
Gefangen in Rezession und Inflation
Auch in Österreich werden Befindlichkeiten von Unternehmen erhoben und die sind derzeit überaus schlecht. Das aktuelle Geschäftsklima-Barometer von Creditreform belegt bei vielen Betrieben einen Personalabbau, einen historischen Tiefststand bei Investitionen und weiterhin Pessimismus bei der Umsatzentwicklung.
Die wirtschaftliche Situation im österreichischen Mittelstand bleibt weiterhin angespannt. Auch nach zwei Jahren Rezession bleibt die Erholung aus, Aufträge und damit Umsätze sinken weiter und vielerorts wird Personal abgebaut. Die Mehrheit der Unternehmen bleibt hier auch für die Zukunft pessimistisch.
40 Prozent der Betriebe berichten von Auftragsrückgängen
Diese Ergebnisse zeigt eine aktuelle Creditreform-Studie unter laut Angaben 1.400 Unternehmen. „In allen Wirtschaftssektoren überwiegt eine skeptische Grundhaltung. Eine schnelle Konjunkturerholung ist nicht zu erwarten“, sagt Gerhard Weinhofer, Geschäftsführer vom Österreichischen Verband Creditreform. „Der Mittelstand steckt weiterhin in der Rezession fest.“
In Betrachtung einzelner wichtiger Punkte berichten fast 40 Prozent der Betriebe von Rückgängen bei Aufträgen und nur rund 13 Prozent von einem Auftragsplus. Negativ ist auch die Bilanz bei den Umsätzen : rund ein Drittel der Betriebe (34 Prozent) verzeichnen Umsatzeinbußen, lediglich 16 Prozent ein Plus. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Entwicklung leicht verbessert, unterm Strich überwiegt aber weiter das Minus.
Personalabbau und reduzierte Investitionen durch hohe Energiepreise
„Von einer Erholung kann keine Rede sein – der Mittelstand steckt weiter fest. Auch erste Stabilisierungstendenzen reichen nicht, um den Trend zu drehen“, so Gerhard Weinhofer. „Die Unternehmen belastet insbesondere die hohen Energiepreise“. Schlecht sind auch die Erwartungen an die Zukunft : Für das kommende halbe Jahr erwarten lediglich 12 Prozent der Befragten ein Umsatzplus (Vorjahr : 14) und 28 Prozent Rückgänge.
Die Folgen der Rezession zeigen sich zudem am Arbeitsmarkt : In den letzten sechs Monaten haben knapp 30 Prozent der Unternehmen Personal abgebaut und nur 11 Prozent neue Stellen geschaffen. Besonders betroffen ist das Baugewerbe. Generell beim Personal planen nur sieben Prozent der Unternehmen Neueinstellungen. Bei den wichtigen Investitionen zeigt die schwache Konjunktur ebenso Wirkung. Nur noch 29 Prozent der Unternehmen planen aktuell Investitionen (2024 : 31 und 2023 : 43 Prozent).
Schwache Ertragslage und geringe Eigenkapitalquoten
Beleuchtet hat die Creditreform auch die Ertragslage : „Die Ertragslage im Mittelstand bleibt äußerst angespannt, die Talsohle dürfte aber mittlerweile erreicht sein“, so Weinhofer von Creditreform. Auch beim Thema steigende Gewinnen dürfte es noch dauern. Nur 11 Prozent der Unternehmen berichteten von steigenden Erträgen, 42 Prozent mussten Einbußen hinnehmen.
Auf den höchsten Stand seit sechs Jahren ist der Anteil der eigenkapitalschwachen Betriebe gestiegen. Exakt 20 Prozent der Betriebe verfügen lediglich über eine Eigenkapitalquote von unter 10 Prozent (Vorjahr : 17). Besonders hoch ist dieser Wert im Dienstleistungssektor (26). Insgesamt verfügen weniger Unternehmen als in den Vorjahren über eine solide Eigenkapitalquote von über 30 Prozent „Die lange Wirtschaftskrise fordert ihren Tribut“, unterstreicht Gerhard Weinhofer.
Kostenbelastungen als drängendstes wirtschaftspolitisches Thema
Ein sehr relevantes Thema, wenn nicht sogar Basis für die schwierige Wirtschaftssituation sind die stark gestiegenen Preise im Energiebereich und die Inflationsbelastung generell. „Die Bekämpfung von Inflation und steigenden Preisen – insbesondere im Energiebereich – erfordert mehr politisches Engagement“, betont Weinhofer in Richtung der Wirtschafts- und Energiepolitik.
Für 70 Prozent der Unternehmen sind die Kostenbelastungen das drängendste wirtschaftspolitisches Thema. Der Fachkräftemangel rückt etwas in den Hintergrund, wichtig bleibt auch der Bürokratieabbau als dringliche Aufgabe der Regierung. „Insgesamt bewerteten 53 Prozent der Unternehmen die Wirtschaftspolitik der neuen Bundesregierung kritisch“, so Gerhard Weinhofer von der Creditreform. (red/cc)