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Frei­heits­kampf

ÖAW-Chef Zei­lin­ger stellt sich gegen den Ein­fluss des Zeit­geis­tes auf die Wis­sen­schaft, denn : Wirk­lich Neues kennt sei­nen Zweck noch nicht.

Die Frei­heit der Wis­sen­schaft ist für Anton Zei­lin­ger, Prä­si­dent der Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten (ÖAW) „ein stän­di­ger Kampf gegen poli­ti­schen Ein­fluss und öko­no­mi­sche Inter­es­sen.“ Kürz­lich wid­mete sich ein Sym­po­sium an der ÖAW der „Frei­heit der Wis­sen­schaft im Ange­sicht von poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Ansprüchen“.

Die wirk­lich gro­ßen Dinge
Anlass für das Sym­po­sium war die Gene­ral­ver­samm­lung des Ver­bands euro­päi­scher Wis­sen­schafts­aka­de­mien ALLEA, die erst­mals in Wien statt­fand. ALLEA ist ein Zusam­men­schluss von 57 Wis­sen­schafts­aka­de­mien aus mehr als 40 Län­dern Euro­pas. Es wur­den die Chan­cen und Risi­ken einer stär­ke­ren Ein­bin­dung von Gesell­schaft und Poli­tik in die Wis­sen­schaft dis­ku­tiert. Für den Prä­si­den­ten des Euro­päi­schen For­schungs­rats (ERC), Jean-Pierre Bour­gu­i­gnon, ist es wich­tig, dass sowohl Gesell­schaft als auch Poli­tik „ver­ste­hen, wie die Wis­sen­schaft arbeitet.“
Für Zei­lin­ger wird Wis­sen­schaft „zu eng, wenn sie zu ziel­ori­en­tiert und an gesell­schaft­li­chen Zugän­gen auf­ge­setzt wird, und kann dann die wirk­lich gro­ßen neuen Dinge nicht schaf­fen“. Das wür­den tau­sende Bei­spiele aus der Geschichte zei­gen. So habe man bei der Ent­de­ckung der Radio­wel­len durch Hein­rich Hertz 1888 eine prak­ti­sche Anwen­dung ausgeschlossen.

Andere Zeit­ska­len
Laut Bour­gu­i­gnon muss man auch den „etwas ande­ren Zeit­rah­men in der Wis­sen­schaft“ berück­sich­ti­gen. So seien die DNA-Abschnitte der Gen-Schere CRISPR/​Cas bereits 1987 von japa­ni­schen For­schern ent­deckt wor­den, aber erst 2012 hät­ten die Arbei­ten von Emma­nu­elle Char­pen­tier und Jen­ni­fer Doudna die fan­tas­ti­schen Mög­lich­kei­ten etwa im Medi­zin­be­reich aufgezeigt.
Für Zei­lin­ger soll­ten Gesell­schaft und Poli­tik durch­aus for­dern, dass Wis­sen­schaft auf höchs­ter Qua­li­tät gemacht wird, und es sei auch wich­tig, die Gesell­schaft über die For­schungs­ak­ti­vi­tä­ten zu infor­mie­ren. „Aber ich halte es für gefähr­lich, wenn die Inhalte gesell­schaft­lich defi­niert wer­den, weil dann macht man zeit­geis­tige Dinge.“
Es sei auch ein Feh­ler, „dass man heute bei For­schungs­an­trä­gen immer wie­der dazu schrei­ben muss, wozu das gut sein soll“. Die wirk­lich neuen Dinge wür­den so durch­fal­len, „weil sich diese nie­mand vor­stel­len kann, auch die Wis­sen­schaf­ter nicht“. Die Abhän­gig­keit der Wis­sen­schaft von Dritt­mit­teln der Wirt­schaft sollte für Zei­lin­ger nicht zu groß sein : „Das darf vom Bud­get nicht grö­ßer als ein Drit­tel sein, weil sonst die Qua­li­tät ver­lo­ren geht.“

Autor: APA-Science/red/stem
13.05.2016

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