
Frausprech versus Mannsprech ?
Mit seinem Wörterbuch „Deutsch-Frau – Frau-Deutsch“ wurde Mario Barth zum Comedystar. Vorurteile zum unterschiedlichen Sprachgebrauch zwischen Mann und Frau gibt es wie Sand am Meer. Die Linguistik kommt bei ihrer Forschung glücklicherweise zu anspruchsvolleren Ergebnissen als Herr Barth.
Im siebzehnten Jahrhundert wurde auf den Antillen ein Volk entdeckt, bei dem die Sprachunterschiede so groß waren, dass lange angenommen wurde, die Männer und Frauen sprächen dort tatsächlich zwei verschiedene Sprachen. Noch immer geistert dieses Märchen in der Welt herum, trotzdem sich schließlich herausstellte, dass es sich lediglich um zwei sehr unterschiedliche Register derselben Sprache handeln dürfte.
Tatsächliche Unterschiede
Männer und Frauen sprechen mit hoher Wahrscheinlichkeit immer dieselbe Sprache, nur eben anders. In der Regel wird Frauen höhere phonetische Präzision, also eine klarere Aussprache, zugeschrieben. Auch orientieren sie sich stärker an der Standardsprache, während Männern ein Hang zum Dialekt attestiert wird. Frauen nehmen mehr Bezug auf Gefühle, stellen öfter Fragen, unterstützen den Gesprächspartner und gehen auf ihn ein, sie verwenden sogar Nebensätze. Männer hingegen vervollständigen nicht einmal immer ihre Hauptsätze, bilden also sogenannte „elliptische“ Sätze, verwenden mehr Ich-Bezüge, urteilen schneller als Frauen, und gehen weniger auf Argumente ihres Gegenübers ein.
„Weibliche“ Kommunikation versucht generell Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten, eine Bindung zwischen den Gesprächsteilnehmern herzustellen. „Männliche“ Kommunikation tendiert mehr zur Überzeugungsarbeit, lotet Machtverhältnisse aus. Männer unterbrechen auch häufiger – vor allem Frauen.
Dies sind also einige der häufigsten Forschungsergebnisse, aufgrund welcher oft reflexartig geschlussfolgert wird, es gebe so etwas wie „Frausprech“ und „Mannsprech“. Der Haken ist nur, dass Männer die „Frauensprache“ und Frauen die der Männer ebenso beherrschen. Es kann sich also nicht um ein biologisches Phänomen handeln. Weiters bleibt die Frage offen, warum es nicht öfter vorkommt, dass zum Beispiel eine Frau die Männersprache spricht, wenn sie schon die Fähigkeit dazu hat ?
Soziales Konstrukt
„Doing Gender“ lautet ein sehr plausibler Erklärungsversuch. Der Begriff meint die Reproduktion des Geschlechts als soziales Konstrukt, also dessen, was die Gesellschaft unter „weiblich“ oder „männlich“ versteht. Schon Kinder unterscheiden zwischen „Buben-“ und „Mädchensachen“, reproduzieren beim Spielen Genderrollen. Dasselbe geschieht auf sprachlicher Ebene : Um als „echter“ Mann, oder „echte“ Frau, zu gelten, muss entsprechend gesprochen werden. Vor allem Frauen sehen sind so oft in einer Zwickmühle : Ihre Kommunikationsform bringt teils Nachteile, wie Durchsetzungsschwierigkeiten. Adaptieren sie „männliche“ Sprachelemente werden sie aber oft nicht mehr neutral als Frau gesehen, sondern etwa als „Kampfemanze“ diskreditiert.
Schließlich gibt es aber auch die Theorie, dass „Mann-Frau“ zwei zu grobe Kategorien für eine realistische Analyse sind, da Faktoren wie Beruf, oder soziale Schicht nicht berücksichtigt werden. Von unterschiedliche Sprachen kann jedenfalls nicht die Rede sein.