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Euro­pas Digi­tale Souveränität

In Deutsch­land star­ten SPRIND und BM für Wirt­schaft und Kli­ma­schutz Inno­va­ti­ons­wett­be­werb zur Stei­ge­rung der Digi­ta­len Sou­ve­rä­ni­tät. 12 Mil­lio­nen Euro für neue Ansätze zu The­men KI und Cöloud. Auch an die­ser SPRIND-Initia­tive kann sich Öster­reich ein Bei­spiel nehmen.

Fort­schritte bei der Ent­wick­lung und dem Trai­ning von Künst­li­cher Intel­li­genz (KI) haben mas­sive Aus­wir­kun­gen auf Wirt­schaft und Gesell­schaft. KI-Modelle kön­nen den medi­zi­ni­schen Erkennt­nis­ge­winn beschleu­ni­gen, selbst­ler­nende Indus­trie­ro­bo­ter oder auch kom­plexe Ver­kehrs­pro­zesse opti­mie­ren. Die Fähig­keit, Daten für KI zu ver­ar­bei­ten und zu nut­zen, wirkt sich damit unmit­tel­bar auf die Wett­be­werbs­fähig­keit von Unter­neh­men und Volks­wirt­schaf­ten aus. 

Im Wett­lauf um leis­tungs­fähige KI domi­nie­ren aktu­ell wenige Unter­neh­men, die über große zen­tra­li­sierte Rechen­ka­pa­zi­tä­ten ver­fü­gen. Ins­be­son­dere Unter­neh­men in Nord­ame­rika und Asien sind dabei füh­rend. Deutsch­land und Europa ver­lie­ren zuneh­mend den Anschluss beim Trai­ning gro­ßer KI-Modelle und kön­nen dadurch bei die­ser Schlüs­sel­tech­no­lo­gie nicht ernst­haft konkurrieren. 

Wirt­schaft braucht eigene Fähig­kei­ten und Kapa­zi­tä­ten bei KI und Cloud
Um die­ser Her­aus­for­de­rung zu begeg­nen, star­tet die Bun­des­agen­tur für Sprung­in­no­va­tio­nen SPRIND im Auf­trag des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Wirt­schaft und Kli­ma­schutz (BMWK) die SPRIND Chall­enge „Com­po­site Lear­ning“, ein Art Kom­po­si­tion aus dezen­tra­lem, ver­teil­tem und fö­de­rier­tem Ler­nen. Bis zu zehn Teams erar­bei­ten dabei in drei Stu­fen Lö­sun­gen für das dezen­trale Trai­ning von KI-Model­len auf hete­ro­ge­ner Hard­ware. Die Chall­enge knüpft an das im Rah­men der euro­päi­schen 8ra- Initia­tive ent­ste­hende „Important Pro­ject of Com­mon Euro­pean Inte­rest“ zu „Next Gene­ra­tion Cloud Infra­struc­ture and Ser­vices“ (IPCEI-CIS) an. 

„Die Wirt­schaft in Deutsch­land und Europa braucht eigene Fähig­kei­ten und Kapa­zi­tä­ten bei zen­tra­len Digi­tal­tech­no­lo­gien wie Künst­li­cher Intel­li­genz und Cloud. Dazu muss es gelin­gen, Know­how und Res­sour­cen zu bün­deln“, sagt Anna Christ­mann, Beauf­tragte für die Digi­tale Wirt­schaft und Start-Ups im deut­schen Bun­des­mi­nis­te­rium für Wirt­schaft und Kli­ma­schutz. „Der Inno­va­ti­ons­wett­be­werb der SPRIND ist ein wich­ti­ger Schritt, um die digi­tale Sou­ve­r­ä­ni­tät Deutsch­lands und Euro­pas zu stär­ken. Ich hoffe auf eine breite Betei­li­gung und dass wir die Ergeb­nisse der Chall­enge schon bald in der Anwen­dung sehen“, so Christmann. 

SPRIND Inno­va­ti­ons­wett­be­werb in drei Stufen
Im Bewerb sol­len die Teams an der tech­no­lo­gi­schen Grenze des Mög­li­chen arbei­ten und die Zukunft von dezen­tra­li­sier­tem KI-Trai­nings gestal­ten. Ziel ist die Ent­wick­lung eines Rah­mens, wel­cher das Poten­zial von Com­po­site Lear­ning in ver­teil­ten und hete­ro­ge­nen Umge­bun­gen demons­triert. Die Lö­sun­gen sol­len zei­gen, wie KI-Modelle auf ver­schie­de­nen Gerä­ten und Stand­or­ten, mit unter­schied­li­cher Hard­ware und Daten, effi­zi­ent und sicher trai­niert wer­den kön­nen. Dabei sol­len bestehende Ein­schrän­kun­gen über­wun­den wer­den, wie man­gelnde tech­no­lo­gi­sche Kom­pa­ti­bi­li­tät, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­eng­päs­sen und die Abhän­gig­keit von zen­tra­len Update-Servern. 

