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Fir­men­plei­ten und Pri­vat­kon­kurse errei­chen alt­be­kannte Niveaus

Laut aktu­el­ler Insol­venz­sta­tis­tik vom KSV1870 wur­den im abge­lau­fe­nen ers­ten Quar­tal 1.011 hei­mi­sche Unter­neh­men insol­vent. Die­ser Anstieg von 110 Pro­zent gegen­über dem Ver­gleichs­zeit­raum des Vor­jah­res ent­spricht den Stän­den vor Corona. Glei­ches gilt für Privatkonkurse.

Die im Okto­ber 2021 ein­ge­setzte Trend­um­kehr bei den Fir­men­in­sol­ven­zen fin­det zu Beginn des neuen Jah­res eine Fort­set­zung. Par­al­lel dazu erhö­hen sich auch die vor­läu­fi­gen mone­tä­ren Pas­siva, und zwar um 56 Pro­zent auf 223 Mil­lio­nen Euro. Die bis dato größte Fir­men­pleite betrifft die Poly­tech­nik Luft- und Steue­rungs­tech­nik GmbH mit einem Volu­men von knapp 70 Mil­lio­nen Euro. Die Zahl der betrof­fe­nen Dienst­neh­mer hat sich auf rund 3.000 Per­so­nen ver­dop­pelt und jene der betrof­fe­nen Gläu­bi­ger in etwa um die Hälfte erhöht. 

Eine gewisse Sta­bi­li­tät im hei­mi­schen Insolvenzgeschehen
„Die aktu­el­len Zah­len befin­den sich in etwa auf ‚Vor-Kri­sen-Niveau‘, womit zwei Jahre nach Beginn der Corona-Krise eine gewisse Sta­bi­li­tät im hei­mi­schen Insol­venz­ge­sche­hen erreicht wurde“, erklärt Karl-Heinz Götze, Lei­ter KSV1870 Insol­venz. Die Ent­wick­lun­gen wür­den bestä­ti­gen, dass „die über fast ein­ein­halb Jahre auf sehr nied­ri­gem Niveau befind­li­chen Insol­ven­zen pri­mär den staat­li­chen Ein­grif­fen geschul­det waren.“ Diese lau­fen nun größ­ten­teils aus. 

„Die kom­men­den Monate wer­den zei­gen, wie sta­bil das wirt­schaft­li­che Fun­da­ment zahl­rei­cher Unter­neh­men tat­säch­lich ist“, so Götze. In abso­lu­ten Zah­len gab es im ers­ten Quar­tal 2022 die meis­ten Insol­ven­zen im Bereich „Han­del, Instand­hal­tung und Repa­ra­tur von Kraft­fahr­zeu­gen“ mit 176 Fäl­len, gefolgt von der Bau­wirt­schaft (164 Fälle) und dem Gesund­heits- und Sozi­al­we­sen (115 Fälle). Knapp dahin­ter auf Posi­tion vier befin­det sich die „Beher­ber­gung und Gas­tro­no­mie“ mit 114 Firmenpleiten. 

Sämt­li­che Bun­des­län­der mit Plus bei Insolvenzen
Die aktu­el­len KSV1870 Ergeb­nisse lie­fern für das erste Quar­tal 2022 ein sel­ten ein­heit­li­ches Bild in ganz Öster­reich. So ver­zeich­nen alle neun Bun­des­län­der deut­lich mehr Unter­neh­mens­in­sol­ven­zen als im Ver­gleichs­zeit­raum des Vor­jah­res. Wie bei den Pri­vat­kon­kur­sen steht auch hier Tirol ganz oben : 80 Fir­men­plei­ten bedeu­ten eine Stei­ge­rung von über 320 Pro­zent – geschul­det ist dies vor allem soge­nann­ten „Nach­hol­ef­fek­ten“ ver­gan­ge­ner Monate. Dahin­ter fol­gen Vor­arl­berg (+ 288 Pro­zent) und Nie­der­ös­ter­reich mit plus 234 Pro­zent. Den in Rela­tion gerings­ten Zuwachs gibt es in der Stei­er­mark – aber auch hier sind es plus 43 Pro­zent gegen­über dem ers­ten Quar­tal des Vorjahres. 

