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Fir­men­plei­ten ver­sus Hilfs­gel­der und die wei­tere Entwicklung

Die Corona-Pan­de­mie ist für 14 Pro­zent der Fir­men­in­sol­ven­zen in den letz­ten zwölf Mona­ten ver­ant­wort­lich. Ope­ra­tive Ursa­chen sind auch wei­ter­hin der Haupt­grund und die eigent­li­che Plei­te­welle soll erst kom­men, so eine aktu­elle Ana­lyse des Kre­dit­schutz­ver­ban­des von 1870. 

Neun von zehn hei­mi­schen Unter­neh­men müs­sen sich mit den finan­zi­el­len Fol­gen der Pan­de­mie beschäf­ti­gen, trotz­dem ist die Corona-Krise in den ver­gan­ge­nen zwölf Mona­ten nicht zum Aus­lö­ser Num­mer eins von Fir­men­plei­ten mutiert. Mehr noch: In den ver­gan­ge­nen sechs Mona­ten wur­den hier­zu­lande um rund 60 Pro­zent weni­ger Fir­men­plei­ten als vor der Krise gezählt. Haupt­ur­sa­che für rund 40 Pro­zent der Unter­neh­men sind hier wei­ter­hin ope­ra­tive Gründe. Die Wirt­schafts­krise selbst ist seit Beginn des ers­ten Lock­downs für knapp 14 Pro­zent aller insol­ven­ten Unter­neh­men verantwortlich. 

Covid-19 beschleu­nigt finan­zi­el­len Notstand
Die Pan­de­mie beschleu­nigt zum Teil auch Plei­ten, deren finan­zi­elle Mise­ren einen gänz­lich ande­ren Ursprung haben. Sobald jedoch die staat­li­chen För­der­maß­nah­men ein Ende fin­den und noch mehr Betriebe in grö­bere finan­zi­elle Tur­bu­len­zen gera­ten, wird die Pan­de­mie als Plei­ten­ur­sa­che stei­gen. Zu die­sem Ergeb­nis gelangt eine Ursa­chen­ana­lyse des KSV1870 von rund 1.300 Fir­men­plei­ten seit Beginn des ers­ten Lock­downs. „Das auf den ers­ten Blick posi­tive Ergeb­nis ist für die hei­mi­sche Wirt­schaft alles andere als erfreu­lich. Lang­fris­tig gese­hen kön­nen dadurch weit­aus gra­vie­ren­dere Pro­bleme ent­ste­hen als dies jetzt ohne­hin schon der Fall ist“, erklärt Karl-Heinz Götze, Lei­ter Insol­venz beim KSV1870. 

Unbe­ein­druckt von der anhal­ten­den Welt­wirt­schafts­krise sind für 39 Pro­zent ope­ra­tive Ursa­chen nach wie vor der mit Abstand häu­figste Aus­lö­ser einer Fir­men­pleite in Öster­reich. Dazu zäh­len Absatz- und Finan­zie­rungs­schwä­chen, eine schlechte Kos­ten­struk­tur auf­grund einer feh­ler­haf­ten Orga­ni­sa­tion, man­geln­des Con­trol­ling und Feh­ler in der Aus­wahl oder Füh­rung von Mit­ar­bei­tern. Auf Platz zwei ran­gie­ren mit 19 Pro­zent „Unbe­herrsch­bare Umstände“ und zu die­ser Kate­go­rie zählt auch die Corona-Krise mit knapp 14 Pro­zent. Dar­über hin­aus tritt die Pan­de­mie zum Teil auch als Beschleu­ni­ger von Insol­ven­zen in Erschei­nung, deren ursäch­li­che Gründe eigent­lich andere sind. 

Gestei­gerte Insol­ven­zen ver­sus recht­zei­tige Sanierung
„Es ist zu erwar­ten, dass der Fak­tor Corona ab jenem Moment stei­gen wird, in dem die staat­li­chen Hilfs­gel­der ein Ende fin­den. Spä­tes­tens ab die­sem Zeit­punkt müs­sen auch jene Unter­neh­men der finan­zi­el­len Rea­li­tät ins Auge bli­cken, die aktu­ell künst­lich am Leben gehal­ten wer­den“, so Götze wei­ter. Dann wird für viele Betriebe „der Schul­den­berg nicht mehr zu stem­men sein“ und es besteht vie­ler­orts die Gefahr „einer voll­stän­di­gen Liqui­da­tion“. Das auch des­halb, weil sei­tens der Unter­neh­men häu­fig „zu lange mit einer Sanie­rung gewar­tet wird“ und in einem spä­ten Sta­dium mit­un­ter „nicht ein­mal mehr die Gerichts­kos­ten gedeckt wer­den kön­nen“, so die Ana­lyse des KSV1870. 

Der Gläu­bi­ger­schutz­ver­band appel­liert nun an finan­zi­ell gefähr­dete Unter­neh­men, sich früh­zei­tig mit einer Sanie­rung zu beschäf­ti­gen, um eine voll­stän­dige Liqui­da­tion der Firma tun­lichst zu ver­mei­den und letzt­lich Jobs zu ret­ten. Zusätz­lich gehe es auch darum, dass nicht noch mehr Betriebe in eine finan­zi­elle Insta­bi­li­tät gera­ten, die aktu­ell auf wirt­schaft­lich gesun­den Bei­nen ste­hen. Das würde aus volks­wirt­schaft­li­cher Sicht eine wei­tere nach­hal­tige Schwä­chung des gesam­ten Wirt­schafts­stand­or­tes Öster­reich bedeu­ten. Ange­spro­chen sind hier etwa Lie­fe­ran­ten von insol­venz­ge­fähr­de­ten Fir­men, die ob der Situa­tion ihrer Auf­trag­ge­ber nichts wis­sen und wei­ter auf Rech­nung liefern.

Unklare Ent­wick­lung
Ein rele­van­ter Fak­tor für Insol­ven­zen sind auch gra­vie­rende Grün­dungs­feh­ler sei­tens der Unter­neh­mer selbst. Neben feh­len­dem Bran­chen-Know-how, jeg­li­cher Eig­nung als Unter­neh­mer oder zu gerin­ges Eigen­ka­pi­tal, gehört für immer­hin rund 15 Pro­zent auch per­sön­li­ches Ver­schul­den bzw. Fahr­läs­sig­keit dazu. Gemeint sind hier straf­bare Hand­lun­gen, die Nach­läs­sig­keit der Geschäfts­füh­rung oder zu hohe Entnahmen. 

„Der öster­rei­chi­schen Wirt­schaft geht es ange­sichts der anhal­ten­den Corona-Krise deut­lich schlech­ter als es die aktu­el­len Insol­venz­zah­len ver­mu­ten lie­ßen. Dass es nach wie vor eine der­art geringe Anzahl an Fir­men­plei­ten gibt (Anm. in Quar­tal 2021 wurde der nied­rigste Wert an Fir­men­plei­ten seit 1977 erzielt) ist nicht zuletzt den poli­ti­schen Kunst­grif­fen ins hei­mi­sche Insol­venz­sys­tem geschul­det“, so die finale Erkennt­nis der KSV-Exper­ten. Ein Sys­tem, das seit vie­len Jahr­zehn­ten auch inter­na­tio­nal ein Erfolgs­mo­dell ist. Für die KSV-Gläu­bi­ger­schüt­zer ist es aber auch vor­stell­bar, dass am Ende die­ses Jah­res die Zahl der Fir­men­plei­ten „nicht dra­ma­tisch höher aus­fal­len könnte als im Vorjahr.“ 

Autor: red/czaak
26.04.2021

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