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Fri­sche­kur für graue Zellen

Bea­trix Gru­beck-Loeben­stein : „Unsere Auf­gabe im Insti­tut ist es – ver­ein­facht aus­ge­drückt – den natür­li­chen Alte­rungs­pro­zess der Zel­len hin­aus­zu­zö­gern und so auch all jene Krank­hei­ten hin­aus­zu­zö­gern, die damit ver­bun­den sind“, erklärt die Direk­to­rin des Insti­tuts für Bio­me­di­zi­ni­sche Alterns­for­schung (IBA).

eco­nomy : Was zeich­net eine auf das Altern fokus­sierte For­schungs­ar­beit eigent­lich aus ? 
Bea­trix Gru­beck-Loeben-stein : Dazu ist zu sagen, dass wir eine Insti­tu­tion der Öster­rei­chi­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten sind, das heißt, wir betrei­ben Grund­la­gen­for­schung. Aber diese soll nicht im Elfen­bein­turm von­stat­ten gehen, son­dern sie soll auch ange­wandt wer­den. So gese­hen betrei­ben wir eine anwen­dungs­of­fene Grund­la­gen­for­schung. Abge­se­hen davon sind wir ein bio­me­di­zi­ni­sches Zen­trum, wir ver­su­chen bio­lo­gi­sche Vor­gänge zu erfas­sen. Wir unter­su­chen das Altern von Zel­len, weil Kennt­nisse rund um die Zell­al­te­rung einen ganz wesent­li­chen Bau­stein dafür dar­stel­len, um Erkran­kun­gen und mög­li­che Behin­de­run­gen im fort­ge­schrit­te­nen Alter erklä­ren zu kön­nen. Unsere Auf­gabe ist es, ver­ein­facht aus­ge­drückt, die­sen Alte­rungs­pro­zess der Zel­len hin­aus­zu­zö­gern und so auch all jene Krank­hei­ten hin­aus­zu­zö­gern, die damit ver­bun­den sind.

Wel­che Schwer­punkte set­zen Sie bei Ihrer Arbeit ?
An unse­rem Insti­tut gibt es fünf Abtei­lun­gen, die sich letzt­end­lich ein und der­sel­ben Auf­gabe wid­men, näm­lich der Erfor­schung der Zell­al­te­rung. Sie behan­deln ledig­lich ver­schie­dene Zell­ty­pen. Da gibt es zum einen die Immu­no­lo­gie, die sich neben Stu­dien über die Grund­la­gen der Alte­rung des Immun­sys­tems der prak­ti­schen Frage nach adäqua­ten Imp­fun­gen für ältere und alte Men­schen wid­met, weil eben klar ist, dass Imp­fun­gen, wie sie zum Bei­spiel Kin­der bekom­men, nicht unbe­dingt ziel­füh­rend für die ältere Gene­ra­tion sind. Eine wei­tere Abtei­lung beschäf­tigt sich mit dem Hor­mon­sys­tem älte­rer Men­schen. Hier geht es vor allem um die Pro­stata und deren tem­po­räre Ent­wick­lung. Die dritte Abtei­lung wid­met sich dem Gefäß­sys­tem und der Haut. Sau­er­stoff­ra­di­kale sind hier ein Thema. „Erwach­se­nen­stamm­zel­len­for­schung“ steht im Zen­trum der vier­ten Abtei­lung – prak­ti­sche Schwer­punkte sind Gewebs- und im spe­zi­el­len Kno­chen- und Seh­nen­re­ge­ne­ra­tion. Schließ­lich gibt es noch die Sparte „Fett­ge­webe“, wobei über die­sen The­men­kom­plex noch sehr viel nicht bekannt ist. Man weiß nur, dass unter­schied­li­che Fett­zel­len unter­schied­lich schnell und auch von der Qua­li­tät her anders altern.

