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© Klaus Seppi_MUI_BullockDavid

Fort­schritt gegen Parkinson

Med Uni Inns­bruck lei­tet inter­na­tio­nale Zulas­sungs­stu­die einer neuen The­ra­pie von Par­kin­son mit Wirk­stoff Pra­si­ne­zu­mab. Aktu­elle Ergeb­nisse der kli­ni­schen Phase II-Stu­die als Basis für erste „Par­kin­son-Imp­fung“ nun im renom­mier­ten Fach­jour­nal The Lan­cet veröffentlicht.

Par­kin­son gehört zu den am schnells­ten zuneh­men­den Krank­hei­ten. Welt­weit lei­den daran rund 20 Mil­lio­nen Men­schen, bis 20250 sol­len es über 25 Mil­lio­nen sein. In Öster­reich sind es aktu­ell rund 25.000 Men­schen. Die Krank­heit tritt zumeist ab einem Alter von 55 bis 60 Jah­ren auf. Begin­nende Sym­ptome sind moto­ri­sche Bewe­gungs­stö­run­gen wie Zit­tern, Mus­kel­steif­heit und lang­sa­mere Bewe­gun­gen sowie Gleich­ge­wichts­stö­run­gen, bis hin zu einer lei­se­ren Stimme und Schluck­pro­ble­men. Ursa­che sind immer rascher abster­bende Ner­ven­zel­len, die u.a. den Boten­stoff Dopa­min produzieren.

Kom­plett neues Studiendesign

Im Rah­men der aktu­el­len Stu­die erhal­ten seit dem Jahr 2021 zunächst 534 Par­kin­son-Betrof­fene eine monat­li­che Infu­sion an 110 Zen­tren in Europa, den USA und Kanada. Bei der Hälfte von Ihnen befin­det sich im Infu­si­ons­beu­tel der Anti­kör­per Pra­si­ne­zu­mab, die andere Hälfte erhält ein Pla­cebo – auch an der Med Uni Inns­bruck, wo die Stu­die neben Graz und der Kli­nik Otta­kring in Wien unter der Lei­tung von Klaus Seppi in den ver­gan­ge­nen Jah­ren durch­ge­führt wurde. Das Fach­jour­nal The Lan­cet ver­öf­fent­lichte nun die Ergeb­nisse der PADOVA-Stu­die (kli­ni­sche Phase II Stu­die) bei der die Wir­kung der Sub­stanz unter­sucht wurde.

Die Wis­sen­schaft­ler nutz­ten dabei ein für die Par­kin­son-Erkran­kung ganz neues Stu­di­en­de­sign: Bei den Betrof­fe­nen, die sich zu Stu­di­en­be­ginn alle in einem Par­kin­son-Früh­sta­dium (max. drei Jahre nach Dia­gnose) bei sta­bi­ler sym­pto­ma­ti­scher The­ra­pie befan­den, bestimm­ten sie die Zeit bis zum nächs­ten kli­nisch rele­van­ten Ereig­nis, also bis zur nächs­ten ein­deu­ti­gen moto­ri­schen Ver­schlech­te­rung der Krankheit. 

Zulas­sungs­stu­die Phase-III in Europa und USA gestartet

Die­ser so genannte Time-to-Event-End­punkt trat bei Betrof­fe­nen unter Pla­cebo im Schnitt nach 49,7 Wochen ein, unter der Anti­kör­per­the­ra­pie mit Pra­si­ne­zu­mab ver­zö­gerte sich die Ver­schlech­te­rung im Schnitt um 11,4 Wochen auf 61,1 Wochen und erreichte damit nicht ganz den Schwel­len­wert für sta­ti­sche Signi­fi­kanz. Für die For­scher gibt es jedoch Signale genug, um die Wirk­sam­keit der Sub­stanz anzu­er­ken­nen und mit PARAISO eine Zulas­sungs­stu­die (Phase III) zu begin­nen. Diese star­tete in Europa mit Jah­res­be­ginn 2026, in den USA bereits 2025.

