Zum Inhalt
© Pixabay_sasint_Fiskalrat_020626

Finan­zie­rung und Pla­nung aus einer Hand 

Exper­ten des Öster­rei­chi­schen Fis­kal­rats ver­öf­fent­li­chen ein Reform­pa­ket für das Öster­rei­chi­sche Gesund­heits­we­sen. Opti­mie­run­gen bei Pla­nung und Ein­kauf und Nut­zung medi­zi­ni­scher Geräte über Digi­ta­li­sie­rung bis ver­pflich­tende Gene­rika als Bei­spiele für die Hebung von Sparpotentialen.

Das öster­rei­chi­sche Gesund­heits­sys­tem steht ange­sichts stark stei­gen­der öffent­li­cher Gesund­heits­aus­ga­ben unter erheb­li­chem Reform­druck. Im Jahr 2025 lagen die öffent­li­chen Gesund­heits­aus­ga­ben bereits bei rund 50,5 Mrd. Euro. Ohne Refor­men ist bis 2070 mit einem wei­te­ren Anstieg der Gesund­heits­aus­ga­ben um rund 2,6 Pro­zent des BIP zu rech­nen. Dadurch würde das Gesund­heits­sys­tem einen immer grö­ße­ren Teil der öffent­li­chen Mit­tel bin­den und die Finan­zie­rung ande­rer staat­li­cher Auf­ga­ben zuneh­mend erschweren.

Vor die­sem Hin­ter­grund haben Flo­rian Bach­ner von der Gesund­heit Öster­reich GmbH und Johan­nes Hol­ler vom Fis­kal­rats­büro ein Papier zu Refor­men im öster­rei­chi­schen Gesund­heits­sys­tem ver­fasst. Das umfang­rei­che Doku­ment ist auf der Web­site des Fis­kal­ra­tes ver­füg­bar (siehe Link) und zeigt sowohl kurz­fris­tig bud­get­wirk­same Optio­nen als auch mit­tel- bis lang­fris­tig ange­legte Struk­tur­re­for­men auf.

Gemein­sa­mer Ein­kauf von medi­zi­ni­schen Gerä­ten und Arz­nei­mit­teln und effi­zi­en­tere Nut­zung von Großgeräten

Die Exper­ten sehen dabei drin­gen­den Hand­lungs­be­darf : Bereits kurz­fris­tig kön­nen Reform­maß­nah­men dazu bei­tra­gen, Kos­ten­ent­wick­lun­gen zu dämp­fen und bestehende Res­sour­cen effi­zi­en­ter zu nut­zen. Zu den Reform­op­tio­nen zäh­len unter ande­rem ein gemein­sa­mer Ein­kauf von medi­zi­ni­schen Gerä­ten, Ver­brauchs­gü­tern und Arz­nei­mit­teln oder eine effi­zi­en­tere Nut­zung von Großgeräten.

Auch die Reduk­tion von Low-Value-Care (Anm. medi­zi­ni­sche Behand­lun­gen oder Medi­ka­tio­nen, die für Pati­en­ten kei­nen oder nur mini­ma­len Nut­zen haben) sowie eine ver­pflich­tende Gene­rika- und Bio­si­mi­lar-Nut­zung (Anm. kos­ten­güns­ti­gere Nach­ah­mer­pro­dukte) zei­gen rele­van­tes Spar­po­ten­tial. Ebenso das Thema Digi­ta­li­sie­rung, wo etwa allein schon der ver­pflich­tende digi­tale Aus­tausch von Bild­da­ten und Befun­den hel­fen kann, Dop­pel­un­ter­su­chun­gen zu ver­mei­den und Abläufe im Sys­tem zu verbessern.

Finan­zie­rung und Pla­nung aus einer Hand und eine über­re­gio­nale und bedarfs­ori­en­tierte Versorgungsplanung

Dar­über hin­aus brau­che es auch struk­tu­relle Refor­men, um das Gesund­heits­sys­tem lang­fris­tig qua­li­ta­tiv hoch­wer­tig, effi­zi­ent und finan­zier­bar zu hal­ten. Dazu zäh­len ins­be­son­dere eine Finan­zie­rung und Pla­nung aus einer Hand, eine über­re­gio­nale und bedarfs­ori­en­tierte Ver­sor­gungs­pla­nung, mehr ambu­lante Behand­lungs­for­men und eine Redi­men­sio­nie­rung der sta­tio­nä­ren Ver­sor­gung. Wei­tere Ansatz­punkte sind die Effi­zi­enz­stei­ge­rung der Kran­ken­an­stal­ten, eine Reform der Hono­rar­ar­chi­tek­tur im nie­der­ge­las­se­nen Bereich, die Har­mo­ni­sie­rung von Leis­tungs- und Hono­rar­ka­ta­lo­gen der Kran­ken­ver­si­che­rungs­trä­ger sowie eine stär­kere Prä­ven­tion und Gesundheitsförderung.

