis in der fina­len Beur­tei­lung des erör­ter­ten The­mas. Aus­ge­hend vom Titel „Digi­tale Sou­ve­rä­ni­tät“ ging es in der Dis­kus­sion rasch um die zen­trale Frage, warum Europa beim Thema Digi­ta­li­sie­rung und Künst­li­che Intel­li­genz den USA und China hinterherhinkt. 

Inhalt­lich über­aus kom­pe­tente Expert:innen
Und das dis­ku­tier­ten am Podium Ralf Win­ter­gast (Prä­si­dent vom deut­schen Ver­band der Digi­tal- und IT-Unter­neh­men BIT­KOM), Kat­rin Leh­mann (CIO der Mer­ce­des Benz Group AG), Tho­mas de Mai­ziere (ehem. Deut­scher Innen­mi­nis­ter im Kabi­nett Mer­kel II und aktu­ell Vor­sit­zen­der der Tele­kom-Stif­tung), Alex­an­der Pret­sch­ner (For­scher und Pro­fes­sor für Soft­ware-Ent­wick­lung und Sys­tems Engi­nee­ring) und Adriana Groh (Co-Fun­der of the Sove­reign Tech Fund und Netz­wer­ke­rin in der deut­schen Innovationsszene). 

Sub­til sar­kas­ti­sche Spit­zen und eine vor­bild­li­che poli­ti­sche Fehlerkultur
Die Mode­ra­tion lei­tete Cars­ten Knopp (Jour­na­list und Her­aus­ge­ber der Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung), inhalt­lich bes­tens vor­be­rei­tet und zudem kurz­wei­lig mit wohl­do­siert ange­brach­ten und sub­til sar­kas­tisch argu­men­tier­ten Spit­zen gegen­über dem Podium – wirk­lich klasse. 

Her­vor­zu­he­ben auch ein Tho­mas de Mai­ziere mit einer im poli­ti­schen Rück­blick offen ein­ge­räum­ten Feh­ler­kul­tur zu stand­ort­po­li­ti­schen Ent­schei­dun­gen und mit einem umfas­sen­den Wis­sen zu aktu­el­len Initia­ti­ven und Rah­men­be­din­gun­gen beim Thema inter­na­tio­na­ler Wett­be­werb. Das inklu­dierte auch fun­dierte inhalt­li­che Kri­tik und Fra­gen bezüg­lich natio­na­ler (deut­scher) Vor­ga­ben und Regu­la­rien, die schnell dann auch die EU bzw. Brüs­sel miteinbezogen.

Eine immer grö­ßere Zahl an Regu­la­rien scha­det der Wirtschaft
Zusam­men­ge­fasst adres­sierte die Kri­tik oder bes­ser das eigene kri­ti­sche Ein­se­hen die Büro­kra­tie und ins­be­son­dere die immer grö­ßer wer­dende Zahl an Regu­la­rien, wel­che dann pri­mär Unter­neh­men im Bereich Mit­tel­stand und Indus­trie betref­fen und diese final in ihrer Wett­be­werbs­fä­hig­keit einschränken.Parallel hem­men sie auch Inno­va­tion und Neu­grün­dun­gen bzw. machen sie schwie­ri­ger. Kat­rin Leh­mann, CIO der Mer­ce­des Benz Group AG, bestä­tigte den mitt­ler­weile enor­men Auf­wand zur Erfül­lung all die­ser Regu­la­rien. „Aber wir müs­sen und machen das natür­lich, auch wenn es viele Res­sour­cen kos­tet“ so die Top-Managerin.

Als Stich­wör­ter die neuen gesetz­li­chen EU-Regu­la­rien zum Thema Lie­fer­ket­ten, ganz gene­rell der Bereich Daten­schutz und aktu­ell dazu der neue AI-Act der EU mit sei­nen vie­len noch offe­nen Fra­gen bzw. Unsi­cher­hei­ten und Aus­wir­kun­gen im ope­ra­ti­ven Geschäft. Ein Seg­ment gilt auch hier dem Thema Daten im Kon­text mit Urhe­ber- bzw. Ver­wer­tungs­rech­ten. Dass sich die US-Impe­ria­lis­ten Google, Face­book, Ama­zon, Apple, Micro­soft & Co. sowie eine chi­ne­si­sche Ali­baba, Byt­dance (Tik­Tok) ver­gleichs­weise weit­aus weni­ger um diese Dinge sche­ren (müs­sen), sei hier aus sub­jek­ti­ver Sicht des Autors angeführt.