Wie ist Öster­reich im Ver­gleich zur Euro­päi­schen Union bezie­hungs­weise dem Rest der Welt bezüg­lich die­ser For­schungs-sparte aufgestellt ?
In Rela­tion zur Bevöl­ke­rung sind wir hier in Öster­reich sehr gut auf­ge­stellt. Dazu kommt der große Vor­teil, dass man rela­tiv früh die Not­wen­dig­keit bezie­hungs­weise die Sinn­haf­tig­keit die­ses For­schungs­zweigs erkannt hat. Immer­hin trat bereits 1991 das erste dies­be­züg­li­che Insti­tut sei­nen Dienst an. Das war damals eine echte Pio­nier­leis­tung. Natür­lich sind andere Län­der in die­ser Frage wesent­lich wei­ter – etwa die USA. Dort gibt es für eine der­ar­tige For­schung ein Bud­get von mehr als einer Bil­lion Dol­lar. Auch in Groß­bri­tan­nien zum Bei­spiel oder in Deutsch­land sind die För­der­töpfe bes­ser dotiert als hier­zu­lande. Grund­sätz­lich ist zu sagen, dass alle euro­päi­schen Län­der die Not­wen­dig­keit se-hen, ange­sichts der demo­gra­fi­schen Ent­wick­lun­gen ent­spre­chende Maß­nah­men zu set­zen. Alters­for­schende Insti­tute gibt es mitt­ler­weile quer über den Glo­bus, in ein­zel­nen Län­dern sind auch Über­le­gun­gen im Gange, die­ses For­schungs­ge­biet auf uni­ver­si­tä­rer Ebene ent­spre­chend aus­zu­bauen bezie­hungs­weise zu eta­blie­ren. Ich denke, unsere Auf­gabe ist es, wei­ter in die For­schung zu inves­tie­ren und wei­ter zu expan­die­ren – schon allein des­halb, um mit dem inter­na­tio­na­len Stan­dard mit­hal­ten zu kön­nen und den Her­aus­for­de­run­gen, die übri­gens auf uns alle zukom­men, gerecht zu werden.

Sie wer­den aus Mit­teln des Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­ums und des Gesund­heits­mi­nis-teri­ums sub­ven­tio­niert. Ein guter Teil der För­de­run­gen kommt aber auch von der EU. Wel­che dies­be­züg­li­chen Pro­jekte lau­fen derzeit ?
In Summe haben wir hier aktu­ell fünf EU-geför­derte Pro­jekte, das aktu­ellste beschäf­tigt sich mit der Ermitt­lung von Para­me­tern und Kenn­zah­len des Alterns an sich. Gesucht wer­den, ver­ein­facht aus­ge­drückt, For­meln, um damit das bio­lo­gi­sche im Gegen­satz zum chro­no­lo­gi­schen Altern bestim­men zu kön­nen. 26 For­scher­grup­pen aus 14 euro­päi­schen Län­dern sind daran betei­ligt, 3700 Frei­wil­lige wer­den gesucht. Diese wer­den in wei­te­rer Folge auf Herz und Nie­ren unter­sucht, und anhand der erho­be­nen Werte, die in eine Daten­bank auf­ge­nom­men und aus­ge­wer­tet wer­den, sol­len die alters­be­ding­ten Ver­än­de­run­gen der Kör­per­funk­tio­nen oder deren Beschaf­fen­heit iden­ti­fi­ziert werden.

Wer­den wir tat­säch­lich immer älter, oder haben wir den Zenit schon über­schrit­ten, schlägt das Pen­del also mög­li­cher­weise dem­nächst in die andere Rich­tung aus ?

Also, wir sind defi­ni­tiv noch nicht bei dem Alter ange­langt, das uns die Wis­sen­schaft pro­gnos­ti­ziert. Der­zeit gehen wir davon aus, dass älter als 120 Jahre nicht mög­lich ist. Es gibt zwei­fels­ohne immer mehr 100-Jäh­rige, und diese Ent­wick­lung ist sicher­lich noch lange nicht abge­schlos­sen, da wird es zwei­fels­ohne noch einige Ver­än­de­run­gen geben.

INFO
• Grund­la­gen­for­schung. Das Insti­tut für Bio­me­di­zi­ni­sche Alterns­for­schung ist ein Zen­trum für Alterns­for­schung (Geron­to­lo­gie). Das Insti­tut wurde 1992 von der Öster­rei­chi­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten mit Unter­stüt­zung des Lan­des Tirol und der Stadt Inns­bruck gegrün­det. Das Insti­tut befin­det sich in einem his­to­ri­schen Gebäude, das spe­zi­ell für die moderne bio­lo­gi­sche und medi­zi­ni­sche For­schung adap­tiert wurde. Die Grün­dung des Insti­tuts für Bio­me­di­zi­ni­sche Alterns­for­schung war ein Teil der Stra­te­gie der Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten, die ver­schie­de­nen im gan­zen Land ver­teil­ten Pro­jekte im Bereich der Geron­to­lo­gie näher zusammenzuführen.

Autor:
27.02.2009

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