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Donnerstag, 15.01.2026 | 13:32

Freunde statt Drogen

Dro­gen­sucht zer­stört Bezie­hun­gen, heißt es. Tat­säch­lich kann es genau umge­kehrt kommen.

Dro­gen und soziale Inter­ak­tion – das ist in vie­ler Hin­sicht ein Gegen­satz­paar. Das Gehirn reagiert auf Dro­gen­kon­sum aber ganz ähn­lich wie auf soziale Kon­takte : Es wer­den bei­nahe die glei­chen Hirn­areale im Bereich des Beloh­nungs­sys­tems aktiviert.
Tier­ex­pe­ri­mente an der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Inns­bruck bele­gen sogar, dass der Effekt von sozia­ler Begeg­nung so stark sein kann, dass das Sucht­ge­dächt­nis gelöscht wird. Denn vor die Wahl gestellt, bevor­zug­ten von Kokain abhän­gige Tiere zuneh­mend Freunde statt Drogen.
„Wir wol­len den Effekt von sozia­ler Inter­ak­tion auf mole­ku­la­rer Ebene unter­su­chen, um dro­gen­ab­hän­gige Men­schen über den Weg der posi­ti­ven sozia­len Erfah­rung weg von der Sucht zu füh­ren und diese Erkennt­nisse auch in der Sucht­prä­ven­tion ein­set­zen zu kön­nen“, erklärt die Neu­ro­bio­lo­gin Rana El Rawas.

Stress redu­ziert
El Rawas ver­folgt in dem FWF-Pro­jekt einen neuen Ansatz, der den Fokus weg von den Gemein­sam­kei­ten hin zu den Unter­schie­den von natür­li­cher Beloh­nung wie „Tref­fen mit einem Freund“ und Beloh­nung durch Dro­gen legt. Denn die These der jun­gen Wis­sen­schaf­te­rin lau­tet, dass die bei­den Beloh­nungs­sys­teme durch ver­schie­dene neu­ro­nale Netz­werke ver­mit­telt wer­den. Außer­dem wird unter­sucht, ob die beloh­nen­den Effekte von sozia­ler Inter­ak­tion ebenso lange anhal­ten wie die von Drogenkonsum.
In einem wei­te­ren lau­fen­den FWF-Pro­jekt konnte El Rawas zei­gen, dass soziale Inter­ak­tion zu weni­ger Stress führt : „Durch Spie­len mit einem ande­ren Tier wird die Menge des Pro­te­ins p38, das bei Dro­gen­kon­sum, aber auch bei Stress oder Angst erhöht ist, redu­ziert.“ Nun will er die Rolle von p38 wei­ter unter­su­chen. „Die­ses Wis­sen könnte neben der Ent­wick­lung von effek­ti­ven Ansät­zen in der Ver­hal­tens­the­ra­pie auch neue Wege in der Ent­wick­lung von Medi­ka­men­ten gegen Sucht und andere psy­chi­sche Erkran­kun­gen eröff­nen“, erklärt El Rawas. 

Autor: red/stem
22.08.2016

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