
Florierende Forschungslandschaft
Mit dem aktuellen Budget setzt Österreich sein Wachstum im Bereich Forschung und Entwicklung kontinuierlich fort. Zahlreiche begleitende Maßnahmen sollen die Innovationskraft des Landes zusätzlich stärken.
Der aktuelle Forschungs- und Technologiebericht, der im Auftrag des Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung, des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie und des Bundesministeriums für Wirtschaft, Familie und Jugend von Joanneum Research erstellt wurde, unterstreicht einmal mehr die positive Entwicklung der heimischen Forschungslandschaft.
Demnach hat Österreich in den vergangenen Jahren einen enormen Aufholprozess im Forschungsbereich gestartet und ist damit auf dem besten Weg, zu den europäischen „Innovation Leaders“ aufzuschließen. Bereits 1998 lag Österreich in der Intensität von Forschung und Entwicklung (F&E) über dem EU-Durchschnitt, 2004 schließlich auch über dem OECD-Durchschnitt. Derzeit liegt die Republik beim sogenannten European Innovation Scoreboard (kurz : EIS) auf dem 6. Platz und führt damit die Gruppe der „Innovation Followers“ an.
F&E‑Quote steigt
Auch heuer wird die F&E‑Quote trotz flauer Konjunktur weiter steigen. Derzeit geht man von einer Erhöhung von 2,66 Prozent (2008) auf 2,73 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. In Summe wird die F&E‑Finanzierung des Bundes mit 8,9 Prozent über dem Wert von 2008 liegen. Damit wird zugleich auch ein ganz wesentlicher Beitrag zur Stabilisierung der österreichischen Forschungsausgaben geleistet, denn schenkt man den Prognosen der Experten Glauben, ist aufgrund des schwachen Wirtschaftswachstums mit einem deutlichen Rückgang der F&E‑Ausgaben des Unternehmenssektors zu rechnen. Befürchtet wird ein Minus in der Größenordnung von mehr als fünf Prozent. Annähernd dieselbe Summe wird auch für jenen Anteil der F&E‑Ausgaben erwartet, die aus dem Ausland kommen. Zur Erklärung : Rund 90 Prozent der F&E‑Ausgaben im Unternehmenssektor stammen von ausländischen Konzernen, die F&E‑Aktivitäten ihrer österreichischen Töchterunternehmen finanzieren.
Angesichts dieser wenig berauschenden Aussichten mehren sich die Stimmen jener, die ein mittelfristiges „Wachstumspaket“ beziehungsweise ein „drittes Konjunkturpaket“ für F&E fordern. Dieses sollte, zeitgerecht geschnürt, spätestens dann wirksam werden, wenn es auch mit der allgemeinen wirtschaftlichen Situation wieder bergauf geht, und zusätzliche Impulse bewirken.
Förderprogramme
Neben dem Forschungsbudget werden von der Bundesregierung zahlreiche zusätzliche Maßnahmen getroffen. So etwa sollen die risikohaften und wachstumsorientierten Finanzierungsmöglichkeiten für innovative Technologieunternehmen ausgebaut und das Innovationsscheck-Förderprogramm für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) weitergeführt werden. KMU, die aus ökonomischen Gründen nicht die Möglichkeit haben, Forschungskompetenz im eigenen Haus aufzubauen, wird seitens der Bundesregierung mit einem entsprechenden Programm („Humanressourcen für die Wirtschaft“) hilfreich unter die Arme gegriffen. Erklärtes Ziel dieser Initiative ist es, österreichischen Unternehmen Innovations-Know-how zur Verfügung zu stellen.
Erhöhte Aufmerksamkeit will man auch dem F&E‑Nachwuchs dieses Landes zuteilwerden lassen. So sollen breit angelegte Kampagnen an Schulen, Forschungseinrichtungen und in Betrieben das Interesse von Jugendlichen wecken. Ein weiterer Aspekt der Bemühungen um eine künftige Spitzenpositionierung Österreichs im F&E‑Bereich betrifft die Intensivierung der Beteiligung heimischer Unternehmen und Forschungseinrichtungen am 7. EU-Rahmenprogramm (für Forschung, technologische Entwicklung und Demonstration). Schon jetzt sind österreichische Forscherinnen und Forscher sowie zahlreiche heimische Einrichtungen hier äußerst erfolgreich unterwegs (siehe Seite 14), künftig soll Österreichs Anteil an diesem Förderprogramm durch Initiativen des Bundes noch weiter gesteigert werden.
Bereiche stärken
„Potenzial nach oben“ ortet Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) auch in Sachen Grundlagenforschung. Aktuell fließen rund 17 Prozent der Forschungsausgaben in diesen Bereich. Das soll sich demnächst schon ändern, schließlich stellt ja gerade die Grundlagenforschung künftige Innovationen sicher. Ambitioniertes Ziel bis 2020 : Ausbau der Förderung der Grundlagenforschung von derzeit 0,41 Prozent auf rund ein Prozent des BIP. Bis allerspätestens 2020 will Österreich auch zu den europäischen Spitzenreitern in Sachen Innovation gehören. Vier Prozent des BIP sollen dann für F&E aufgewendet werden.
Um unter die Top drei zu kommen, sind allerdings noch ein paar Hürden zu nehmen. Schwächen zeigen sich derzeit vor allem im Bereich Humanressourcen (sprich : der hierzulande relativ niedrigen Akademikerquote), dem Bereich Risikofinanzierung, bei der Handesbilanz bei Technologiegütern und beim Export wissensorientierter Dienstleistungen. Heute schon überdurchschnittlich gut aufgestellt ist Österreich indes im Bereich der Unternehmensinnovationen und ‑kooperationen sowie bei den Patenten, Trademarks und Designs.
INFO
Der Europäische Innovationsanzeiger (European Innovation Scoreboard – EIS) bildet die Innovationsentwicklung in der EU und gegenüber anderen Märkten (vor allem USA und Japan) ab. Die Darstellung erfolgt dabei auf Basis bestimmter Indikatoren. Der EIS 2008 umfasst 28 Indikatoren, gegliedert in drei Dimensionen : nämlich „Enablers (Humanressourcen, Finanzierung und Unterstützung), „Aktivitäten der Unternehmen“ (Investitionen, Verbindungen und Unternehmertum, Throughputs) und „Outputs“ (Innovationen, wirtschaftliche Effekte). Österreich hat sich seit dem erstmaligen Erscheinen des EIS im Jahr 2000 kontinuierlich vom 11. auf den 6. Platz weiterentwickelt und führt derzeit die Gruppe der „Innovation Followers“ an.