Mit der aktu­ell lau­fen­den Reform­part­ner­schaft Gesund­heit besteht ein wich­ti­ger poli­ti­scher Rah­men, um kon­krete Ergeb­nisse zu erar­bei­ten. Das vor­lie­gende Papier soll einen fach­li­chen Impuls für diese Dis­kus­sio­nen set­zen und auf­zei­gen, wel­che Maß­nah­men geeig­net sind, die lang­fris­tige Finan­zier­bar­keit und Leis­tungs­fä­hig­keit des öster­rei­chi­schen Gesund­heits­sys­tems zu sichern, so die Exper­ten des Fis­kal­rats. (red/​czaak)

Autor: red/czaak
02.06.2026

Weitere aktuelle Artikel

Digi­tale Sou­ve­rä­ni­tät galt lange als poli­ti­sches Schlag­wort. Inzwi­schen ist sie für Unter­neh­men ope­ra­tive Rea­li­tät. Ein Exper­ten­kom­men­tar von Robin Schmeis­ser, Geschäfts­füh­rer von Faba­soft Contracts. Mit der rasant stei­gen­den Ver­brei­tung von künst­li­cher Intel­li­genz (KI), wach­sen­den Cloud-Abhän­gig­kei­ten und zuneh­men­dem regu­la­to­ri­schem Druck stellt sich eine unbe­queme Frage : Wie viel Kon­trolle haben Unter­neh­men noch über ihre Daten, Sys­teme und digi­ta­len […]
2024 wur­den in Öster­reich mehr Unter­neh­men gegrün­det. Fast 90 Pro­zent der Start-Ups kom­men aus den Berei­chen Dienst­leis­tung und Han­del und die über­wie­gende Mehr­heit sind Klein(st)unternehmen. Exakt 39.554 neue Betriebe wur­den laut Sta­tis­tik Aus­tria im Jahr 2024 in Öster­reich gegrün­det. Das ist eine Stei­ge­rung um rund fünf Pro­zent gegen­über 2023 als Vor­jahr. Für das Jahr 2025 lie­gen […]
US-Tech-Kon­zerne bauen Domi­nanz an den Welt­bör­sen wei­ter aus. KI-Boom treibt Bewer­tun­gen auf neue Rekorde. Nvi­dia, Alpha­bet und Apple aktu­ell als höchst­be­wer­tete Unter­neh­men. 36 Tech-Com­pa­nies unter Top 100. Kein euro­päi­sches Unter­neh­men unter den Top 10.  Die wert­volls­ten bör­sen­no­tier­ten Unter­neh­men der Welt haben ihren Markt­wert im ers­ten Halb­jahr 2026 erneut kräf­tig gestei­gert, und das, trotz geo­po­li­ti­scher Span­nun­gen, Kon­junk­tur­flaute […]
Land NÖ stärkt regio­nale Betriebe mit wei­te­ren Inves­ti­tio­nen. NÖBEG inves­tiert wei­tere 5 Mil­lio­nen Euro in kleine und mit­tel­stän­di­sche Unter­neh­men und sichert damit auch über 250 Arbeits­plätze. Gesam­tes aktu­el­les Invest­vo­lu­men in Höhe von 15 Mil­lio­nen Euro. Die Nie­der­ös­ter­rei­chi­sche Lan­des­re­gie­rung hat soeben stille Betei­li­gun­gen der NÖ Bürg­schaf­ten und Betei­li­gun­gen GmbH (NÖBEG) für sechs nie­der­ös­ter­rei­chi­sche Unter­neh­men im Aus­maß von rund […]
Fis­kal­rat kri­ti­siert Bud­get­si­tua­tion. Kon­so­li­die­rungs­pfad klar ver­fehlt. Defi­zit bis 2030 wei­ter über drei Pro­zent­grenze des BIP. Keine Struk­tur­re­for­men. Ergeb­nis­lose Reform­part­ner­schaft mit Län­dern und Gemein­den. Keine Kri­sen­re­si­li­enz und wachs­tums­ori­en­tierte Maßnahmen. Die öster­rei­chi­sche Bun­des­re­gie­rung in Per­son von Finanz­mi­nis­ter Mar­kus Mar­ter­bauer hat kürz­lich ihr Dop­pel­bud­get für die Jahre 2027 und 2028 ver­öf­fent­licht. Nun hat der öster­rei­chi­sche Fis­kal­rat seine ent­spre­chende […]
magnifier
linkedin facebook pinterest youtube rss twitter instagram facebook-blank rss-blank linkedin-blank pinterest youtube twitter instagram