
Fortschritt gegen Parkinson
Med Uni Innsbruck leitet internationale Zulassungsstudie einer neuen Therapie von Parkinson mit Wirkstoff Prasinezumab. Aktuelle Ergebnisse der klinischen Phase II-Studie als Basis für erste „Parkinson-Impfung“ nun im renommierten Fachjournal The Lancet veröffentlicht.
Parkinson gehört zu den am schnellsten zunehmenden Krankheiten. Weltweit leiden daran rund 20 Millionen Menschen, bis 20250 sollen es über 25 Millionen sein. In Österreich sind es aktuell rund 25.000 Menschen. Die Krankheit tritt zumeist ab einem Alter von 55 bis 60 Jahren auf. Beginnende Symptome sind motorische Bewegungsstörungen wie Zittern, Muskelsteifheit und langsamere Bewegungen sowie Gleichgewichtsstörungen, bis hin zu einer leiseren Stimme und Schluckproblemen. Ursache sind immer rascher absterbende Nervenzellen, die u.a. den Botenstoff Dopamin produzieren.
Komplett neues Studiendesign
Im Rahmen der aktuellen Studie erhalten seit dem Jahr 2021 zunächst 534 Parkinson-Betroffene eine monatliche Infusion an 110 Zentren in Europa, den USA und Kanada. Bei der Hälfte von Ihnen befindet sich im Infusionsbeutel der Antikörper Prasinezumab, die andere Hälfte erhält ein Placebo – auch an der Med Uni Innsbruck, wo die Studie neben Graz und der Klinik Ottakring in Wien unter der Leitung von Klaus Seppi in den vergangenen Jahren durchgeführt wurde. Das Fachjournal The Lancet veröffentlichte nun die Ergebnisse der PADOVA-Studie (klinische Phase II Studie) bei der die Wirkung der Substanz untersucht wurde.
Die Wissenschaftler nutzten dabei ein für die Parkinson-Erkrankung ganz neues Studiendesign : Bei den Betroffenen, die sich zu Studienbeginn alle in einem Parkinson-Frühstadium (max. drei Jahre nach Diagnose) bei stabiler symptomatischer Therapie befanden, bestimmten sie die Zeit bis zum nächsten klinisch relevanten Ereignis, also bis zur nächsten eindeutigen motorischen Verschlechterung der Krankheit.
Zulassungsstudie Phase-III in Europa und USA gestartet
Dieser so genannte Time-to-Event-Endpunkt trat bei Betroffenen unter Placebo im Schnitt nach 49,7 Wochen ein, unter der Antikörpertherapie mit Prasinezumab verzögerte sich die Verschlechterung im Schnitt um 11,4 Wochen auf 61,1 Wochen und erreichte damit nicht ganz den Schwellenwert für statische Signifikanz. Für die Forscher gibt es jedoch Signale genug, um die Wirksamkeit der Substanz anzuerkennen und mit PARAISO eine Zulassungsstudie (Phase III) zu beginnen. Diese startete in Europa mit Jahresbeginn 2026, in den USA bereits 2025.
„Rund 75 Prozent der Probanden bekamen als symptomatische Therapie L‑Dopa. Die übrigen erhielten sogenannte MAOB-Hemmer. Betrachtet man ausschließlich die 75 Prozent der Betroffenen, die mit L‑Dopa behandelt wurden, zeigt sich der Effekt eindeutig. Er wird deutlicher sichtbar, weil die untersuchte Betroffenengruppe homogener war und weniger Anpassungen der symptomatischen Parkinsontherapie notwendig waren“, erläutert Klaus Seppi von der Med Uni Innsbruck.
Therapie gilt als gut verträglich
„Der Time-to-Event-Endpunkt trat unter Placebo im Schnitt nach knapp 49 Wochen ein. Unter der Antikörpertherapie mit Prasinezumab verzögerte sich die Verschlechterung nun signifikant um rund 16 Wochen auf mehr als 64 Wochen“, so Seppi. Prasinezumab ist Angaben zufolge derzeit das vielversprechendste und am weitesten entwickelte Medikament bei Parkinson, bei dem die bislang erhobenen Studiendaten auf einen krankheitsmodifizierenden Effekt hindeuten. Das tatsächliche Ausmaß dieses Effekts ist laut Seppi derzeit jedoch noch nicht abschätzbar. Gleichzeitig gilt die Therapie als gut verträglich.
Die Substanz wird von dem Pharmaunternehmen Roche hergestellt, um das Protein Alpha-Synuclein außerhalb der Nervenzellen des Gehirns abzufangen, zu binden und abzubauen und dadurch die Schädigung der Nervenzellen zu reduzieren. Bei Menschen, die an Parkinson erkrankt sind, verklumpt dieses Protein und breitet sich vermutlich über synaptische Verbindungen auf die weiteren Nervenzellen aus, die dadurch geschädigt werden und zugrunde gehen können.
Bessere Lebensqualität und Selbständigkeit der Betroffenen
„Der Großteil der Wissenschaftler, die sich mit Morbus Parkinson beschäftigen, geht davon aus, dass dieses verklumpte Alpha-Synuclein ein Krankheitstreiber ist“, sagt Seppi. Der Antikörper Prasinezumab wird den Betroffenen mit Parkinson in den Studienzentren einmal im Monat als so genannte passive Impfung in Form einer Infusion weiterhin verabreicht, um künftig auch Langzeitauswertungen durchführen zu können. In Innsbruck erhalten aktuell 20 Probanden den Antikörper. Mit fortschreitender Erkrankung nimmt der Grad der Beeinträchtigung zu und die Belastungen für das gesamte Umfeld steigen entsprechend.
„Krankheitsmodifizierende Therapien sollen das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen, sodass bestimmte Meilensteine der Erkrankung später erreicht werden. Ziel ist eine längere bessere Lebensqualität und Selbständigkeit der Betroffenen, verbunden mit einer Entlastung des Gesundheitssystems und geringeren Folgekosten. Unser ultimatives Ziel ist, mit krankheitsmodifizierenden Therapien beginnen zu können, noch bevor die Krankheit ausbricht“, sagt Klaus Seppi von der Med Uni Innsbruck. „Der erste Schritt könnte vielleicht mit diesem Antikörper getan werden, wenn sich das in der Phase III-Studie bestätigt.“ (red/czaak)