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Freie Bahn für das Elektroauto

Noch nie zuvor gestal­te­ten sich die Visio­nen und Pläne rund um das Elek­tro­auto so unter­schied­lich wie heute. Wäh­rend VW und AVL den rei­nen Elek­tro­an­trieb noch nicht sehen, pre­schen Mitsu­bi­shi und Co mit ers­ten seri­en­rei­fen Model­len vor. Und in Öster­reich will man vor allem so viel Tech­nik wie mög­lich für die Indus­trie liefern.

Die aktu­ell ver­brei­tete Eupho­rie in Sachen Elek­tro­an­trieb tei­len sie zwar nicht. Dass in 20 bis 25 Jah­ren ein Zehn­tel der Auto­flotte mit E‑Motor plus „Range Exten­der“ aus­ge­stat­tet sein wird, hal­ten sie aber für wahr­schein­lich : VW-For­scher Wolf­gang Stei­ger und AVL-Geschäfts­füh­rer Robert Fischer eröff­ne­ten Anfang Juni bei einer Ver­an­stal­tung der Auto­mo­tive Open Uni­ver­sity des AC-Sty­ria in Graz einen Blick auf neue Antriebs­sys­teme und ihre Markteinführung.
Beide Exper­ten glau­ben, dass der Range Exten­der nach dem Hybrid, der ja noch dem Ver­bren­nungs­kraft­kon­zept zuge­rech­net wird, die Über­gangs­lö­sung sein wird : Mit­hilfe eines 25 Kilo­watt (kW)-Verbrennungsmotors als „Not­strom­ag­gre­gat“ (Range Exten­der) könne die Reich­weite des 50 kW-Elek­tro­mo­tors unter Beach­tung der Kos­ten­tan­gente weit nach oben geschraubt wer­den. Würde man hin­ge­gen 160 Kilo­me­ter rein elek­trisch fah­ren wol­len, käme man der­zeit auf reine Bat­te­rie­kos­ten von nicht akzep­ta­blen 30.000 bis 40.000 Euro. So aber ermög­li­che ein klei­ner kon­ven­tio­nel­ler (Wankel-)Motor eine Zukunfts­tech­no­lo­gie, gab sich Fischer zuversichtlich.

