
Geldanlage und Kryptowährungen in Österreich
Sparbuch bleibt für Österreicher beliebteste Anlageform. Dahinter folgen Versicherungsprodukte, Anleihen, Aktien und Edelmetalle. An Bedeutung gewinnen Kryptowährungen, so eine aktuelle Studie von EY für 2025.
Herr und Frau Österreicher verfolgen beim Thema Geldanlage weiterhin ihr traditionelles Sicherheitsdenken. Das klassische Sparbuch ist und bleibt das Anlageprodukt Nummer 1. Knapp zwei Drittel der Befragten (64 Prozent) investieren hier ihr angespartes Vermögen. Dahinter folgen Versicherungsprodukte mit 44 Prozent, weiters Aktien und Anleihen mit 35 Prozent sowie Edelmetalle wie Gold oder Silber mit 30 Prozent.
Als Anlageform mittlerweile etabliert haben sich Kryptowährungen. Aktuell sind hier 17 Prozent der Österreicher investiert. Die primär digitalen Assets hinken somit den „klassischen“ Anlageprodukten nach wie vor hinterher, eine stabile Position im Anlageverhalten haben sie sich aber trotzdem erobert. Auffällig ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern : Während rund 25 Prozent der Männer in Kryptowährungen investieren, trifft das nur auf 10 Prozent der Frauen zu.
Das Thema Sicherheit dominiert
Ein klares Muster zeigt auch die Risikobereitschaft. Ein großer Teil der Bevölkerung investiert bei hohen Risiken nur sehr kleine Summen (37 Prozent), über ein Drittel (34) vermeidet risikoreiche Anlagen überhaupt. Gerade einmal fünf Prozent sind bereit, bei hohem Risiko auch größere Beträge zu investieren. Trotz der Popularität von Bitcoin & Co. bei jüngeren Zielgruppen bleibt eine breitere Risikobereitschaft eingeschränkt. Diese Ergebnisse zeigt eine aktuelle Studie zum Thema Kryptowährungen der Wirtschafts- und Beratungsorganisation EY mit laut Angaben 1.532 Befragten im Alter zwischen 18 und 65 Jahren.
„Wir sehen eine stark sicherheitsorientierte Bevölkerung, die sich weiterhin an klassische Anlageformen hält. Gleichzeitig schafft ein neuer europäischer Rechtsrahmen (Anm. Markets in Crypto-Assets Regulation/MiCAR) erstmals verlässliche und einheitliche Spielregeln für Krypto-Assets“, erläutert Martin Hanzl, Partner bei EY Law. „In einer wirtschaftlich herausfordernden Lage erhöht das die Bedeutung stabiler Rahmenbedingungen und transparenter Anlegerschutzmechanismen. Zugleich zeigt die steigende Zahl an Krypto-Investments, dass die Bereitschaft für neue Anlagewege wächst, bei einem klar definierten regulatorischen Umfeld“, ergänzt Hanzl von EY.
Bitcoin, Ethereum, Altcoins, Meme-Coins, Stablecoins und E‑Money-Token
Bei den Krypto-Investments selbst zeigt sich ein eindeutiges Bild : Bitcoin dominiert mit über 81 Prozent. Ethereum (51 Prozent) folgt auf Platz zwei, während Altcoins mit knapp 30 Prozent und Meme-Coins mit 26 Prozent eine deutlich geringere Rolle spielen. Stablecoins (12) sowie E‑Money-Token (1,5 Prozent) werden weit seltener genutzt. Die starke Dominanz von Bitcoin unterstreicht, dass viele Investoren zunächst auf die bekannteste Kryptowährung setzen. Gleichzeitig sind alternative Coins vor allem in jüngeren und männlichen Zielgruppen populär, was auf unterschiedliche Risikoprofile und technisches Interesse hindeutet.
Insgesamt 69 Prozent betrachten Kryptowährungen als eher oder sehr unsicher, während lediglich 19 Prozent sie als sicher einschätzen. Bei kryptospezifischen Begriffen zeigt sich ein sehr differenziertes Wissensbild : Zwar kennen nahezu alle Befragten Bitcoin, doch bei Ethereum liegt die Bekanntheit nur bei rund der Hälfte. Stablecoins, Meme-Coins und Altcoins sind vielen geläufig, aber oft ohne fundiertes Verständnis. Begriffe wie DeFi oder E‑Money-Token werden zwar erkannt, aber selten richtig eingeordnet.
Sicherheitsgefühl als zentraler Treiber bei Nutzung und der Platzhirsch Bitpanda
„Das Sicherheitsgefühl bleibt ein zentraler Treiber für Akzeptanz und Nutzung, fehlendes Hintergrundwissen ist ein Hemmnis. Die Umfrage zeigt aber klar, dass Krypto-Investments längst im Mainstream angekommen sind — auch wenn traditionelle Anlageformen noch dominieren“, sagt Lukas Amstler, Partner und Consultant für Financial Services bei EY Österreich. „Die Nutzung von Kryptoinvestments verbreitert sich. In einem Umfeld, in dem Vertrauen und regulatorische Klarheit entscheidend sind, können sowohl FinTechs als auch etablierte Finanzinstitute wichtige Impulse setzen“, so Amstler von EY.
