
Firmenpleiten nehmen weiter zu
Weg von einem hohen Niveau sind Unternehmensinsolvenzen im Jahresvergleich um über fünf Prozent gestiegen. Aktuell zeigt sich eine Verlangsamung. Durch Personalmangel entgehen Betrieben Aufträge, so Erhebungen des KSV.
Laut aktueller Hochrechnung des Kreditschutzverbandes KSV1870 mussten in den ersten drei Quartalen 2025 in Österreich 5.110 Unternehmen Insolvenz anmelden. Das ist ein Plus von 5,3 Prozent und umgerechnet 19 Fälle pro Tag. Trotz des Anstiegs sind die vorläufigen Passiva um 58 Prozent auf rund 6,4 Mrd. Euro gesunken.
Heimische Unternehmen unverändert unter großem finanziellen Druck
Geschuldet ist diese Entwicklung einer deutlich geringeren Anzahl von Insolvenzen mit Passiva von mehr als 200 Mio. Euro. Darüber hinaus hat gegenüber dem Vorjahr fast ein Fünftel weniger Mitarbeiter (15.200 Personen) insolvenzbedingt ihren Job verloren. Weiters ist die Zahl der betroffenen Gläubiger um rund sechs Prozent auf 34.700 gesunken. Aus heutiger Sicht erwartet der KSV1870 am Jahresende bis zu 7.000 Unternehmensinsolvenzen.
Die Gefahr eines dritten Rezessionsjahres infolge ist in Österreich weiterhin nicht gebannt, die heimischen Unternehmen stehen unverändert unter großem finanziellen Druck. Zwar gab es zuletzt zaghafte Anzeichen einer leichten Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage, diese reichen jedoch bei weitem nicht aus, um die Insolvenzwelle einzudämmen.
Unternehmen müssen Aufträge ablehnen
„Neben dem insgesamt hohen Kostenniveau hat auch die vielerorts maximal durchschnittliche Auftragslage und damit einhergehend fehlende Umsätze zu einem Anstieg der Insolvenzen geführt“, analysiert Karl-Heinz Götze, Leiter KSV1870 Insolvenz, die Ursachen. „Der Personalmangel trägt auch seinen Teil dazu bei, dass viele Unternehmen Aufträge ablehnen müssen und damit Geld liegen bleibt“, so Götze weiter.
Im direkten Quartalsvergleich zeigt die aktuelle KSV1870 Hochrechnung eine leichte Verlangsamung der jüngsten Entwicklung. Ein Szenario, das bereits im Vorjahr zu beachten war. Besorgniserregend ist der höhere Anstieg der mangels Kostendeckung nicht eröffneter Insolvenzen. „Im Falle der knapp 1.800 nicht eröffneten Unternehmensinsolvenzen waren nicht einmal mehr 4.000 Euro vorhanden, um die Verfahrenskosten bei Gericht zu decken. Sie mussten daraufhin den Betrieb schließen und alle Mitarbeiter haben ihre Arbeitsplätze verloren“, so Götze.
Handel, Bau und Gastronomie/Beherbergung mit meisten Insolvenzen
Wie die aktuelle KSV1870 Hochrechnung belegt, verzeichnet der Handel die meisten Firmenpleiten. Im Vergleich zum Vorjahr sind seit Jahresbeginn insgesamt 921 Unternehmen (+ 10 Prozent) insolvent geworden. Weiters weist die Baubranche trotz eines leichten Rückgangs von drei Prozent die zweitmeisten Firmenpleiten (784) auf. Auf Position drei folgt der Sektor Beherbergung/Gastronomie mit 603 Fällen. Weiters sticht insbesondere das Grundstücks- und Wohnungswesen mit einem gravierenden Anstieg von 62 Prozent ins Auge.
„Trotz etwas weniger Pleiten in den vergangenen drei Monaten steht der Immobiliensektor weiterhin massiv unter Druck. Besonders Projektentwickler befinden sich angesichts einer angespannten Kostenstruktur und einer überschaubaren Anzahl an Bauprojekten nach wie vor in einer brenzligen Lage“, so Götze. Auf Basis aktueller Entwicklungen geht der KSV1870 weiterhin davon aus, dass in Österreich am Jahresende 2025 bis zu 7.000 Unternehmensinsolvenzen zu Buche schlagen könnten. (red/czaak)