Die SPRIND Chall­enge „Com­po­site Lear­ning“ hat eine Lauf­zeit von 2,5 Jah­ren in 3 Stu­fen. Für die Finan­zie­rung der Teams ste­hen ins­ge­samt fast 12 Mil­lio­nen Euro zur Ver­fü­gung. In Stufe 1 wer­den bis zu zehn Teams finan­ziert, in Stufe 2 bis zu sie­ben Teams und in Stufe 3 bis zu fünf Teams. Für Stufe 1 bekom­men die aus­ge­wähl­ten Teams zu Beginn der Chall­enge jeweils bis zu 530.000 Euro. Diese schnelle, fle­xi­ble und unbüro­kra­ti­sche Finan­zie­rung soll maß­geb­lich zum Erfolg des Pro­jekts bei­tra­gen. Die Ent­schei­dung über die Teil­nahme wird im Anschluss an eine Prä­sen­ta­tion am 29./30. Januar 2025 in Leip­zig von einer Fach­jury getrof­fen. Direkt im Anschluss star­tet die Stufe 1 über einen Zeit­raum von zwölf Monaten. 

Bewer­bungs­schluss für die Teil­nahme an der SPRIND Chall­enge „Com­po­site Lear­ning“ ist der 15. Jän­ner 2025. Wei­tere Infor­ma­tio­nen und die Teil­nah­me­be­din­gun­gen fin­den Inter­es­sierte unter www.sprind.org/composite-learning. Der Bewerb knüpft an die Arbeit des IPCEI-CIS des BMWK zur För­de­rung der digi­ta­len Sou­ve­r­ä­ni­tät Deutsch­lands und Euro­pas an. Das über­ge­ord­nete För­der­ziel, fort­schritt­li­che Tech­no­lo­gien für das „Multi-Pro­vi­der Cloud-Edge Con­tin­uüm“ zu ent­wi­ckeln, ist dar­auf ange­legt, den Aus­tausch und die Ver­ar­bei­tung gro­ßer Men­gen von Daten mit extrem nied­ri­ger Latenz zu ermöglichen. 

SPRIND und die SPRIND Challenges
SPRIND Chal­lenges sind Inno­va­ti­ons­wett­be­werbe, bei denen die teil­neh­men­den Teams schnell und unbüro­kra­tisch finan­zi­ell unter­stützt wer­den, um Lö­sun­gen für die gro­ßen gesell­schaft­li­chen und tech­no­lo­gi­schen Her­aus­for­de­run­gen unse­rer Zeit her­vor­zu­brin­gen. Bei den SPRIND Chal­lenges star­ten die Teams in einen mehr­stu­fi­gen Wett­be­werb. Zum Ende jeder Stufe wird die Arbeit der Teams eva­lu­iert und nur die Bes­ten ver­blei­ben im Wett­be­werb und erhal­ten wei­tere finan­zi­elle Unter­stüt­zung, um ihre Idee weiterzuentwickeln. 

Die Bun­des­agen­tur für Sprung­in­no­va­tio­nen SPRIND wurde 2019 mit Geschäfts­sitz in Leip­zig gegrün­det. Allei­nige Gesell­schaf­te­rin ist die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, ver­tre­ten durch das BMBF und das BMWK. SPRIND soll neue, bahn­bre­chende Tech­no­lo­gien für die gro­ßen Her­aus­for­de­run­gen unse­rer Zeit fin­den und par­al­lel gewähr­leis­ten, dass die dar­aus ent­ste­hende unter­neh­me­ri­sche Wert­schöp­fung in Deutsch­land und Europa bleibt. SPRIND wird aus Mit­teln des Bun­des­haus­halts finan­ziert. Geführt wird SPRIND von Rafael Laguna de la Vera und Berit Dannenberg.

Die euro­päi­sche Digi­tal­in­itia­tive IPCEI-CIS
Das IPCEI-CIS ist die zen­trale digi­tale Initia­tive für Europa, die von mehr als 100 Unter­neh­men und For­schungs­ein­rich­tun­gen aus 12 EU-Mit­glied­staa­ten vor­an­ge­trie­ben wird, um das welt­weit erste “Multi-Pro­vi­der Cloud-Edge Con­tin­uüm” auf­zu­bauen. Das Haupt­ziel ist es, eine völ­lig neue dezen­trale Soft­ware-Infra­struk­tur für die fort­schritt­li­che Nut­zung von Daten­ver­ar­bei­tungs­res­sour­cen von der Cloud bis zur Edge zu schaffen. 

Die­ses neu­ar­tige offene Öko­sys­tem, das von meh­re­ren Anbie­tern betrie­ben wird, wird sowohl tech­no­lo­gi­sche Abhän­gig­kei­ten als auch Lock-in-Effekte redu­zie­ren. Dar­ü­ber hin­aus wird es neu­ar­tige und inno­va­tive daten­ge­trie­bene Geschäfts­mo­delle ermög­li­chen, z.B. im Zusam­men­hang mit Künst­li­cher Intel­li­genz und IIoT (Indus­trial-Inter­net-of-Things), für ein brei­tes Ein­satz­spek­trum in Bran­chen wie Fer­ti­gung, Mobi­li­tät, Ener­gie und Tourismus. 

Autor: red/czaak
25.11.2024

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