Bei der Nutzung von Krypto-Plattformen selbst liegt der österreichische Finanzdienstleister Bitpanda mit fast 60 Prozent deutlich an der Spitze, gefolgt von Binance (in China gegründet, aktuell auf den Cayman Islands ansässig) mit 21 Prozent und Kraken (Wyoming, US) mit elf Prozent. Neben Benutzerfreundlichkeit, Gebühren & Kosten sowie automatisierte Abfuhr der Kapitalertragssteuer, richtet sich die Auswahl der Plattformen insbesondere an gesetzlich-regulatorischen Parametern.
Die unterschiedliche Intensität beim Handeln und die Rolle des Standortes
Für 81 Prozent der Krypto-Anleger ist es wichtig, dass die Plattform in der EU reguliert ist. 69 Prozent würden nur auf Plattformen investieren, die in Österreich zugelassen sind, und mehr als die Hälfte bevorzugt sogar Anbieter, die ihren Hauptsitz in Österreich haben. 73 Prozent der Nutzer:innen vergleichen allerdings die Plattformen nicht regelmäßig, viele bleiben bei jenem Anbieter, den sie über private Empfehlungen kennengelernt haben, so ein weiteres Ergebnis der EY-Studie.
Beim Transaktionsverhalten selbst handelt ein gutes Drittel der Investoren mindestens einmal pro Monat. Weitere 26 Prozent kaufen und verkaufen Kryptowährungen in unregelmäßigen Abständen – meist abhängig von marktrelevanten Ereignissen. Rund 24 Prozent haben bislang nur einmal investiert, was auf ein vorsichtiges Herantasten an die Asset-Klasse schließen lässt. Immerhin 33 Prozent der Investoren haben Kryptowährungen auch schon als Zahlungsmittel genutzt. Die häufigsten Einsatzbereiche sind digital, etwa bei App-Käufen im Gaming-Bereich oder bei Online-Abos.
Steuerliche Unsicherheit bleibt eine zentrale Herausforderung
Ein eher ambivalentes Verhalten zeigt sich bei steuerlichen Themen. Lediglich 38 Prozent glauben, sich in steuerlichen Fragen gut auszukennen, während 28 Prozent ihr Wissen als eher schlecht einstufen und 22 Prozent überhaupt nicht wissen, wie Krypto-Gewinne korrekt besteuert werden. Nur 48 Prozent geben an, ihre Einkünfte vollständig versteuert zu haben, knapp 20 Prozent haben dies nur teilweise durchgeführt.
„Viele private Krypto-Anleger unterschätzen die steuerliche Komplexität digitaler Vermögenswerte. Die neuen europäischen Regeln werden Transparenz bringen – aber auch die Notwendigkeit, sich frühzeitig damit auseinanderzusetzen“, sagt Christian Massoner, Partner und Steuerberater bei EY Österreich. „Die Ergebnisse verdeutlichen, wie groß die Wissenslücken bei steuerlichen und regulatorischen Fragen rund um digitale Assets sind. Wer hier nicht proaktiv handelt, riskiert nicht nur steuerliche Nachteile, sondern auch rechtliche Konsequenzen“, betont Massoner von EY.
Anleger:innen wünschen sich mehr Information und Regulierung
Unter Personen, die bislang nicht in Kryptowährungen investiert haben, ist die Unsicherheit über die Anlageform der wichtigste Hinderungsgrund. Mehr als die Hälfte empfindet Kryptowährungen als zu riskant. Ein Drittel gibt fehlendes Verständnis oder kein Interesse an. Weitere Gründe sind mangelnde Zeit, die hohe Komplexität vieler Krypto-Angebote sowie der Wunsch, Krypto-Investments lieber über die eigene Bank abzuwickeln, statt ein eigenes Konto bei einer Plattform zu eröffnen.
Damit Krypto-Plattformen attraktiver werden können wünschen sich viele Befragte leicht verständliche und vor allem unabhängige Informationen über Kryptowährungen und deren Risiken (27 Prozent). Auch ein stärker integriertes Angebot, das Bankdienstleistungen, Wertpapierhandel und Kryptowährungen in einer einzigen Plattform vereint, wird von 22 Prozent der Befragten genannt. Zusätzliche Vorteile wie Belohnungssysteme oder Premium-Modelle nennen 13 Prozent der Befragten als mögliche Anreize für einen Einstieg.
Kryptowährungen haben ihren festen Platz in Österreich gefunden
Aus der Sicht von EY zeigt sich final ein überraschend optimistisches Bild. Zwei Drittel jener Personen, die bereits in Kryptowährungen investiert haben, wollen ihre Engagements künftig erhöhen. Die Renditen müssen aber attraktiver sein als bei klassischen Bankprodukten. Besonders jüngere Nutzer:innen handeln häufiger, probieren mehr Produkte aus und zeigen sich offener gegenüber neuen Services wie Staking (Anm. Kryptoinvestments bleiben für bestimmten Zeitraum gegen Rendite gesperrt) oder Derivaten.
„Kryptowährungen haben ihren festen Platz in Österreich gefunden, noch als Nische, aber mit starkem Wachstumspotenzial. Ob digitale Assets künftig breiter in der Bevölkerung ankommen, hängt maßgeblich von Vertrauen, Regulierung und verständlicher Information ab“, so der abschließende Befund der Experten von EY Österreich. (red/rucz, red/czaak)