
Fehlendes Bewusstsein für NIS-Gesetz
In vielen Unternehmen ist das Bewusstsein für wirtschaftliche Folgen möglicher Cyberangriffe noch nicht ausreichend vorhanden. NIS-Gesetz nach Ende Übergangsfrist ab Oktober gültig. 17 Prozent der österreichischen Betriebe betroffen. Risiko für Umsatzeinbußen.
17 Prozent der österreichischen Unternehmen sind vom NISG 2026, das nach Ende der Übergangsfrist ab 1. Oktober 2026 in Österreich Realität wird, betroffen. Rund ein Drittel der betroffenen Betriebe wird die Vorgaben jedoch nicht rechtzeitig erfüllen. Damit riskieren die Betriebe Umsatzeinbußen und unter Umständen ihre wirtschaftliche Stabilität.
Umgekehrt verfügen 75 Prozent dieser betroffenen Unternehmen über einen konkreten Maßnahmenplan zur Implementierung notwendiger Sicherheitsvorkehrungen. Diese Zahlen zeigt die aktuelle Austrian-Business-Check-Umfrage des Kreditschutzverbandes KSV1870. Der Verband unterstützt bei der Umsetzung erforderlicher gesetzlicher Vorgaben mit einem eigenen CyberRisk Rating.
Deutliche Zunahme der Cyberangriffe in Österreich
Die Zahl der Cyberangriffe hat in den vergangenen Jahren in Österreich deutlich zugenommen. Allein im Vorjahr wurden über 63.000 Fälle von Internetkriminalität registriert. Davon entfielen laut kriminalpolizeilicher Statistik rund 22.000 Fälle auf Cybercrime. Infolge dieser Entwicklung sehen sich zunehmend mehr Unternehmen mit wirtschaftlichen Schäden konfrontiert. Doch an dieser Stelle spielt nicht nur der finanzielle Aspekt eine Rolle, sondern auch die Handlungsfähigkeit der Betriebe.
„Mit der EU-weiten Harmonisierung soll Europas digitale Resilienz gestärkt werden. Nachdem in Österreich der erste Versuch, die EU-Richtlinie in Form eines eigenen Gesetzes umzusetzen, 2024 gescheitert ist, erfolgt jetzt ein wesentlicher Schritt für mehr Cybersicherheit“, erklärt Ricardo-José Vybiral, CEO der KSV1870 Holding AG. Ziel des neuen Gesetzes ist es, für ein höheres Sicherheitsniveau von Netz- und Informationssystemen zu sorgen sowie die Resilienz und die Reaktion auf Sicherheitsvorfälle deutlich zu verbessern.
Umsetzung bleibt häufig die größte Hürde
Ab dem 1. Oktober 2026 müssen sowohl Betriebe kritischer Sektoren als auch deren Lieferanten einen Nachweis über entsprechende Cybersicherheitsmaßnahmen im Unternehmen vorlegen. Liegt dieser Nachweis nicht vor, wird es künftig deutlich schwieriger, Umsätze zu erzielen, da der gesetzliche Rahmen für Geschäftsbeziehungen zwischen diesen beiden Partnern ab diesem Zeitpunkt nicht mehr vollständig erfüllt ist. „Von dieser Regulatorik sind in Österreich laut Umfrage 17 Prozent der Unternehmen betroffen“, so die KSV-Experten. Doch obwohl das Zeitfenster für Vorkehrungen bis Anfang Oktober immer knapper wird, scheint das Bewusstsein für die wirtschaftlichen Folgen eines Cyberangriffs noch nicht überall angekommen zu sein.
Zwar liegt in drei von vier Betrieben ein konkreter Maßnahmenkatalog zur Senkung von Cyberrisiken vor, gleichzeitig scheitert rund ein Drittel an der fristgerechten Umsetzung. „Zwischen theoretischer Erkenntnis und praktischer Umsetzung klafft nach wie vor eine Lücke. Angesichts der zahlreichen aktuellen Risiken ist es unverständlich, dass viele Betriebe an der Umsetzung scheitern und damit ihre wirtschaftliche Stabilität aufs Spiel setzen“, erklärt Vybiral. „Gerade dort, wo es die Unternehmen selbst in der Hand haben, Risiken zu senken, sollten sie anpacken und nicht zögern“, betont Vybiral.
CyberRisk Rating erkennt Schwachstellen und reduziert Cyberrisiko
„In Anbetracht der steigenden Cybergefahr braucht es praktikable Lösungen zur Risikominimierung. Hier unterstützt der KSV1870 seit einigen Jahren mit dem CyberRisk Rating“, erklärt Robert Staubmann, Geschäftsführer der KSV1870 Nimbusec GmbH. Das Rating bewertet Cyberrisiken von Dienstleistern, Lieferanten und Dritten. Dahinter steht ein standardisiertes, mehrstufiges Verfahren, das auf dem Cyber-Risk-Schema des KSÖ (Kompetenzzentrum Sicheres Österreich) basiert.
„Technologisch wird es jährlich aktualisiert und ermöglicht eine schnelle, kosteneffiziente und gesetzeskonforme Bewertung von Lieferantenrisiken“, so Staubmann. Im Rahmen des Austrian Business Checks befragt der KSV1870 zweimal pro Jahr Unternehmen in Österreich zu ihrer wirtschaftlichen Situation. An der aktuellen Umfrage, die gemeinsam mit dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut Marketagent durchgeführt wurde, haben Angaben zufolge im März 2026 rund 1.100 Unternehmen teilgenommen. (red/czaak)