94 Pro­zent der Deut­schen Unter­neh­men abhän­gig vom Import digi­ta­ler Technologien
Wel­che Aus­wir­kun­gen diese über­bor­den­den Regu­la­rien auf den immer inter­na­tio­na­ler wer­den­den Wett­be­werb der Stand­orte haben und wie sich deut­sche Unter­neh­men in die­sem Wett­be­werb füh­len, zeigte dann Ralf Win­ter­gast, Prä­si­dent des deut­schen BIT­KOM-Ver­ban­des, anhand meh­re­rer aktu­el­len Stu­dien mit Fokus auf Europa, die USA und China. 

Bei China machen sich 69 (!) Pro­zent der Deut­schen Unter­neh­men Sor­gen ob einer zu gro­ßen Abhän­gig­keit bzw. Ein­flus­ses und bei den USA immer­hin auch 38 Pro­zent. Eine andere Frage aus einer Bit­kom-Stu­die betraf die eigene unter­neh­me­ri­sche Abhän­gig­keit vom Import digi­ta­ler Tech­no­lo­gien & Leis­tun­gen. 94 (!) Pro­zent sehen sich hier abhän­gig, davon 62 Pro­zent sogar stark und nur 4 Pro­zent „eher nicht oder über­haupt nicht abhängig“. 

Deutsch­land (und Öster­reich) und Europa brau­chen eine neue Herangehensweise
Ergän­zend hat sich der Bit­kom-Ver­band auch die unter­schied­li­chen Kul­tu­ren und die dar­aus ebenso unter­schied­li­chen Ansätze die­ser Län­der bzw. Wirt­schafts­räume zum Thema Regu­lie­rung ange­se­hen. Für die USA gilt ver­gleichs­weise ein „Tech­no­lo­gisch-Liber­tä­rer Ansatz“ und in der Umset­zung ein kla­res „Play To Win“. In China ist es ein „Kon­troll-Ori­en­tier­ter Ansatz“ mit der Ziel­set­zung „Play To Con­trol The Nation And The Com­pe­ti­tion – Ulit­m­ately To Win“. 

Und für Europa gilt ein „Defen­si­ver, Rechte-Ori­en­tier­ter Ansatz“ mit einem „Play To Pro­tect“ für die Umset­zung. „Glo­ba­ler Ein­fluss wird auch über die Regu­lie­rungs­stra­te­gien für Tech­no­lo­gien aus­ge­übt“, so die klare Erkennt­nis des BIT­KOM-Ver­ban­des. Das gesamte Podium war sich final einig, dass der Umfang all die­ser Regu­lie­rungs­fra­gen im Kon­text mit der inter­na­tio­na­len Wett­be­werbs­fä­hig­keit kri­tisch zu beur­tei­len ist.

Hand­lungs­emp­feh­lung „All-in“ bei KI und ein posi­ti­ver Abschluss
Zusam­men gab es dann abschlie­ßend auch meh­rere Emp­feh­lun­gen. Es braucht mehr Fokus auf die Stei­ge­rung der Wett­be­werbs­fä­hig­keit mit weni­ger Büro­kra­tie und eben mit weni­ger gesetz­li­chen Regu­la­rien. Wei­ters eine deut­li­che Stär­kung von Schlüs­sel­tech­no­lo­gien sowie eine mög­lichst ein­fa­che und gezielte För­de­rung von pra­xis­ori­en­tier­ten Anwen­dungs­fel­dern. Ins­be­son­dere bei KI soll­ten wir „all-in“ gehen, so eine wei­tere Empfehlung. 

Glei­cher­ma­ßen als Bestä­ti­gung, dass Deutsch­land und Europa nicht über­all hin­ter­her­hin­ken, zeigte Bit­köm-Boss Ralf Win­ter­gast noch eine ver­glei­chende Erhe­bung zum Thema Inno­va­tion. Hier gibt es in der Tat posi­ti­ves zu ver­mel­den : Deutsch­land belegt im welt­wei­ten Ver­gleich den 4. Platz. Und Europa ins­ge­samt ist fast auf glei­cher Höhe mit China und den USA. Also, werte EU und ihr Mit­glied­staa­ten : es gibt immer noch eine gute Aus­gangs­ba­sis — und für mehr Wett­be­werbs­fä­hig­keit braucht auch die Euro­päi­sche Wirt­schaft weni­ger Regu­la­rien und mehr Frei­raum für ihr „Play To Win“.

Autor: red/czaak
27.09.2024

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