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Fach­kräf­te­man­gel bleibt große Belas­tung für Betriebe

Enga­ge­ment neuer Mit­ar­bei­ter wei­ter­hin zen­trale Her­aus­for­de­rung der hei­mi­schen Wirt­schaft. 82 Pro­zent der Unter­neh­men haben Pro­bleme bei der Fin­dung geeig­ne­ter Fach­kräfte, so eine aktu­elle Erhe­bung von EY.

Öster­reichs Wirt­schaft fehlt es bereits seit eini­gen Jah­ren bran­chen­über­grei­fend an qua­li­fi­zier­tem Per­so­nal. Letz­tes Jahr erreichte der Fach­kräf­te­man­gel mit 87 Pro­zent einen Höchst­stand. Und auch die­ses Jahr haben 82 Pro­zent der befrag­ten Unter­neh­men Schwie­rig­kei­ten bei der Fin­dung neuer und aus­rei­chend qua­li­fi­zier­ter Mit­ar­bei­ter. Ein zen­tra­ler Fak­tor sind dabei auch die stei­gen­den Rekru­tie­rungs­kos­ten, wo aktu­ell jedes zweite hei­mi­sche Unter­neh­men angibt, dass diese Kos­ten in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren kon­ti­nu­ier­lich gestie­gen sind.

Anteil hei­mi­scher Unter­neh­mer beson­ders hoch
Dabei ist beson­ders der Anteil hei­mi­scher Unter­neh­mer so hoch wie nie (47 Pro­zent). Im Jän­ner 2022 waren das noch 27 Pro­zent, im Jän­ner 2023 hat­ten dann bereits 42 Pro­zent große Schwie­rig­kei­ten bei der Rekru­tie­rung. Das sind Ergeb­nisse der Stu­die „Beschäf­ti­gung und Fach­kräf­te­man­gel in Öster­reich“ von der Prü­fungs- und Bera­tungs­or­ga­ni­sa­tion EY, wo öster­reich­weit rund 600 Ver­ant­wort­li­che von mit­tel­stän­di­schen Unter­neh­men mit 30 bis 2.000 Mit­ar­bei­te­rIn­nen befragt wurden.

Nur rund jedem fünf­ten Mit­tel­ständ­ler (18 Pro­zent) fällt es eige­nen Anga­ben zufolge der­zeit leicht Fach­per­so­nal zu fin­den. Damit hat sich die Lage im Ver­gleich zum Vor­jahr gleich­zei­tig auch etwas ent­spannt. 2023 hat­ten nur 13 Pro­zent „leicht“ Per­so­nal gefun­den. Zwei Drit­tel (66) der öster­rei­chi­schen Unter­neh­me­rIn­nen sehen den Fach­kräf­te­man­gel dar­über hin­aus auch als enor­mes Risiko für die Zukunft des Betriebs — und das noch vor hohen Roh­stoff­prei­sen, mög­li­cher Rezes­sion und Inflation.

Die Aus­wir­kun­gen in ein­zel­nen Branchen
Bran­chen­spe­zi­fisch haben beson­ders die Berei­che Gesund­heit und Life Sci­ence mit Rekru­tie­rungs­schwie­rig­kei­ten zu kämp­fen. 60 Pro­zent geben hier an, sehr schwer Per­so­nal zu fin­den, 29 Pro­zent fin­den eher schwer Fach­kräfte. Stark betrof­fen ist auch der Tou­ris­mus (60 bzw. 27 Pro­zent), gefolgt von der Indus­trie (50 bzw. 31 Pro­zent). „Der anhal­tende Fach­kräf­te­man­gel stellt eine der größ­ten Her­aus­for­de­run­gen für den öster­rei­chi­schen Mit­tel­stand dar. Trotz inten­si­ver Bemü­hun­gen der Unter­neh­men, qua­li­fi­zier­tes Per­so­nal zu rekru­tie­ren, wurde die Lücke sogar grö­ßer“, betont Erich Leh­ner, Mana­ging Part­ner und Mit­tel­stands­experte bei EY Österreich.