„Rund 75 Pro­zent der Pro­ban­den beka­men als sym­pto­ma­ti­sche The­ra­pie L‑Dopa. Die übri­gen erhiel­ten soge­nannte MAOB-Hem­mer. Betrach­tet man aus­schließ­lich die 75 Pro­zent der Betrof­fe­nen, die mit L‑Dopa behan­delt wur­den, zeigt sich der Effekt ein­deu­tig. Er wird deut­li­cher sicht­bar, weil die unter­suchte Betrof­fe­nen­gruppe homo­ge­ner war und weni­ger Anpas­sun­gen der sym­pto­ma­ti­schen Par­kin­son­the­ra­pie not­wen­dig waren“, erläu­tert Klaus Seppi von der Med Uni Innsbruck. 

The­ra­pie gilt als gut verträglich

„Der Time-to-Event-End­punkt trat unter Pla­cebo im Schnitt nach knapp 49 Wochen ein. Unter der Anti­kör­per­the­ra­pie mit Pra­si­ne­zu­mab ver­zö­gerte sich die Ver­schlech­te­rung nun signi­fi­kant um rund 16 Wochen auf mehr als 64 Wochen“, so Seppi. Pra­si­ne­zu­mab ist Anga­ben zufolge der­zeit das viel­ver­spre­chendste und am wei­tes­ten ent­wi­ckelte Medi­ka­ment bei Par­kin­son, bei dem die bis­lang erho­be­nen Stu­di­en­da­ten auf einen krank­heits­mo­di­fi­zie­ren­den Effekt hin­deu­ten. Das tat­säch­li­che Aus­maß die­ses Effekts ist laut Seppi der­zeit jedoch noch nicht abschätz­bar. Gleich­zei­tig gilt die The­ra­pie als gut verträglich. 

Die Sub­stanz wird von dem Phar­ma­un­ter­neh­men Roche her­ge­stellt, um das Pro­tein Alpha-Syn­u­clein außer­halb der Ner­ven­zel­len des Gehirns abzu­fan­gen, zu bin­den und abzu­bauen und dadurch die Schä­di­gung der Ner­ven­zel­len zu redu­zie­ren. Bei Men­schen, die an Par­kin­son erkrankt sind, ver­klumpt die­ses Pro­tein und brei­tet sich ver­mut­lich über syn­ap­ti­sche Ver­bin­dun­gen auf die wei­te­ren Ner­ven­zel­len aus, die dadurch geschä­digt wer­den und zugrunde gehen können. 

Bes­sere Lebens­qua­li­tät und Selb­stän­dig­keit der Betroffenen

„Der Groß­teil der Wis­sen­schaft­ler, die sich mit Mor­bus Par­kin­son beschäf­ti­gen, geht davon aus, dass die­ses ver­klumpte Alpha-Syn­u­clein ein Krank­heits­trei­ber ist“, sagt Seppi. Der Anti­kör­per Pra­si­ne­zu­mab wird den Betrof­fe­nen mit Par­kin­son in den Stu­di­en­zen­tren ein­mal im Monat als so genannte pas­sive Imp­fung in Form einer Infu­sion wei­ter­hin ver­ab­reicht, um künf­tig auch Lang­zeit­aus­wer­tun­gen durch­füh­ren zu kön­nen. In Inns­bruck erhal­ten aktu­ell 20 Pro­ban­den den Anti­kör­per. Mit fort­schrei­ten­der Erkran­kung nimmt der Grad der Beein­träch­ti­gung zu und die Belas­tun­gen für das gesamte Umfeld stei­gen entsprechend. 

„Krank­heits­mo­di­fi­zie­rende The­ra­pien sol­len das Fort­schrei­ten der Erkran­kung ver­lang­sa­men, sodass bestimmte Mei­len­steine der Erkran­kung spä­ter erreicht wer­den. Ziel ist eine län­gere bes­sere Lebens­qua­li­tät und Selb­stän­dig­keit der Betrof­fe­nen, ver­bun­den mit einer Ent­las­tung des Gesund­heits­sys­tems und gerin­ge­ren Fol­ge­kos­ten. Unser ulti­ma­ti­ves Ziel ist, mit krank­heits­mo­di­fi­zie­ren­den The­ra­pien begin­nen zu kön­nen, noch bevor die Krank­heit aus­bricht“, sagt Klaus Seppi von der Med Uni Inns­bruck. „Der erste Schritt könnte viel­leicht mit die­sem Anti­kör­per getan wer­den, wenn sich das in der Phase III-Stu­die bestä­tigt.“ (red/​czaak)

Autor: red/czaak
16.06.2026

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