
„Europa muss sicherheitspolitisch auf eigenen Beinen stehen!“
Wiener Neustadt baut Rolle als europäisches Kompetenzzentrum für Sicherheit aus. Geopolitische Lage verdeutlicht Notwendigkeit einer unabhängigen Sicherheitsstrategie. Land Niederösterreich betont und unterstützt Standort mit internationaler Ausrichtung.
Wiener Neustadt erweitert seine Bedeutung als europäisches Kompetenzzentrum für Sicherheit. Dies passiert auch im Lichte neuer internationaler Entwicklungen. Im Kontext mit den aktuellen geopolitischen Rahmenbedingungen setzt die EU einen Schwerpunkt im Bereich Rüstung und Sicherheit mit Investitionen und Programmlinien von über 800 Milliarden Euro. Österreich selbst hat hier 20 Milliarden vorgesehen. Zusätzlich steigt auch das Budget der European Space Agency (ESA) auf 22 Milliarden Euro und auch hier erhöht Österreich sein Volumen auf 340 Millionen Euro.
„Europa muss sicherheitspolitisch endlich auf eigenen Beinen stehen und sich allein verteidigen können“, betonte Johanna Mikl-Leitner, Landeschefin (ÖVP) von Niederösterreich im Rahmen einer Veranstaltung am Innovation Lab der FH Wr. Neustadt. „Diese Dynamik bei den Finanzmitteln in Zeiten knapper öffentlicher Kassen zeigt : Sicherheit ist auch ein zentraler Wirtschaftsfaktor und dazu ein Innovationstreiber mit entsprechender Bedeutung und Vorteilen für regionale Standortentwicklung“, unterstrich Mikl-Leitner auch den Kontext zu den geopolitischen Entwicklungen.
Vier Ausbildungsschienen, sechs Forschungszentren und internationale Leitbetriebe
Ebenso zugegen bei der Veranstaltung waren Klaus Schneeberger, Bürgermeister von Wiener Neustadt und Helmut Miernicki, Geschäftsführer von ecoplus als Niederösterreichs Standort-Agentur. Beide hoben die große strategische Bedeutung des Standortes Wiener Neustadt als eines der ecoplus-Technopol-Zentren hervor. Schaut man sich die Entwicklung an, so hat sich Wiener Neustadt in der Tat zu einem wichtigen Kompetenzzentrum Europas entwickelt.
In Summe gibt es vier Ausbildungseinrichtungen, sechs Forschungszentren, dazu internationale Leitbetriebe wie etwa Schiebel und Airborne Technologies, genauso wie national zentrale Institutionen im Sicherheitsbereich wie die (oft ebenso international konsultierte) Cobra oder auch die Flugpolizei. Um diese Kompetenz weiter auszubauen, setzt man sich im nächsten Schritt nun dafür ein, das neue Forschungs-Kompetenzzentrum ECOSUM (Anm. ein COMET-Zentrum) nach Niederösterreich zu holen.
Bewerbung als neues Kompetenz-Zentrum
“ECOSUM würde Technologien vorantreiben, die Europa dringend braucht : neue Werkstoffe und KI-Tools etwa“, erklärt NÖ-Landeshauptfrau Mikl-Leitner. „Das würde helfen, Abhängigkeiten von kritischen Rohstoffen zu reduzieren und leistungsfähige Werkstoffe für sicherheitsrelevante Anwendungen zu entwickeln“, ergänzt die Landeschefin. Das Land Niederösterreich hat die Bewerbung im November eingereicht, die Entscheidung fällt im Juni 2026.
„Es ist also nicht fix, aber wir haben unsere Hausaufgaben erledigt“, sagt Mikl-Leitner. Der operative Start vom neuen Niederösterreichischen Kompetenzzentrum für Sicherheit in Wiener Neustadt wäre am 1. Jänner 2027. Das Budget beträgt 24 Millionen Euro. „Damit würde man in den Bereichen Sicherheit und Innovationskraft wieder einen neuen Meilenstein setzen“, so die Landeshauptfrau.
Eliteeinheiten Cobra und Jagdkommando und renommierte Militärakademie
Anlassbezogen nutzte Johanna Mikl-Leitner dann auch die Gelegenheit, um Forderungen an den Bund zu bekräftigen, darunter die „Europe First“-Forderung im Vergaberecht, vor allem in der Bahnindustrie, aber auch bei Aufträgen im Sicherheitsbereich. „Wenn Europa nur US-amerikanische Sicherheits-Konzerne beauftragt, haben wir alles falsch gemacht“, meinte Johanna Mikl-Leitner.
Wiener Neustadt als Standort profitiert und lebt die mittlerweile geschaffene Symbiose in den Bereichen Sicherheit, Bildung, Gesundheit, Forschung, Technologie und Wirtschaft. Das inkludiert die renommierten sicherheitsrelevanten Eliteeinheiten Cobra und Jagdkommando, die ebenso renommierte Militärakademie des Österreichischen Bundesheeres, das örtliche Universitätsklinikum im Bereich der Human-Medizin, bis hin zum auch international viel beachteten MedAustron (Anm. Strahlen-Therapie in der Human-Medizin) oder die Danube Private University.
Neben sicherheitsrelevanten Technologien auch Luftfahrt, Materialien oder Medizin im Fokus
„Wir fokussieren uns auf Luft- und Raumfahrt, Materialien-Tribologie-Oberflächen, Medizin-Gesundheit und zunehmend sicherheitsrelevante Technologien“, skizziert Klaus Schneeberger das umfassende Spektrum zum Thema Standortprofilierung. Als verbindende Spange vernetzt der Space Hub Wiener Neustadt dabei Forschung, Ausbildung und Wirtschaft.
Stellvertretend für Wirtschaftsbetriebe waren etwa auch die RHP-Technology GmbH mit Manging Director Michael Kitzmantel bei der aktuellen Veranstaltung und stellten Projektinnovationen vor. Ein Beispiel von RHP-Technology ist die Entwicklung keramischer Hochleistungsmaterialien für ballistischen Schutz. „Keramische Einsätze aus Borkarbid und Aluminiumoxid sind das Rückgrat moderner Schutzsysteme – sie verbinden höchste Sicherheit mit geringem Gewicht“, erläutert Michael Kitzmantel von RHP.
Erfolgsmodell Technopole und freie Flächen in Wiener Neustadt
Marlies Bartel-Schlauf, Chemikerin von der FOTEC erläuterte dann Projekte zu intelligenten ABC-/CBRN-Filtern, die etwa in Militärfahrzeugen zum Einsatz kommen könnten. „Wir wollen Luftfilter entwickeln, die erkennen, ob sie belastet wurden, und die sich im Betrieb teilweise selbst regenerieren können — ohne den Filter auszubauen“, erklärt Bartel-Schlauf von FOTEC. Neben dem Technopol-Standort Wiener Neustadt sind auch Krems, Tulln und Wieselburg Technopol-Zentren.
Alle diese Zentren für wirtschaftsorientierte Innovation werden von ecoplus als Wirtschaftsagentur des Landes Niederösterreich betreut. Technopole bieten technologie- und forschungsorientierten Unternehmen moderne Büro- und Laborflächen sowie die Chance, Synergien für Innovationen und die bestehenden Netzwerke zu nutzen. Aktuell stehen im TFZ Wiener Neustadt noch freie Flächen zur Verfügung“, informierte Helmut Miernicki, Geschäftsführer von ecoplus. „Wir gestalten hier aktiv die niederösterreichische Innovationslandschaft mit“. (red/czaak)