Par­al­lel zu den Fir­men­plei­ten fal­len im Ver­gleich auch die vor­läu­fi­gen Pas­siva höher aus. Ins­ge­samt sind die geschätz­ten Ver­bind­lich­kei­ten um 56 Pro­zent auf 223 Mil­lio­nen Euro gestie­gen. Im Bur­gen­land haben sich die Pas­siva von einer Mil­lion auf 29 Mil­lio­nen Euro erhöht, hier gab es meh­rere grö­ßere Insol­ven­zen. Beson­ders erhöhte Ver­bind­lich­kei­ten betref­fen auch Ober­ös­ter­reich (+ 213 Pro­zent), Nie­der­ös­ter­reich (+ 207) und Kärn­ten (+ 180). Umge­kehrt ver­zeich­nen Wien mit 58 Pro­zent und Vor­arl­berg mit 56 Pro­zent die deut­lichs­ten Rück­gänge – obwohl es auch hier mehr Plei­ten gibt. 

Mehr betrof­fene Dienst­neh­mer und Gläu­bi­ger und inter­na­tio­nale Krisen
Mit zuneh­men­den Unter­neh­mens­in­sol­ven­zen hat sich zuletzt auch die Zahl der betrof­fe­nen Dienst­neh­mer erhöht. Waren im ers­ten Quar­tal 2021 rund 1.500 Men­schen von einer Insol­venz ihres Arbeit­ge­bers betrof­fen, so sind es heuer 3.000 Per­so­nen (glei­che Ver­dopp­lung wie auch Anzahl der Insol­venz­fälle). Ein deut­li­ches Plus gibt es auch auf Gläu­bi­ger-Seite : Knapp 5.600 Gläu­bi­ger (+ 51 Pro­zent) müs­sen sich seit Jän­ner 2022 mit den Aus­wir­kun­gen eines insol­ven­ten Geschäfts­part­ners befas­sen. „Als KSV1870 ist es unsere Ver­pflich­tung, die best­mög­li­che Quote für geschä­digte Gläu­bi­ger zu errei­chen, siehe zuletzt auch der Fall „Salz­burg Scho­ko­lade“, wo eine Quote von 100 Pro­zent erreicht wer­den konnte“, betont Götze. 

Kri­sen­be­dingt sei eine seriöse Ein­schät­zung der Insol­ven­zen für die kom­men­den Monate mit gro­ßer Vor­sicht zu betrach­ten, so der KSV1870. Wie im pri­va­ten Bereich haben auch die öster­rei­chi­schen Unter­neh­men mit hohen Ener­gie- und Roh­stoff­prei­sen zu kämp­fen. „Aus heu­ti­ger Sicht ist erst­mals seit Aus­bruch der Pan­de­mie ein Jah­res­er­geb­nis auf ‚Vor-Kri­sen-Niveau‘ mög­lich“, so Götze. Für ganz Öster­reich wären das rund 5.000 Unter­neh­mens­in­sol­ven­zen – abhän­gig aber eben vom Ver­lauf der Kri­sen rund um Corona und Russ­land. Hinzu kom­men wei­tere Unsi­cher­heits­fak­to­ren wie die Infla­ti­ons­rate oder die Zins­an­pas­sun­gen durch die Euro­päi­sche Zentralbank.

Pri­vat­kon­kurse um ein Fünf­tel gestiegen
Auch bei den Pri­vat­kon­kur­sen setzt sich die im vier­ten Quar­tal 2021 erfolgte Trend­um­kehr im neuen Jahr fort, es gibt mehr pri­vate Plei­ten und höhere Pas­siva. Laut aktu­el­ler KSV1870 Hoch­rech­nung wur­den im ers­ten Quar­tal 2022 in Öster­reich 2.135 eröff­nete Schul­den­re­gu­lie­rungs­ver­fah­ren gezählt.

Das ent­spricht einem Plus von fast 20 Pro­zent gegen­über dem ers­ten Quar­tal des Vor­jah­res. Im Ver­gleich zum Jahr 2019, dem letz­ten „Nor­mal­jahr“ vor der Corona-Pan­de­mie, bedeu­tet das einen Rück­gang von etwas über 14 Pro­zent. Gleich­zei­tig sind im Ver­gleich zu den ers­ten drei Mona­ten des ver­gan­ge­nen Jah­res auch die vor­läu­fi­gen Pas­siva* gestie­gen – und zwar um 36 Pro­zent auf 269 Mil­lio­nen Euro. 

Autor: red/czaak
05.04.2022

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