Ein ande­res Thema im Kon­text neue Mit­ar­bei­ter ist die aktu­elle Kon­junk­tur. Nur mehr jeder fünfte Betrieb (21Prozent) in Öster­reich will künf­tig zusätz­li­che Beschäf­tigte ein­stel­len. Par­al­lel ist der Anteil derer, die Stel­len strei­chen wol­len, gegen­über Jän­ner 2023 spür­bar von 15 auf 18 Pro­zent gestie­gen. So hoch war der Pro­zent­satz seit 2009, dem Höhe­punkt der welt­wei­ten Wirt­schafts- und Finanz­krise, nicht mehr.

Der Fak­tor Fach­kräf­te­man­gel und betrieb­li­che Umsatzeinbußen
Umge­kehrt pla­nen ledig­lich drei Pro­zent der Betriebe zusätz­li­che Stel­len zu schaf­fen. Eine ähn­lich geringe Beschäf­ti­gungs­dy­na­mik wurde zuletzt 2013 ver­zeich­net (4 Pro­zent), selbst im Corona-Kri­sen­jahr 2021 lag der Saldo mit neun Pro­zent noch höher als aktu­ell. Die meis­ten neuen Stel­len wol­len Unter­neh­men in Vor­arl­berg (30 Pro­zent), Wien (24) und Kärn­ten (21) schaf­fen. Am wenigs­ten neue Arbeits­plätze sind im Bur­gen­land (10 Pro­zent) geplant, so EY in einer Aussendung.

In Öster­reich gestal­tet sich der Fach­kräf­te­man­gel auch wirt­schaft­lich her­aus­for­dernd. Knapp die Hälfte aller Unter­neh­men (45 Pro­zent) ver­zeich­net Umsatz­ein­bu­ßen infolge der Per­so­nal­not – genauso viele wie vor einem Jahr. Aller­dings ist der Anteil jener, die erheb­li­che Ein­bu­ßen von mehr als fünf Pro­zent des Umsat­zes bekla­gen, von 16 auf 19 Pro­zent gestie­gen. Beson­ders aus­ge­prägt sind die wirt­schaft­li­chen Fol­gen des Fach­kräf­te­man­gels im Gesund­heits­be­reich (69 Pro­zent), im Tou­ris­mus (50) und in der Indus­trie (40 Prozent).

Die Situa­tion in den Bundesländern
Run­ter­ge­bro­chen auf die Öster­rei­chi­schen Bun­des­län­der zei­gen sich regio­nale Unter­schiede : Am aus­ge­präg­tes­ten ist der Fach­kräf­te­man­gel in Ober­ös­ter­reich, wo 86 (!) Pro­zent große Pro­bleme ange­ben, vor der Stei­er­mark (83), Tirol (80) und Wien (79 Pro­zent). Am bes­ten ist die Situa­tion noch in Nie­der­ös­ter­reich und im Bur­gen­land, aber auch hier kla­gen mehr als 30 Pro­zent über große Schwie­rig­kei­ten bei der Fachkräfterekrutierung.

„Der Fach­kräf­te­man­gel wird zum größ­ten Risiko für Unter­neh­men und kann sogar als exis­tenz­be­dro­hend bezeich­net wer­den. Wir müs­sen jetzt gezielte Maß­nah­men ergrei­fen, um die Aus­bil­dung und Wei­ter­bil­dung zu för­dern, Anreize für Fach­kräfte zu schaf­fen und viel­leicht auch neue Wege in der Arbeits­mi­gra­tion zu beschrei­ten“, unter­streicht Erich Leh­ner von EY Öster­reich. „Der Fach­kräf­te­man­gel ist ein kom­ple­xes Pro­blem, das eine viel­schich­tige und nach­hal­tige Stra­te­gie erfordert.“

Autor: red/czaak
23.01.2024

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