Geän­derte Mobilität
Laut VW rech­net man im ers­ten Jahr­zehnt mit einer Markt­durch­drin­gung von einem beschei­de­nen Pro­zent, im zwei­ten von zehn und erst im drit­ten von 50 Pro­zent. Wobei Stei­ger auch von einem geän­der­ten Mobi­li­täts­ver­hal­ten aus­geht : „Gerade in Städ­ten wird es ein inter­mo­da­les Mobi­li­täts­an­ge­bot geben, das auch das E‑Fahrrad und das Zwei­rad, den öffent­li­chen Ver­kehr und Car-Sha­ring ein­schließt.“ Dass die Ent­wick­lung des Ölprei­ses bei der Markt­ein­füh­rung der E‑Mobilität eine Rolle spiele, sei nur teil­weise rich­tig – wesent­li­cher sei die gefor­derte „Sys­tem­si­cher­heit“. Gerade Bat­te­rien seien kom­plexe Sys­teme, wes­halb VW in eige­nes Know-how bis in die Zel­len inves­tiere. Allein die Leis­tungs­elek­tro­nik, die der­zeit die Dimen­sion einer Schuh­schach­tel habe, müsse auf Pocket-For­mat gebracht wer­den, nannte Stei­ger ein Beispiel.
Bedeut­sam seien auch die Vor­ga­ben der Poli­tik in Sachen Kli­ma­schutz, so Fischer : Die Ver­pflich­tung zur Abgas­norm Euro‑6 ab 2015 sei ein wesent­li­cher Fak­tor. Gleich­zei­tig müss­ten auch Kom­fort und Indi­vi­dua­li­tät im Auge behal­ten wer­den : „Wir müs­sen den Spa­gat zwi­schen den Anfor­de­run­gen an ein effi­zi­en­tes Fahr­zeug und dem Wunsch, ein E‑Auto dürfe nicht spaß­los sein, schaffen.“
Dass Elek­tro­au­tos nich spaß­los sein müs­sen, beweist Mitsu­bi­shi mit dem i‑Miev. Der japa­ni­sche Auto­bauer ver­kauft das welt­weit erste Elek­tro­auto für den Mas­sen­markt für umge­rech­net 33.300 Euro (4,6 Mio. Yen). Damit ist der i‑Miev zwar etwas bil­li­ger als ein kon­kur­rie­ren­des Sub­aru-Modell von Fuji Heavy Indus­tries, jedoch immer noch mehr als dop­pelt so teuer wie die belieb­ten Hybrid­au­tos. Der Mitsu­bi­shi soll ebenso wie der Sub­aru Plug-In Stella ab Juli an Flot­ten­kun­den ver­kauft wer­den. Ab April kom­men­den Jah­res soll der i‑Miev auch für andere Kun­den erhält­lich sein. Im lau­fen­den Geschäfts­jahr bis Ende März will Mitsu­bi­shi 1400 Exem­plare verkaufen.
Obwohl das Elek­tro­auto von der Regie­rung mit Sub­ven­tio­nen von bis zu rund 10.100 Euro und Steu­er­erleich­te­run­gen von mehr als 900 Euro geför­dert wird, dürfte der i‑Miev für die meis­ten Kun­den immer noch zu teuer sein. Das Auto solle daher sobald wie mög­lich für weni­ger als zwei Mio. Yen (rund 14.500 Euro) ange­bo­ten wer­den, sagte Mitsu­bi­shi-Motors-Prä­si­dent Osamu Masuko. Einen Ter­min nannte er jedoch nicht. Vor­aus­sicht­lich Ende 2010 wird der i‑Miev schließ­lich auch in Öster­reich erhält­lich sein.
Als Spei­cher­mo­dul dient eine Lithium-Ionen-Bat­te­rie, die zen­tral unter dem Fahr­zeug­bo­den plat­ziert wurde. Sie hat eine Kapa­zi­tät von 16 Kilo­watt­stun­den (kWh), das reicht pro Ladung für 144 Kilo­me­ter (laut Norm­zy­klus). Fünf bis sie­ben Stun­den muss der Elek­tro­flit­zer dann wie­der an der Steck­dose hän­gen, bis die Bat­te­rie wie­der voll ist.
Welt­weit arbei­ten Auto­her­stel­ler der­zeit an der Ent­wick­lung von Elek­tro­au­tos. Diese sto­ßen zwar keine Abgase aus, sind in der Her­stel­lung aber deut­lich teu­rer als Hybrid­autos. Des­halb sieht auch Wirt­schafts­mi­nis­ter Rein­hold Mit­ter­leh­ner (ÖVP) die Zukunft der Elek­tro­au­tos zuerst im Stadt­ver­kehr. Bis zum breit­flä­chi­gen Ein­satz werde es sei­ner Mei­nung nach noch fünf bis sie­ben Jahre dau­ern. Öster­reichs Autozuliefer­industrie sei bei die­ser Zukunfts­tech­no­lo­gie sehr gut auf­ge­stellt, betonte der Minis­ter bei der Podiumsdiskus­sion „Elec­tric-Mobi­lity-Stra­te­gie – Die Zukunft fährt elek­trisch“ vor weni­gen Wochen im Haus der Indus­trie in Wien. Gemein­sam mit Umwelt­mi­nis­ter Niko­laus Ber­la­ko­vich (ÖVP) werde gerade inten­siv am öster­rei­chi­schen Ener­gie­plan gear­bei­tet, ver­si­cherte Mitterlehner.

Stra­te­gie­plan gefordert

Der Ver­kehrs­club Öster­reich (VCÖ) for­derte in die­sem Zusam­men­hang die Erstel­lung eines Stra­te­gie­plans Elek­tro­mo­bi­li­tät nach dem Vor­bild von Deutsch­land. Laut VCÖ beträgt der Koh­len­di­oxid-Aus­stoß eines Elek­tro­au­tos gerade mal ein Fünf­tel eines her­kömm­li­chen Autos. Vor­aus­set­zung ist aller­dings, dass ein Groß­teil des Stroms aus Was­ser­kraft kommt. Geht es nach den Kri­ti­kern von Elek­tro­au­tos, dann steht hin­ter der Kam­pa­gne für E‑Mobilität die Atom­lobby, die sich ein neues Stand­bein erhofft.
Mar­kus Bey­rer, Gene­ral­se­kre­tär der Indus­tri­el­len­ver­ei­ni­gung, mahnte daher bei der Podi­ums­dis­kus­sion einen Aus­bau der Was­ser­kraft in Öster­reich ein. Dies setze unter ande­rem eine Ver­fah­rens­be­schleu­ni­gung vor­aus. Denn seit den 1980er Jah­ren fehle die Balance zwi­schen Umwelt­schutz und wirt­schaft­li­chen Bedürfnissen.
Laut einer Stu­die von Pri­ce­wa­ter­house-Coo­pers wären aber selbst bei einer mas­si­ven Aus­brei­tung von Elek­tro­au­tos keine zusätz­li­chen Kraft­werke nötig. Wenn 20 Pro­zent der Fahr­zeuge mit Strom fah­ren, erhöhe sich der öster­rei­chi­sche Strom­be­darf ledig­lich um drei Pro­zent, was einen Kraft­werks­aus­bau nicht nötig mache. Außer­dem wäre auch die bestehende Netz­in­fra­struk­tur ausreichend.

Autor:
26.06.2009

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