
Forschungsbremse
Das Peer Review-Verfahren soll die Qualität der Forschung sichern, verzögert aber den Publikationsprozess. Mit einer Neuorganisation des Verfahrens könnten Kosten und Zeit gespart werden.
Die Anzahl von publizierten Wissenschaftsartikeln steigt pro Jahr um vier bis fünf Prozent. Die Begutachtung – oder Peer Review – dieser Artikel ist ein langwieriger Prozess. Das führt dazu, dass Forschungsergebnisse mit sehr großer Verzögerung publiziert werden, kritisiert Jan Velterop.
Der Wissenschaftspublizist identifiziert zwei unterschiedliche Aspekte im Publikationsprozess. Diese könnten getrennt werden, um die Veröffentlichung zu beschleunigen. Der eine Aspekt ist die Bewertung der Karriereentwicklung von Wissenschaftlern, der andere die Kommunikation der Forschungsergebnisse. Zur Veröffentlichung eingereichter Arbeiten könnte das klassische Peer Review sogar entfallen.
Schnellere Publikation
Die Publikation sollte also ohne große Hürden erfolgen. Das ist im Bereich Physik und Mathematik heute üblich üblich, verweist Velterop auf den Dokumentenserver ArXiv. „Zunächst könnte alles publiziert werden, was nicht als komplett durchgeknallte Wissenschaft gilt. Das ist relativ einfach festzustellen.“ Die Qualität der Veröffentlichungen sollte erst später beurteilt werden. Denkbar sei eine Art Qualitätsabzeichen für Artikel, das die wissenschaftliche Community selbst vergeben könnte.
Schnellere Publikation
Der Nutzen wäre enorm, ist Velterop überzeugt. Zuerst einmal würde alles viel schneller publiziert werden : Manchmal spiele die Zeit keine so große Rolle, aber in sich schnell bewegenden Gebieten wie der Medizin sei schon eine Verzögerung von ein paar Monaten ein Nachteil.
„Fast noch wichtiger sind die enormen Kosten, die das jetzige System verursacht.“ Laut Velterop handelt es sich um Milliarden : „Aber seien wir uns ehrlich : Nicht jeder Artikel muss beurteilt werden, nicht jeder muss den ganzen Prozess von Einreichung und Ablehnung durchlaufen.“ Dies ist viel Arbeit, eine vermeidbare Bürde für die wissenschaftlichen Begutachter. Außerdem würde heute vielfach nicht publiziert, weil die vorgelegten Arbeiten Journalen nicht interessant genug erscheinen, „also nicht wegen der Qualität, sondern weil sie vielleicht nicht oft zitiert werden könnten.“