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Gefahr aus dem inter­net­ten Nebenwohnsitz

TU-Wien und ita­lie­ni­sche Ca’ Fos­cari Uni­ver­si­tät decken Sicher­heits­lü­cke bei Web­sei­ten auf. Sub­do­mains kön­nen ein unbe­merk­tes Ein­falls­tor für unge­be­tene Besu­cher bilden.

Das Inter­net kann immer öfter auch Gefah­ren beinhal­ten : Hacker erschlei­chen sich Zugriff auf Com­pu­ter und wich­tige IT-Sys­teme, Daten kön­nen gestoh­len wer­den. Das Cyber­se­cu­rity-Team der TU-Wien hat nun eine neue Sicher­heits­lü­cke auf­ge­deckt, die bis­her mehr­heit­lich nicht im Mit­tel­punkt der Auf­merk­sam­keit stand. Große Web­sei­ten haben oft viele Sub­do­mains und mit bestimm­ten Tricks ist es mög­lich, die Kon­trolle über ein­zelne die­ser Sub­do­mains zu übernehmen. 

Wenn das gelingt, eröff­nen sich neue Sicher­heits­lü­cken, die auch Per­so­nen in Gefahr brin­gen, die ein­fach nur die eigent­li­che Web­seite ver­wen­den wol­len. Die TU-For­scher ana­ly­sier­ten, wel­che Atta­cken dadurch mög­lich wer­den und zudem, wie ver­brei­tet das Pro­blem eigent­lich ist : 50.000 der welt­weit wich­tigs­ten Web­sei­ten wur­den unter­sucht, 1.520 vul­nerable Sub­do­mains konn­ten dabei ent­deckt wer­den, so die TU. Beim letz­ten USE­NIX Secu­rity Sym­po­sium (Anm. wich­tige inter­na­tio­nale Cyber­se­cu­rity-Ver­an­stal­tung) wur­den nun die Ergeb­nisse publiziert.

Dang­ling Records oder Ver­knüp­fun­gen als Fallstricke
„Auf den ers­ten Blick könnte man mei­nen, das Pro­blem sei wohl nicht so schlimm. Der Zugang zu einer Sub­do­main geht ja nur über die Admi­nis­tra­ti­ons­rechte für die Web­seite — aber das ist ein Irr­tum“, sagt Marco Squar­cina vom Insti­tut für Logic und Com­pu­ta­tion der TU-Wien. Oft ver­weist eine Sub­do­main näm­lich auf eine andere Web­seite, die phy­sisch auf ganz ande­ren Ser­vern gespei­chert ist. 

Etwa die Web­seite example.com und da soll nun ein Blog zuge­fügt wer­den — jedoch nicht neu, son­dern mit­tels Nut­zung einer bereits bestehen­den Blog-Struk­tur einer ande­ren Web­seite. Daher wird eine Sub­do­main, etwa blog.example.com mit einer ande­ren Seite ver­knüpft. „Wer die Seite example.com nutzt und dort zum Blog wei­ter­klickt, bemerkt nichts Ver­däch­ti­ges“, so Squar­cina. „In der Adress­leiste steht die kor­rekte Sub­do­main blog.example.com, die Daten kom­men nun aber von einer völ­lig ande­ren Seite.“

Unter­schied­li­che Sicher­heits­re­geln für unter­schied­li­che Bereiche
Was pas­siert aber nun, wenn die Ver­knüp­fung eines Tages nicht mehr gül­tig ist ? Viel­leicht wird der Blog auf­ge­löst oder anderswo neu auf­ge­baut. Dann ver­weist die Ver­knüp­fung auf eine fremde Seite, die es nicht mehr gibt. In die­sem Fall spricht man vom soge­nann­ten „Dang­ling Records“ – lose Enden im Netz der Web­seite, die ideale Angriffs­punkte für Atta­cken sind. „Wenn sol­che Dang­ling Records nicht rasch besei­tigt wer­den, dann kann dort eine eigene Web­seite ange­legt wer­den und die wird dann unter sub-example.com ange­zeigt“, sagt Mauro Tem­pesta vom Cyber­se­cu­rity-Team der TU Wien. „Was immer mit die­ser Seite pas­siert, wird dann auf sub.example.com ange­zeig“, erläu­tert Tempesta.

Das sei pro­ble­ma­tisch, weil „Web­sei­ten unter­schied­li­che Sicher­heits­re­geln für unter­schied­li­che Berei­che des Inter­nets anwen­den“. Die eige­nen Sub­do­mains wer­den nor­ma­ler­weise als „sicher“ ein­ge­stuft – auch wenn sie in Wahr­heit von außer­halb kon­trol­liert wer­den. So kann etwa über die Sub­do­main auf Coo­kies zuge­grif­fen wer­den, die von der Haupt­seite bei Usern plat­ziert wur­den – und „ein Ein­dring­ling vor­ge­ben, ein ande­rer User zu sein und in des­sen Namen ille­gale Aktio­nen ausführen.“

Mehr Bewusst­sein für ein häu­fi­ges Problem
Das Team der TU-Wien (Marco Squar­cina, Mauro Tem­pesta, Lorenzo Vero­nese, Matteo Maf­fei und der Uni Ca’ Fos­cari (Ste­fano Cal­za­vara), unter­suchte 50.000 der meist­be­such­ten Sei­ten der Welt und fand 26 Mil­lio­nen Sub­do­mains. „Auf 887 die­ser Sei­ten fan­den wir Sicher­heits­lü­cken, auf ins­ge­samt 1.520 vul­ner­ablen Sub­do­mains“, so Marco Squar­cina. Unter den ver­wund­ba­ren Sei­ten waren sehr bekannte Web­sei­ten wie etwa cnn.com oder harvard.edu. Uni­ver­si­täts­sei­ten waren beson­ders häu­fig betrof­fen, weil sie nor­ma­ler­weise eine beson­ders große Zahl von Sub­do­mains haben.

„Wir kon­tak­tier­ten alle ver­ant­wort­li­chen Per­so­nen. Trotz­dem war das Pro­blem sechs Monate spä­ter erst auf 15 Pro­zent die­ser Sub­do­mains beho­ben“, sagt Marco Squar­cina. „Grund­sätz­lich wäre es nicht schwer, diese Schwach­stel­len zu behe­ben. Wir hof­fen, dass wir mit unse­rer Arbeit mehr Bewusst­sein für diese Sicher­heits­lü­cke schaf­fen kön­nen“, so die Forscher.

Autor: red/mich
02.07.2021

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