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Gefähr­dete Bestände

Schwe­fel­säure bedroht die Bestände der Archive und Biblio­the­ken. Dank Nano­tech­no­lo­gie naht nun die Ret­tung für altes Papier.

Nied­ri­ger pH-Wert macht Papier sehr spröde. Was den Zei­tungs­le­ser nicht wei­ter auf­regt, da er seine Lek­türe nach spä­tes­tens einer Woche dem Alt­pa­pier zuführt, ist für Archive und Biblio­the­ken eine stete Bedro­hung. Eine gemein­same Ent­wick­lung von Che­mi­kern der Uni­ver­si­tät Graz mit Restau­ra­ti­ons-Exper­ten der Donau-Uni­ver­si­tät Krems soll nun den Ver­fall stop­pen. Unter Zuhil­fe­nahme von Nano­par­ti­keln sol­len die Papiere ent­säu­ert und somit geret­tet werden.
Ab Mitte des 19. Jahr­hun­derts wurde das soge­nannte Holz­schliff­pa­pier ein­ge­führt, das in den Hän­den heu­ti­ger Benut­zer zu zer­bre­chen droht. Die Ursa­che ist die Ein­füh­rung von Alaun als Hilfs­mit­tel in der Papier­pro­duk­tion. Schon in den 1950er-Jah­ren zeig­ten sich die ers­ten Fol­gen : „Die che­mi­sche Ver­bin­dung zer­fällt, eines der Zer­falls­pro­dukte ist Schwe­fel­säure, die wie­derum die Zel­lu­lose zer­stört“, erklärt der Gra­zer Che­mi­ker Vol­ker Ribit­sch. Dar­über hin­aus för­dern all­ge­gen­wär­tige Mikro­or­ga­nis­men die Zer­set­zung des Materials.
Schät­zun­gen zufolge war­ten alleine in den öster­rei­chi­schen Archi­ven rund 1,3 Mil­lio­nen Doku­men­ten auf eine Ent­säue­rung : Unter ihnen unwie­der­bring­li­che Schrift­stü­cke aus dem Ers­ten und Zwei­ten Welt­krieg, aber auch wert­volle Bücher. In Europa dürf­ten rund 40 Mil­lio­nen Papiere bedroht sein.

Kos­ten­güns­tig
Bis­her ent­wi­ckelte Ver­fah­ren, die gleich­zei­tig ent­säu­ern, die mecha­ni­sche Sta­bi­li­tät erhö­hen und zusätz­lich auch noch anti­mi­kro­bielle Eigen­schaf­ten besit­zen, haben alle­samt keine zufrie­den­stel­len­den Ergeb­nisse gebracht. Das bewog Pro­jekt­lei­te­rin Patri­cia Engel von der Donau-Uni­ver­si­tät Krems vor drei Jah­ren dazu, mit Unter­stüt­zung der For­schungs­för­de­rungs­ge­sell­schaft FFG ein eige­nes Pro­jekt zu initiieren.
„Eine Kom­bi­na­tion aus Nano­par­ti­keln aus Magne­sium- und Kal­zi­um­ver­bin­dun­gen mit einer aus einer Zel­lu­lose-Ver­bin­dung bestehen­den Hülle durch­dringt unter Druck das ganze Buch“, beschreibt Ribit­sch das von von der Uni Graz paten­tierte Ver­fah­ren. Dabei blei­ben sowohl gedruckte Buch­sta­ben als auch Bil­der unver­än­dert. Da die Methode ohne wäss­rige Lösungs­mit­tel aus­komme, sei auch kein lang­wie­ri­ger und teu­rer Tro­cken­pro­zess notwendig.
Die Ent­wick­lung eines tech­ni­schen Pro­to­typs wird vom Minis­te­rium für Wis­sen­schaft, For­schung und Wirt­schaft mit 150.000 Euro unter­stützt. Geplant ist mobi­les Gerät, das den Ein­satz an Ort und Stelle ermög­licht und die Methode kos­ten­güns­tig gestal­te­ten soll. 

Autor: APA-Science/red/stem
19.04.2016

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